Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb├╝ro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
Schwalbenweg 5
88213 Ravensburg

Tel. 0751-7912430
Fax 0751-7912440
E-Mail: Info-Dreifaltigkeit.RV@drs.de

 

 

1. Fastensonntag

Lesung: R├Âm 10, 8-13

Was sagt die Schrift? Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verk├╝ndigen; denn wenn du mit deinem Mund bekennst: ÔÇ×Jesus ist der HerrÔÇť und in deinem Herzen glaubst: ÔÇ×Gott hat ihn von den Toten auferwecktÔÇť, so wirst du gerettet werden.
Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen.
Denn die Schrift sagt: Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen.
Darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen. Alle haben denselben Herrn; aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen.
Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

 

Evangelium: Lk 4, 1-13

In jener Zeit  verlie├č Jesus, erf├╝llt vom Heiligen Geist, die Jordangegend. Darauf f├╝hrte ihn der Geist vierzig Tage lang in der W├╝ste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung gef├╝hrt. Die ganze Zeit ├╝ber a├č er nichts; als aber die vierzig Tage vor├╝ber waren, hatte er Hunger.
Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden.
Jesus antwortete ihm: In der Schrift hei├čt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot.
Da f├╝hrte ihn der Teufel auf einen Berg hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir ├╝berlassen, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles geh├Âren.
Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Darauf f├╝hrte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so st├╝rz dich von hier hinab; denn es hei├čt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu beh├╝ten; und: Sie werden dich auf ihren H├Ąnden tragen, damit dein Fu├č nicht an einen Stein st├Â├čt.
Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Nach diesen Versuchungen lie├č der Teufel f├╝r eine gewisse Zeit von ihm ab.

 

Predigt:

in diesem Jahr lassen wir uns durch Paulus zu dieser Predigtreihe provozieren. ÔÇô Paulus ÔÇô der Querdenker und erste Theologe der Christenheit.

Paulus ÔÇô der Verfolger der Urchristengemeinde

Paulus ÔÇô der bekehrte Apostel

Paulus ÔÇô der Missionar der ÔÇ×HeidenÔÇť

Paulus ÔÇŽ

Da gibt es noch ganz viele M├Âglichkeiten, diesem Mann irgendein Etikett anzuheften.

Ich will mit Ihnen heute die Gestalt dieses Mannes, Paulus aus Tarsus, beleuchten und vor allem auch seine theologischen Grundideen in groben Z├╝gen zeigen. Die Lesung war schon ein ├ťberblick ├╝ber seine Theologie, aber dazu nachher mehr.

 

Das Leben des V├Âlkerapostels Paulus

=> Was wir ├╝ber Paulus letztlich sagen k├Ânnen, das wissen wir aus der Apostelgeschichte, die der Evangelist Lukas verfasst hat, oder aus seinen Briefen an verschiedene Gemeinden oder Personen.

=> Geboren wurde Paulus in der j├╝dischen Diaspora, n├Ąmlich in Tarsus in Kilikien, das ist heute im S├╝dosten der T├╝rkei.

=> Er ist in einer frommen j├╝dischen Familie aufgewachsen und geh├Ârt zum Stamm Benjamin.

=> In der Apostelgeschichte wird behauptet, dass er schon fr├╝h nach Jerusalem gekommen sei. Dort sei er ein Sch├╝ler des Rabbi Gamaliel gewesen.

=> Diese intensive Ausbildung hat auch bedeutet, dass sich Paulus sehr gut in der griechischen Philosophie und Kultur ausgekannt hat.

=> Aufgrund seiner Herkunft hat er auch das r├Âmische B├╝rgerrecht besessen, weshalb er am Ende f├╝r seine Verurteilung auch nach Rom gebracht werden muss.

=> Er hat sich den Pharis├Ąern angeschlossen und war wohl ein besonders eifriger Vertreter dieser gesetzestreuen Juden.

