Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb√ľro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
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88213 Ravensburg

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1. Fastensonntag

Lesung: Gen 9, 8-15

Dann sprach Gott zu Noach und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
Hiermit schließe ich meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Tieren des Feldes, mit allen Tieren der Erde, die mit euch aus der Arche gekommen sind.
Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen: Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch f√ľr alle kommenden Generationen:
Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde.
Balle ich Wolken √ľber der Erde zusammen und erscheint der Bogen in den Wolken, dann gedenke ich des Bundes, der besteht zwischen mir und euch und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch, und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden, die alle Wesen aus Fleisch vernichtet.

 

Evangelium: Mt 6, 19-24

Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen,sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen.
Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein.
Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Körper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß muss dann die Finsternis sein!
Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

 

Predigt:

Gott und Gold ‚Äď Wie viel ist genug?

Das ist das Thema unserer Predigtreihe in der Fastenzeit. Das ist aber auch das Thema des neuen Misereor Hungertuchs. Gemalt hat es der chinesische K√ľnstler Dao Zi. Er ist zu diesem Werk inspiriert worden durch den Satz aus der Bergpredigt: ‚ÄěWoran du dein Herz h√§ngst, das ist dein Gott‚Äú.

Gott und Gold ‚Äď Wie viel ist genug?

Wir werden hier in unserer Seelsorgeeinheit unsere Predigten an den Sonntagen in der Fastenzeit orientieren an der Bergpredigt des Matthäusevangeliums.

=> In der Nummer 7 der Zeitschrift ‚ÄěChrist in der Gegenwart‚Äú war in der vergangenen Woche folgender Kommentar zu lesen:

‚ÄěKarneval des Geldes!

Die Schulden der Welt sind explodiert. Sie summieren sich inzwischen auf rund zweihunderttausendmilliarden Dollar. Seit 2007 ist das eine Steigerung um f√ľnfzigtausendmilliarden Dollar. Das hat das Mc Kinsey Global Institute errechnet.

Demnach leben Staaten, Privathaushalte, der Finanzsektor und sonstige Unternehmen auf Pump. Die Schuldenquote beträgt das Dreifache der Gesamt- Wirtschaftsleistung.

Mit Geld, das niemand hat und das real gar nicht existiert, wird anderes Geld bezahlt, das ebenfalls niemand hat, das gleichfalls nicht existiert ‚Äď nur auf Papier. V√∂llig losgel√∂st von jedem Realwert bezahlt Geld sich selber mit Nichts, mit neuen Schulden. Geld spielt verr√ľckt. Genauer: Es sind die, die mit ihm spielen. Geld ist zum Spielgeld geworden, zur Blase, zum reinen Nichts. Aber alle glauben an das Nichts.

Etliche Finanzexperten sagen den Crash des ganzen Systems voraus ‚Ķ Mathematisch ‚Äď logisch k√∂nne √ľberhaupt nicht funktionieren, worauf alle setzen ‚Äď dass irgendwann einmal die Schuld beglichen, wenigstens minimiert wird. Die Frage ist nur, wie lange dieses Schneeballsystem gigantischer kollektiver T√§uschung weitergespielt werden kann.‚Äú

Gott und Gold ‚Äď Wie viel ist genug?

=> Das Geld hat in unserer Welt offensichtlich einen Siegeszug ohnegleichen angetreten.

‚ÄěGeld regiert die Welt‚Äú ‚Äď das wissen schon die J√ľngsten.

Heinrich Heine hat von der ‚ÄěGeldwerdung Gottes‚Äú oder von der ‚ÄěGottwerdung des Geldes‚Äú gesprochen. Was ist da los in unserer Welt?

=> Nat√ľrlich darf das Geld nicht einfach verteufelt werden. Auch Jesus hat das Geld nicht verteufelt. Entscheidend ist aber, wie die Menschen mit dem Geld umgehen. Gold und Geld k√∂nnen Fluch und Segen sein in unserer Welt.

=> Aber wann ist es genug? Offensichtlich gibt es einen unersättlichen Hunger nach Geld und Gold. Wer schon viel Geld oder Gold hat, der will immer noch mehr haben.

=> Unsere Welt hat nach der Forbes ‚Äď Liste der Superreichen 1645 Milliard√§re. Der reichste Mensch auf unserer Erde ist 2014 wieder einmal Bill Gates, der Gr√ľnder von Mikrosoft, mit einem gesch√§tzten Verm√∂gen von 84,4 Milliarden Dollar.

=> 85 der reichsten Menschen unserer Welt haben so viel Verm√∂gen, wie die arme H√§lfte der Weltbev√∂lkerung. ‚Äď Daten und Fakten, die den Zustand unserer Welt beschreiben.

=> ‚ÄěWo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz‚Äú l√§sst Matth√§us Jesus in der Bergpredigt sagen.

=> Wenn das stimmt, was im Kommentar zum Karneval des Geldes geschrieben worden ist, dann ist dieses Geld letztlich eine Glaubenssache, weil es offenbar nicht existiert, weil dahinter kein Realwert mehr steht.

=> Und trotzdem besetzt das Geld die Herzen der Menschen. Und alle glauben an diesen Wert des Geldes. Dadurch wird das System am Laufen gehalten.

Wenn das so ist, dann gibt es in unserer realen Welt ein weiteres Glaubenssystem, in dessen Zentrum das Geld steht. Das scheint die ‚ÄěGottwerdung des Geldes‚Äú zu sein.

