Den Egoismus demaskiert

    Sch√ľler gestalten ‚ÄěFastentuch‚Äú in der Liebfrauenkirche

    RAVENSBURG ‚Äď Egoismus bedeutet, sich hinter einer Maske verstecken, von sich nichts preiszugeben und andere nur verzerrt wahrzunehmen. Bereits zum achten Mal verh√ľllen Sch√ľler des Kunstprofils am Welfen-Gymnasium mit einem etwa 5,50 Meter breiten und 7 Meter hohen Fastentuch das gro√üe Kreuz in der Liebfrauen-Kirche. Mit dem Kunstobjekt setzen sie die kirchliche Tradition der Kreuzverh√ľllung w√§hrend der 40-t√§gigen Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern um. Die Elftkl√§ssler greifen damit das Motto ‚ÄěIch zuerst!?‚Äú der Fastenpredigtreihe in Liebfrauen auf, das sich mit Egoismus auf verschiedenen Ebenen auseinandersetzt.

    √úber 200 Masken aus Blech bilden eine Masse, die sich vor dem Kreuz konzentriert. Mit Spiegelfolie √ľberzogene und lackierte Metallgesichter versperren nicht nur den Blick aufs Kreuz, sondern auch auf sich selber. Im Spiegel sieht der Betrachter dabei nur sich und wird ebenso hinterfragt, wo er Ich-bezogen handelt und lebt. Kunstlehrer Uli Schubert zur Symbolik dahinter: ‚ÄěWenn viele oder alle zu solch anonymen Beobachtern werden, ist das Resultat eine anonyme, misstrauische und gleichg√ľltige Gesellschaft. Man schaut zu, gibt sich aber nicht zu erkennen.

    Die Reflexion des Spiegels wirke wie ein dichter Schleier, hinter den man nicht blicken k√∂nne. Egoismus √ľberwinden w√ľrde hei√üen, die Masken fallen zu lassen, dem anderen Einblick geben und vom anderen ebenfalls mehr als die Maske wahrzunehmen.

    Die angehenden Abiturienten Joachim N√§gele, Jakob Claassen, Jonas Forstenh√§usler und Timo Schell hatten deshalb zusammen mit ihrem Kunstp√§dagogen die Idee, im Laufe der sechsw√∂chigen Fastenzeit, die Gesichter nach um nach von ihren Spiegel-Masken zu befreien. Das Kunstwerk wird also dynamisch und √§ndert sich immer wieder. Uli Schubert: ‚ÄěDer einstige Egoist wird mit seinem eigenen Ich offen f√ľr die Gemeinschaft, wird sichtbar und erkennbar, tr√§gt etwas zum Gelingen des Ganzen bei.‚Äú So sei es auch eine Art Fr√ľhlingsbild, bei dem nach und nach die Vereisungen des Winters auftauen und die frische Farbigkeit aufbl√ľht.

    Investiert haben Sch√ľler und Lehrer wieder viele Stunden ‚Äď vor allem au√üerhalb des Unterrichts an Nachmittagen oder in Pausen. Trotz der √ľberdimensionalen Gr√∂√üe kommt das gro√üe Kunstobjekt mit einem geringen Budget von wenigen hundert Euro aus. F√ľr die Sch√ľler ist das Projekt eine Chance, f√ľr ein breites Publikum ein gro√üformatiges Projekt zu realisieren. Nat√ľrlich werden die vielen Stunden Arbeit auch schulisch gewertet als sog. ‚ÄěGleichwertige Feststellung von Sch√ľlerleistungen‚Äú, bekannt unter der Abk√ľrzung GFS ‚Äď aber das kann als Motivation nicht ausreichen.