Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb√ľro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
Schwalbenweg 5
88213 Ravensburg

Tel. 0751-7912430
Fax 0751-7912440
E-Mail: Info-Dreifaltigkeit.RV@drs.de

 

 

Erscheinung des Herrn

Lesung: Jes 60, 1-12

Steh auf, werde licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf √ľber dir.
Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die V√∂lker, doch √ľber dir geht strahlend der Herr auf,
seine Herrlichkeit erscheint √ľber dir.
Nationen wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz.
Erhebe deine Augen ringsum und sieh: Sie alle versammeln sich, kommen zu dir.
Deine S√∂hne kommen von fern, deine T√∂chter werden auf der H√ľfte sicher getragen.
da wirst du schauen und strahlen, dein Herz wird erbeben und sich weiten.
Denn die F√ľlle des Meeres wendet sich dir zu, der Reichtum der Nationen kommt zu dir.
Eine Menge von Kamelen bedeckt dich, Hengste aus Mídian und Efa.
Aus Saba kommen sie alle, Gold und Weihrauch bringen sie und verk√ľnden die Ruhmestaten des Herrn.

 

Evanglium: Mt 2, 1-12

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden?
Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle.
Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten:
Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den f√ľhrenden St√§dten von Juda; denn aus dir wird ein F√ľrst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.
Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.
Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige!
Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg.
Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.
Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr gro√üer Freude erf√ľllt.
Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm.
Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zur√ľckzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

 

Predigt

Noch einmal Weihnachten! Noch einmal erinnere ich an die Predigtreihe von Advent und Weihnachten mit unserem Motto: Mensch bleiben … allem zum Trotz!

=> Heute sind wir der Version von Weihnachten begegnet, wie Matthäus das beschreibt.

Inzwischen ranken sich verschiedenste Legenden um die Erzählung, die ich Ihnen gerade vorgelesen habe:

=> Aus den "Sterndeutern aus dem Osten" sind "die heiligen drei Könige" geworden, die mit feierlichem Tross, mit Dienern und Elefanten und Pferden nach Bethlehem ziehen.

=> Die drei werden in manchen Krippendarstellungen unterschiedlichen  Altersgruppen zugeordnet: ein junger K√∂nig als Vertreter der Jugend, ein K√∂nig im besten Alter als Vertreter der Erwachsenen, ein alter K√∂nig als Vertreter der √Ąlteren.

=> Oder die drei werden bestimmten Kontinenten zugeordnet: ein schwarzer, ein weißer und ein gelber König, die jeweils ihre Kontinente repräsentieren. Da haben sich die Phantasie und die theologische Botschaft in den vielen Krippendarstellungen großartig entwickelt.

=> Bei uns wären in diesen Tagen eigentlich die Sternsinger unterwegs, aber die Corona-Pandemie lässt so eine Begegnung nicht zu.

=> Normalerweise treten da der Sterntr√§ger und drei K√∂nige auf. Diese Aktion ‚ÄěSternsinger‚Äú ist die weltweit gr√∂√üte Aktion von Kindern f√ľr Kinder.

=> Aber auch da sollen die verschiedenen Kontinente dargestellt werden. Die Botschaft vom heruntergekommenen Gott wird durch diese ‚ÄěKinderk√∂nige‚Äú den Menschen in Deutschland verk√ľndet.

=> Diese vielen Darstellungen und Legenden ranken sich alle um das Matth√§us-Evangelium. Matth√§us stellt √ľbrigens an den Anfang seines Evangeliums den "Stammbaum Jesu".

=> Da heißt es: "Buch des Ursprungs Jesu, des Gesalbten, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams".

=> D.h., der, von dem das Evangelium handelt, ist Jude, ist der Gesalbte Gottes, stammt von David, und von Abraham ab.

=> Matthäus beendet dann sein Evangelium mit dem Wort Jesu "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden".

=> Damit beauftragt Jesus seine J√ľngerinnen und J√ľnger, zu allen V√∂lkern zu gehen und dort √ľberall die frohe Botschaft zu verk√ľnden.

=> Gleichzeitig verspricht er ihnen, dass er alle Tage bei ihnen sein werde, bis zum Ende der Welt (vgl. Mt 28,19f).

=> Das ist die Botschaft: Der Jude Jesus ist das Heil f√ľr alle V√∂lker! Die Herrlichkeit des Gottes Israels strahlt √ľber allen V√∂lkern auf, weil sie in Jesus von Nazareth gegenw√§rtig ist.

=> Jesus zeigt sich, er offenbart sich,  er "erscheint". Er ist der heimliche K√∂nig Israels.

=> Spannend in dieser Darstellung ist, dass die ‚ÄěHeiden‚Äú, also alle Nichtjuden, ihn erkennen. Sie werden repr√§sentiert durch die Sterndeuter bzw. K√∂nige aus dem Osten.

=> Diesen Fremden hat er sich gezeigt. Matthäus beschreibt das so, dass diese Fremden dem neugeborenen König der Juden gehuldigt haben und ihm ihre Geschenke bringen.

=> Die Juden selber aber, denen diese Botschaft eigentlich gilt, erkennen ihn nicht.

=> "Epiphanie" bedeutet in r√∂mischer Zeit: Ankunft des Herrschers. Wenn er in die Stadt einzieht, dann bedeutet das Gl√ľck!