=> Viele Jahrhunderte lang hat unser Glaubenssystem, der Glaube an den lebendigen Gott, die Menschen bestimmt. Die Menschen waren erf√ľllt von der Idee, dass Gott mit ihnen das Leben teilt. Das war die ‚ÄěMenschenwerdung Gottes‚Äú.

=> So haben sie Sinn, Erf√ľllung, Hilfe und Zuflucht bei ihm gefunden. Das Geld war in diesen Gesellschaften Mittel zum Zweck und hat der Vereinfachung des Handels gedient.

=> Mit Gott im Herzen, im Zentrum ihrer Lebensvollz√ľge haben die Menschen sich als sinnerf√ľllt und sogar als geliebt erfahren.

=> Mit Gold oder Geld im Herzen streben die Menschen heute nach immer mehr und finden kaum ihre Befriedigung oder ihren Lebenssinn. Viele werden blind f√ľr das eigene Leben, weil nur die Gewinnmaximierung im Blick ist.

=> F√ľr menschliche Begegnungen, f√ľr tiefe Sinnerfahrungen ist ganz oft keine Zeit ‚Äď und so pl√§tschert das Leben dahin und irgendwann kommen dann die existenziellen Fragen, die nach dem ‚Äěwarum gibt es diese Welt‚Äú und ‚Äěwas hat das Ganze f√ľr einen Sinn‚Äú fragen.

=> Offensichtlich hat das auch schon Jesus besch√§ftigt. Deswegen sagt er seinen Anh√§ngerinnen und Anh√§ngern: ‚ÄěIhr k√∂nnt nicht beiden Herren dienen, Gott und dem Mammon‚Äú.

=> Das ist eine kluge Aussage.

=> Da scheint eine Entscheidung n√∂tig zu sein. F√ľr welchen der beiden Herren k√∂nnen oder sollen sich Menschen entscheiden?

=> F√ľr uns Kirchenmenschen ist das nicht schwierig zu beantworten. Wir leben in dieser Gewissheit, dass Gott diese Welt immer noch in seiner Hand h√§lt.

=> Er sitzt noch auf dem Thron unseres Herzens.

=> Wir orientieren uns an Jesus dem Christus, der uns fasziniert mit seiner Botschaft, dass alle Menschen von Gott zu einem Leben in F√ľlle gerufen sind.

=> In der Lesung haben wir vorhin geh√∂rt, dass Gott mit seinem Volk einen Bund geschlossen hat, der gelten soll f√ľr alle Generationen. Gott wird nie wieder alle Wesen aus Fleisch in einer Wasserflut umkommen lassen. Das Bundeszeichen ist der Regenbogen.

=> So ein Bund mit dem lebendigen Gott hat nat√ľrlich nur dann einen Bestand, wenn er von beiden Seiten eingehalten wird. Immer wieder wird in der Bibel berichtet, dass das Bundesvolk sich von Gott abgewandt habe und dass es eigene Wege gegangen sei ohne R√ľcksicht auf die Gebote Gottes. => Immer wieder hat das zu einer Katastrophe f√ľr das Volk gef√ľhrt. Immer wieder haben sich dann die Menschen auf Gott zur√ľck besonnen.

=> Und dann haben sie wieder erleben d√ľrfen, wie sie auf ein Leben in F√ľlle zugegangen sind.

=> Mit Gott auf dem Thron ihres Herzens, haben sie gesp√ľrt, dass sie von Gott auch im Leid gehalten waren.

=> Mit dem Glauben an die Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth ist eine neue Dimension zur Welt gekommen. Jetzt ist Gott ganz nah bei uns Menschen! Ein völlig neues Gottesbild und eine ganz andere Denkweise von Gott greift sich Raum in unserer Welt. Gott ist zu finden in den Menschen!

=> Heute gibt es ganz viele Zeitgenossen, die bekennen, dass sie nicht an Gott glauben.

=> Der Thron in deren Herzen bleibt aber nicht leer. Er wird besetzt durch andere Größen, z.B. durch Habgier oder Erfolg, durch Kariere oder Geld, durch Macht oder Ansehen, durch Hass oder Gewalt usw.

=> Und immer leben sie mit dieser inneren Gewissheit, dass das Ziel allen Strebens ein Leben in F√ľlle sein muss.

=> Sie selber setzen den oder das auf den Thron, was ihnen am ehesten das Erreichen des Ziels verheißt. So regiert ganz oft das Geld oder das Gold die Herzen dieser Menschen.

=> Und wenn es stimmt, was der Kommentator vom Karneval des Geldes schreibt, dass nämlich das Geld sich selbst mit Nichts bezahlt, dann verlassen sich viele Menschen in ihrem Herzen also auf das Nichts. Der Glaube an dieses Nichts hält aber das ganze System am Laufen.

Gott und Gold ‚Äď wie viel ist genug?

Das Thema wird noch spannend werden. Es scheint offensichtlich so zu sein, dass wir Menschen von Geld oder Gold nie genug haben werden, aber wie ist das mit Gott?

=> Wird es irgendwann einmal einen Moment geben, in dem wir genug ‚ÄěGott‚Äú auf dem Thron unseres Herzen sitzen haben? Ist das dann die F√ľlle des Lebens? Werden wir dann dem Geheimnis Gottes n√§her sein? 

Da gibt es noch viel zu denken und zu entdecken.

Ich w√ľnsche uns allen gute Gedanken f√ľr die Vorbereitung auf das Fest der Auferweckung Jesu.

Amen.

¬© R. H√ľbschle 2015

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.