=> In der Apostelgeschichte und in seinen eigenen Briefen erz├Ąhlt Paulus davon, dass er die Urchristengemeinde verfolgt hat. F├╝r den Pharis├Ąer Paulus war diese Lehre vom gekreuzigten Messias ein absoluter Skandal und v├Âllig inakzeptabel. So etwas darf in den Reihen der Juden nicht gedacht und nicht gelehrt werden!

=> Paulus war von Beruf Zeltmacher, also f├╝r uns heute so etwas wie Sattler. Er hat sich seinen Lebensunterhalt selbst verdient und war damit frei und unabh├Ąngig. Er war nicht verheiratet, was f├╝r die damalige Zeit v├Âllig ungew├Âhnlich war.

=> Die Bekehrung des Apostels Paulus hat so um das Jahr 33 n. Chr. stattgefunden, d.h. ca. 2 Jahre nach der Kreuzigung Jesu. Genaue Zahlen daf├╝r sind nicht zu erheben.

=> So um das Jahr 35 n.Chr. hat er zum ersten Mal nach seiner Bekehrung Jerusalem besucht und dort Petrus getroffen.

=> Um das Jahr 45/46 n.Chr. muss das sog. Apostelkonzil in Jerusalem stattgefunden haben. Da sind nach Darstellung des Lukas die entscheidenden Weichen gestellt worden f├╝r die Trennung des Christentums vom Judentum.

=> Paulus hat sich dabei durchgesetzt mit seiner Lehre, dass niemand erst Jude werden muss bevor er Christ werden kann. Zu dieser Zeit sind viele sog. ÔÇ×HeidenÔÇť getauft worden, ohne dass sie zuvor beschnitten worden waren.

=> Nach diesem Apostelkonzil ist Paulus zu seiner ersten Missionsreise aufgebrochen, die im Fr├╝hjahr 48 n.Chr. endet. Das Gebiet, das er bereist ist der S├╝den und der Westen der heutigen T├╝rkei.

=> Im Sommer des Jahres 48 n.Chr. macht er sich schon wieder auf den Weg zu seiner zweiten Missionsreise, die ihn ├╝ber die heutige T├╝rkei auch nach Europa f├╝hrt. Er kommt nach Saloniki, Athen und Korinth. ├ťber Ephesus kehrt er dann im Jahr 51 n.Chr. nach Antiochien zur├╝ck.

=> Im Sommer 51 n.Chr. macht er sich dann schon wieder auf den Weg zu seiner dritten und gef├Ąhrlichsten Missionsreise, die ihn wieder ├╝ber Ephesus nach Korinth und in viele Orte f├╝hrt, wo er fr├╝her schon einmal war. Diese Reise endet im Jahr ca. 56 n.Chr. in Jerusalem.

=> In diesem Jahr 56 n.Chr. wird Paulus als Volksaufwiegler in Jerusalem verhaftet und nach einer l├Ąngeren Haft in C├Ąsarea nach Rom gebracht. Dort verliert sich seine Spur. Wir wissen heute nicht genau, wann Paulus dort hingerichtet worden ist. Es ist auch nicht klar, ob er jemals den Kaiser zu Gesicht bekommen hat, an den er ja in Jerusalem appelliert hat.  

=> Grunds├Ątzlich ist es sehr schwierig, die Reisen genau zu datieren. Mit allen diesen Jahreszahlen muss man also vorsichtig sein.

=> Aber klar ist, dass Paulus ab seiner Bekehrung im Jahr 33 n.Chr. etwa 30 Jahre lang Zeit gehabt hat, die Botschaft vom angebrochenen Reich Gottes in der damaligen Welt zu verk├╝nden.

=> Paulus hat in dieser Zeit eine erste christliche Theologie entwickelt, die f├╝r uns bis heute eine wichtige Grundlage ist.

=> Paulus ist ein guter Theologe und ein scharfer Denker, der die hellenistische Kultur und Philosophie f├╝r die Verbreitung des Christentums zu nutzen wei├č.