=> In der Lesung wird durch den Propheten Jesaja beschrieben, dass √ľber Jerusalem die  Herrlichkeit des Herrn aufstrahlt.

"√úber dir geht leuchtend der Herr auf".

=> Gott ist Licht. Von diesem Licht werden die Völker angezogen, weil sie in der Dunkelheit leben. Alle Völker ziehen nach Jerusalem, um beim Licht zu sein.

=> Die Botschaft des Matth√§us ist, dass mit der Geburt Jesu dieses Licht aufgeleuchtet ist. Die Sterndeuter aus dem Osten haben das erkannt und bezeugen nun dieses Licht f√ľr die ganze Welt.
=> Die Gemeinde, f√ľr die der Verfasser des Matth√§us-Evangeliums schreibt und mit der er wahrscheinlich auch gelebt hat, war vermutlich eine Gemeinde aus Juden und Heiden.

=> Diese ersten Christinnen und Christen haben fest geglaubt, dass Jesus der Gesalbte, der K√∂nig Israels ist. Gleichzeitig waren sie √ľberzeugt, dass dieser Jesus auch der Erl√∂ser f√ľr alle nichtj√ľdischen V√∂lker sein muss.

=> Jesus ist also nicht nur zu den Juden gekommen, sondern zur ganzen Welt.

=> Jesus ist nicht nur in Jerusalem, der Davidstadt, angekommen, sondern in der Welt! Das war die Botschaft!!

=> Was k√∂nnte das f√ľr ein Hoffnungszeichen sein ‚Äď in der damaligen Zeit und bis heute.

So kommt der Friede Gottes in unsere Welt!

=> Das war die Botschaft des Evangelisten Matth√§us. Was daraus geworden ist, sehen wir Tag f√ľr Tag in den Nachrichten aus aller Welt.

Krieg, Gewalt und unmenschliche Vertreibungen aus welchen Gr√ľnden auch immer, bestimmen das Leben so vieler Menschen, auch im sog. ‚ÄěHeiligen Land‚Äú.

Den Frieden kann niemand mit Gewalt herbeizwingen.

=> Und es zeigt sich die Ohnmacht der vielen Menschen guten Willens auf unserem Erdball. Wenn die zerstrittenen Parteien nicht wollen, wird aus dem Frieden nichts!

=> Das ist im sog. ‚ÄěHeiligen Land‚Äú so und auch z.B. in der Ukraine. Die diesj√§hrige Sternsingeraktion richtet ihren Blick auf die Kinder in diesem Land.

=> Viele Regierungen protestieren immer wieder gegen Kriegshandlungen √ľberall in unserer Welt.

Aber es passiert vor Ort viel zu wenig, um Hass, Unmenschlichkeit, Vertreibung und Vergewaltigung zu beenden. Da dringt viel zu wenig Licht f√ľr die V√∂lker durch die Dunkelheit.

=> Die Botschaft des Matthäus ist voller Hoffnung.
=> Er schildert die Sterndeuter aus dem Osten bei ihrer Ankunft bei Jesus:

=> ‚ÄěSie wurden von sehr gro√üer Freude erf√ľllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm".

=> Was f√ľr ein friedliches Bild! Welch ein Traum!

=> Gleichzeitig ist das auch ein Appell an die Christinnen und Christen der ersten Stunde, der auch bis heute gilt.

=> Sie sind das Werkzeug der ohnm√§chtigen Liebe Gottes, die sich in Jesus zeigt, dass Friede unter den Menschen √ľberhaupt m√∂glich werden kann. Das ist ein gewaltiger Auftrag.

=> Die Botschaft der ‚ÄěAktion Sternsinger‚Äú ist nichts anderes: Ver√§nderung zum Guten hin muss bei jeder und jedem einzelnen beginnen. Auch die ganz kleinen Schritte sind entscheidend. Und da gilt genauso:

Mensch bleiben … allem zum Trotz!

=> ‚ÄěKindern Halt geben in der Ukraine und weltweit‚Äú ist das Motto in diesem Jahr.

=> Die Sehnsucht der Menschen, besonders der Kinder, nach Frieden, Gl√ľck, Ruhe und ausreichend zu essen, sind seit vielen Jahrzehnten Dauerbrenner.

=> Die Aktion des Hilfswerkes der Sternsinger versucht da einen Beitrag zu leisten ‚Äď auch durch Information und Ver√§nderung des Bewusstseins bei den Kindern bei uns hier in Deutschland. So werden Kinder sensibilisiert f√ľr die Situation von Kindern in anderen L√§ndern.

=> Spenden werden selbstverständlich auch in diesem Jahr entgegen genommen.

=> Und in diesem Corona-Jahr geht das auch online, direkt √ľber die Homepage der Sternsinger.

=> Ich w√ľnsche Ihnen, dass Sie in Ihrer Familie und in Ihrem Freundeskreis hell angestrahlt werden durch das Licht von Weihnachten.

Und auch in diesem Neuen Jahr gilt dieses Motto: ‚ÄěMensch bleiben ‚Ķ allem zum Trotz‚Äú

=> So entsteht Hoffnung und Zuversicht auf eine bessere Zukunft f√ľr zahllose Menschen in unserer Welt.

Ich w√ľnsche Ihnen allen diese Zuversicht f√ľr Ihr neues Jahr 2021.

Amen.

¬© R. H√ľbschle 2020

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.