Neue Verwendung der Mühlbruck-Kapelle als Gottesdienstraum für die ukrainisch-orthodoxe Gemeinde. Der große metallene Schlüssel, den Pfarrer Harald Kiebler am Sonntag an Priester Vadim Karpenko übergab, passt nicht ins Türschloss der Mühlbruckkapelle. Er steht aber symbolisch dafür, dass die ukrainisch-orthodoxe Gemeinde das Kirchlein an der Meersburger Straße in Ravensburg nahe der Schussenbrücke nun dauerhaft für Gottesdienste und Katechese nutzen kann. In den vergangenen drei Jahren zelebrierte Karpenko die Liturgie einmal monatlich in der Jodokskirche.
Anders als in der römisch-katholischen Messe, in der sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil Priester und Gemeinde wieder um den Altar versammeln, verrichtet der orthodoxe Geistliche den Eucharistieteil vom Volk getrennt hinter einer Bilderwand, der Ikonostase. Diese jedes Mal auf- und abzubauen bedeutete einen großen Aufwand. Karpenko, der nach kontroversen Äußerungen von Patriarch Kyrill die Russisch-Orthodoxe Kirche verließ und ins Patriarchat Konstantinopel wechselte, feiert schon länger ukrainisch-orthodoxe Gottesdienste in Wangen und Lindau und eben seit drei Jahren einmal monatlich in St. Jodok. Als der ehrenamtliche Priester sich mit seinem Wunsch nach einem eigenen Kirchenraum an Pastoralreferent Dr. Michael Schindler von der Seelsorgeeinheit Ravensburg-Mitte wandte, fiel diesem die Mühlbruckkapelle ein. Der Schmerzensmutter Maria geweiht diente sie auf dem Weg zur Galgenhalde ursprünglich den Verurteilten als Gebetstätte. Sie wurde vor knapp 100 Jahren an der Stelle mehrerer unterschiedlich großer Vorgängerbauten neu errichtet, verlor aber in den 1960er Jahren durch den Bau der Dreifaltigkeitskirche in der Weststadt an Bedeutung. Seit der Pandemie blieb sie ungenutzt.
Markus Waggershauser auf drs-media
