Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

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3. Fastensonntag: "... an Jesus Christus...."

Lesung:

Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit.Wir dagegen verk√ľndigen Christus als den Gekreuzigten: f√ľr Juden ein emp√∂rendes √Ąrgernis, f√ľr Heiden eine Torheit, f√ľr die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.

1 Kor 1, 22-25

 

Evangelium:

Als Jesus in das Gebiet von C√§sarea Philippi ka Sie sagten: Die einen f√ľr Johannes den T√§ufer, andere f√ľr Elija, wieder andere f√ľr Jeremia oder sonst einen Propheten.
Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, f√ľr wen haltet ihr mich?
Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!
Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

Mt 16, 13-17

 

Predigt

Liebe Br√ľder und Schwestern im Glauben,

wem vertrauen sie in ihrem Alltag?                            

Und bei wem sind sie eher skeptisch und vorsichtig?

In unserer heutigen Zeit werden wir geradezu bombardiert mit Informationen, Werbespots und Videos. Ob am Bahnhof, in Gesch√§ften, sogar in Bars und mittlerweile auch in Arztpraxen ‚Äď √ľberall sind Flachbildfernseher aufgestellt und es l√§uft Musik im Hintergrund. Ob Radio, Fernseher, Internet, ob Smartphone oder Tablet ‚Äď viele  Menschen sind heute fast den ganzen Tag online, verbunden mit der gro√üen weiten Welt.

Aber ist das alles wahr, und ist das f√ľr unser Leben wirklich wichtig, was wir Tag f√ľr Tag h√∂ren und sehen? K√∂nnen wir dem trauen? Und wo f√ľhlen wir uns an der Nase herumgef√ľhrt und angelogen?

Bei der Flut von Worten und Bildern, die uns t√§glich erreichen und beeinflussen wollen, braucht es die F√§higkeit zu unterscheiden. Zu unterscheiden, was wichtig und was unwichtig, was wahr und was unwahr ist. Ob wir jemanden Glauben schenken, h√§ngt ganz ma√ügeblich von seiner Glaubw√ľrdigkeit ab. Denn wir vertrauen v.a. den Menschen, die glaubw√ľrdig sind. D.h. die tun, was sie sagen. Die sich nicht verstellen. Die sich nicht hinter einer sch√∂nen Fassade, hinter Floskeln oder sch√∂nen Spr√ľchen verstecken. Die sich bew√§hrt haben. Die sich treu geblieben sind.

Im heutigen Evangelium geht es um diese Glaub-w√ľrdigkeit. Jesus will wissen, was die Menschen von ihm halten. Ist er in ihren Augen ein Spinner und Betr√ľger? Oder ist er glaubw√ľrdig? Die Antwort der J√ľnger spricht f√ľr das Letztere: die einen halten ihn f√ľr Johannes den T√§ufer, andere f√ľr einen gro√üen Propheten wie Elija oder Jeremia. Allesamt gro√üe j√ľdische Gestalten. Doch ihren H√∂hepunkt findet die Glaubw√ľrdigkeit Jesu im Bekenntnis des Petrus, wenn er sagt: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.

Was Petrus hier sagt, ist jedoch in den Augen vieler frommer Juden von damals ein √Ąrgernis. Viele hofften auf einen starken politischen Messias, der als Kriegsherr und K√∂nig die Juden endlich von der r√∂mischen Belagerung befreit.  Mit einem gewaltlosen Wanderprediger dagegen haben nicht viele gerechnet. Und dass Gott einen Sohn hat, war f√ľr sie Anma√üung und Gottesl√§sterung, ist doch Gott in ihrem Denken √ľber alles Menschliche erhaben und kann sich deshalb nicht als Mensch zeigen.

Und trotzdem: F√ľr Petrus, f√ľr die J√ľnger, f√ľr eine wachsende Zahl von Menschen verdient dieser Jesus h√∂chste Glaubw√ľrdigkeit. Eine Glaubw√ľrdigkeit, die alle bisherigen religi√∂sen Autorit√§ten √ľberragt. Eine Glaubw√ľrdigkeit, die wohl aus der Weggemeinschaft und den vielen pr√§genden Erfahrungen mit diesem Jesus kommt. Offensichtlich haben die J√ľngerinnen und J√ľnger das Gef√ľhl, dass in der Gemeinschaft mit diesem Jesus etwas sp√ľrbar und lebendig wird, was mit Gott und ihren Grundbed√ľrfnissen nach Gl√ľck, Sinn, Frieden, Gerechtigkeit und Erf√ľllung zu tun hat.