 

Die Theologie des Paulus

=> Zun├Ąchst vertritt Paulus ein hebr├Ąisches Menschenbild. Danach ist der Mensch eine unteilbare Einheit. F├╝r ihn gibt es keine Trennung in Leib und Seele. Der Mensch ist Leib. Und mit diesem Leib ist er in der Welt. Der Leib ist kein Gef├Ąngnis f├╝r die Seele. Das ist hellenistisches Denken. Das lehnt Paulus ab.

=> Der Mensch ist ein ganzheitliches Wesen, das mit seinem Leib in dieser Welt vor Gott und f├╝r Gott lebt. Dieser Leib ist zwar sterblich, aber er geh├Ârt auch in der Ewigkeit Gottes f├╝r Paulus untrennbar zum Menschen dazu.

=> Den Leib gibt es somit in der Denkweise des Paulus einmal als verg├Ąngliches Prinzip und einmal als unverg├Ąngliches Prinzip. Das ist Auferstehung der Toten.

=> Der Mensch im Leib ist allerdings bedroht, weil er sich an weltlichen Dingen orientiert und so oft auch falsche Entscheidungen f├Ąllt, die nicht tragen.

=> Wer sich ganz an diesen weltlichen Dingen orientiert, hat Angst sie zu verlieren oder meint, dadurch Ehren und Ansehen zu erreichen. Das ist falsch ÔÇô sagt Paulus.

=> Es gibt aber auch die anderen Entgleisungen des Leibes, die es nach Paulus einem Menschen unm├Âglich machen, das Reich Gottes zu erben: Unzucht, Hass, Streit, Fressen und Saufen.

=> Allerdings hei├čt das im Kern, dass Paulus alles antisoziale und egoistische Verhalten der Menschen meint, wenn er sagt, so kann das Leben eines Menschen nicht gelingen.

=> An dieser Stelle kommt der Begriff der S├╝nde ins Spiel. Paulus verwendet das Wort S├╝nde, um eine Unheilsmacht zu beschreiben. Ihm geht es nicht um einen s├╝ndigen Menschen, sondern um die S├╝nde, die die Menschen beherrscht. Das ist quasi f├╝r ihn eine personifizierte Macht.

=> Aber sein eigentliches Thema ist, dass die Macht der S├╝nde bezwungen worden ist!

=> Das Leben ist f├╝r alle gewonnen worden durch Jesus den Christus.

=> Adam, der erste Mensch, hat der Macht der S├╝nde quasi die T├╝r ge├Âffnet.

=> Und durch die S├╝nde ist der Tod in unsere Welt gekommen als Ergebnis der S├╝nde. Wobei es hier um die theologische Dimension von Tod geht.

=> Von Anfang an also war der Mensch eigentlich ÔÇô nach Paulus ÔÇô nicht f├╝r den Tod geschaffen, sondern f├╝r das Leben.

=> Es geht um das Leben. Und die Regelungen f├╝r das Leben stehen -nach Paulus - im Gesetz. Dort ist seiner Meinung nach die Willens├Ąu├čerung Gottes zu finden.

=> Die Juden haben das Gesetz schriftlich, den Heiden ist das Gesetz ins Herz geschrieben. Sie m├╝ssen nur danach handeln, dann haben auch sie das Leben.

=> S├╝nde ist, wenn etwas gegen das Gesetz geschieht oder getan wird. Und Menschen k├Ânnen erkennen, dass sie jetzt gegen die Vorgaben Gottes versto├čen.

=> An dieser Stelle geschieht f├╝r Paulus die Zeitenwende! Gott bringt f├╝r alle Menschen die Rettung in Jesus dem Christus!

=> Im Kreuz und in der Auferstehung Jesu wird die Gerechtigkeit Gottes offenbar.

=> Diese Gerechtigkeit Gottes ist paradox, weil sie darin besteht, dass Gott die Vergebung zusagt f├╝r alle Menschen! Wirklich kaum zu verstehen!

=> Nur wenn man von Gott her denkt, dann bekommt das einen Sinn. Gott sagt allen Menschen seine Vergebung zu und zerst├Ârt damit die Macht der S├╝nde in unserer Welt. ÔÇô Eine spannende These!