Liebe Gemeinde,

im Credo,  das im Mittelpunkt unserer Fasten-predigtreihe steht, hat die junge Kirche in den ersten Jahrhunderten das zusammengefasst, was aus ihrer Sicht am wichtigsten und glaubw√ľrdigsten ist. Dass es hier nicht nur um Glaubensinhalte geht, sondern v.a. um eine pers√∂nliche und lebensm√§√üige Beziehung zu ihnen, verr√§t schon gleich das erste Wort dieses Bekenntnisses: ‚ÄěCredo‚Äú setzt sich aus den beiden lateinischen Worten ‚Äěcor‚Äú und ‚Äědare‚Äú zusammen und hei√üt auf deutsch ‚Äěsein Herz schenken‚Äú. Also meint glauben ‚Äěvon Herzen vertrauen‚Äú und nicht einfach nur ‚Äěnicht genau wissen‚Äú.

Wie sie sicher schon am Evangelium und meinen bisherigen Gedanken gemerkt haben, geht es heute um Jesus Christus. Er wird im Credo als Gottes ‚Äěeingeborenen Sohn‚Äú und ‚Äěunseren Herrn‚Äú bezeichnet, ‚Äěempfangen durch den Heiligen Geist und geboren von der Jungfrau Maria‚Äú. Was in manchem Gottesdienst so leicht und schnell √ľber die Lippen geht, hat es bei genauerem Hinsehen in sich: Nicht nur, weil dar√ľber in der Kirche schon h√§ufig gestritten wurde und wird. Nein, weil es das Herzst√ľck unseres christlichen Glaubens ist, unsere Vorstellung und unsere Beziehung zu Gott auf den Punkt bringt.

Als ‚ÄěSohn Gottes‚Äú ist Jesus  - etwas einfach ausgedr√ľckt ‚Äď nicht nur am N√§chsten dran am G√∂ttlichen. Durch sein Sohn- und Menschsein wird er uns auch zum Bruder, zum Mitmenschen, der unser Leben mit seinen Sonnen- und Schattenseiten teilt . Der Wunsch nach einem menschenfreundlichen Gott erf√ľllt sich ganz konkret im menschgewordenen Gott. Man k√∂nnte auch sagen: In Jesus zeigt Gott uns sein menschliches Gesicht. (Zusatz f√ľr dort, wo es eine Regenbogen-installation gibt: Der wachsende Regenbogen in der Fastenzeit, Symbol f√ľr die Verbindung zwischen Himmel und Erde, Gott und Mensch, wird mit Jesus um eine entscheidende und kr√§ftige Farbe reicher.)

Wenn wir diesen Jesus als unseren ‚ÄěHerrn‚Äú bekennen, dann meint ‚ÄěHerr‚Äú nicht nur eine h√∂fliche Anredeform wie z.B. ‚ÄěHerr Meier‚Äú. ‚ÄěHerr‚Äú oder wie im griechischen Originaltext ‚ÄěKyrios‚Äú war im AT die offizielle √úbersetzung f√ľr Gottes unaussprechlichen Namen. Und im r√∂mischen Reich der Titel des Kaisers. Einen ‚ÄěKyrios‚Äú, einen ‚ÄěHerrn‚Äú konnte es also nur einen geben. Entweder der eine oder der andere. Auf die Zeit Jesu √ľbertragen: Entweder Kaiserkult oder Gottesdienst, entweder Weltherrschaft oder Gottes Reich. Und was dieses ‚ÄěHerr-Sein‚Äú Jesu f√ľr uns heute hei√üen kann, beschreibt der amerikanische Benediktiner, Eremit und Spiritualit√§tslehrer David Steindl-Rast so:  ‚ÄěDer Glaube an Jesus Christus als Herrn bedeutet, dass wir unser tiefstes Vertrauen setzen auf die Macht g√∂ttlicher Liebe.‚Äú Wenn also Jesus ‚ÄěHerr‚Äú ist in unserem Leben, dann ist es letztlich die Autorit√§t der Liebe. Eine Liebe , die alle einschlie√üt. Eine Liebe, die letztlich die innerste Berufung eines jeden Menschen darstellt.

Liebe Gemeinde,

im heutigen Evangelium fragt Jesus seine J√ľnger, f√ľr wen sie ihn halten. Sie haben ihre Antwort gegeben. Und auch die junge Kirche hat nach langem Ringen zu ihrem Bekenntnis gefunden. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit, sich nun auch selber auf den Weg zu machen und f√ľr sich zu kl√§ren: Wer ist dieser Jesus f√ľr mich? Kann und will ich ihm vertrauen?

© B. Held, 2012

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.