=> Und damit sind wir bei der Rechtfertigungslehre des Paulus, der sagt, dass der Mensch jetzt nur noch dadurch Zugang zum Gerechtigkeitshandeln Gottes hat, dass er an Jesus den Christus glaubt.

=> Der Mensch kann zu seinem Heil nichts beitragen, auch wenn er die Vorgaben des Gesetzes befolgt und Werke der Gerechtigkeit vollbringt.

=> Nein, er kann das Heil einzig erlangen durch den Glauben an den gekreuzigten und auferstanden Jesus, den Christus. ÔÇô

 

=> Das haben Sie vorhin in der Lesung geh├Ârt:

ÔÇ× wenn du mit deinem Mund bekennst: Jesus ist der Herr und in deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden.ÔÇť

 

=> Damit wird eine neue Dimension einf├╝hrt in das Glaubensgeb├Ąude der Menschen: glauben kann und darf jede und jeder ÔÇô unabh├Ąngig von Religions- oder Volkszugeh├Ârigkeit! 

=> Denken Sie daran, dass ich hier gerade die Theologie des Paulus in der Zeit der Antike zeichne. Das war  eine Welt, die durch und durch gepr├Ągt war von G├Âtterkult und religi├Âsen Vorstellungen.

Da war so eine Feststellung, dass Gott, in seiner Gnade, allen Menschen den Glauben schenkt und sie damit hinein f├╝hrt in sein Heil ÔÇô einfach revolution├Ąr und gef├Ąhrlich!

=> Die Menschen, die an die Unheilsm├Ąchte von S├╝nde, Gesetz und Tod versklavt waren, werden nun durch die Gnade Gottes, die in ihnen wirkt, befreit!

=> Die Gnade ist die Macht, die Gott durch Jesus Christus in den Menschen aufgerichtet hat. Damit sind die Unheilsm├Ąchte besiegt.

=> Die Tat der Menschen muss nun sein, das Geschenk der Gnade und des Glaubens anzunehmen. Der Glaube aber ist, Jesus, den Christus als den Herrn des eigenen Lebens anzuerkennen.

=> Damit wird das Evangelium Jesu in unserer Welt lebendig. Das ist das Heilswerk Gottes. Wer so glaubt, l├Ąsst sich ein auf die Gegenwart Gottes in unserer Welt.

=> So entsteht dieses ÔÇ×Gemeinschaft in ChristusÔÇť, wie Paulus das immer nennt.

=> So wird Christus lebendig in dieser Welt durch die Menschen, die sich in seinem Geist f├╝r Gerechtigkeit und Frieden einsetzen.

=> So werden alle ÔÇ×eins in ChristusÔÇť. Das ist der lebendige Leib Christi mitten in einer unheilen Welt.

=> Menschen werden - nach Paulus - durch die Taufe hinein genommen in dieses Heilsgeschehen mit Christus.

=> Damit ist diesen getauften Menschen, bei denen ├╝brigens der Glaube selbstverst├Ąndlich vorausgesetzt wird, das Leben mit Christus das Lebensprogramm schlechthin geworden.

=> Sie haben bei ihrer Taufe auch den Geist empfangen, der sie befreit hat von allen Unheilsm├Ąchten.

=> Damit sind alle Menschen in der Lage, die Frucht des Geistes zu ernten: die Liebe.

=> Dieser Geist der Liebe zeigt sich in den Gemeinden, die als der lebendige Leib Christi in der Welt, das Heil Gottes bezeugen, das allen Menschen gilt.

=> Mit diesem Schnelldurchgang durch das Leben und die Theologie des Paulus sind Sie jetzt gut ger├╝stet f├╝r die weiteren Begegnungen an den kommenden Sonntagen mit diesem Zeugen der ÔÇ×ersten StundeÔÇť des Christentums.

Ich w├╝nsche Ihnen einen nachdenklichen Sonntag.

Amen.

┬ę R. H├╝bschle 2016

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.