Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

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3. Advent

Lesung: nach Genesis 9,12-16

Auch Noah und seine Familie verlassen die Arche. Sie sind so froh, dass Gott sie besch√ľtzt hat. Noah baut einen Altar und feiert einen Gottesdienst. Er betet: ‚ÄěGott, ich wei√ü immer noch nicht, warum du diesen gro√üen Regen geschickt hast. Aber es gibt so vieles, f√ľr das ich dir danken mag: F√ľr die gute Idee mit dem Schiffbau mag ich dir danken, und dass du meine Familie und mich und alle Tiere darin gerettet hast. Dass du immer bei uns warst, dass alles gut gegangen ist, w√§hrend es drau√üen so stark geregnet hat. Und dass wir jetzt alle wieder an Land sind, festen Boden unter den F√ľ√üen haben und neu leben k√∂nnen. Danke, guter Gott! Alles ist gut. ‚ÄúDa malt Gott einen sch√∂nen, kr√§ftigen, hell leuchtenden Regenbogen an den Himmel und sagt zu Noah: ‚ÄěDieser Regenbogen ist ein Zeichen. Es bedeutet: Was auch immer passiert, ich bin bei dir. Das gilt f√ľr jetzt und f√ľr immer. Du kannst dich darauf verlassen. Und alle Menschen auch. Es soll immer wieder Saat und Ernte geben, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Der Regenbogen ist ein Zeichen f√ľr meine Freundschaft mit Menschen und Tieren. Ihr seid nicht allein. Ich bin da. Alles wird gut.‚Äú

Die Erzählung basiert auf einem Vorschlag von Frieder Harz: Noah und die Flut. www.frieder-harz.de/pages/rel.paedagogische-beitraege/erzaehlen/erza-ehlungen-zur-bibel/bibelgeschichten/von-den-anfaengen-der-welt/1-mose-6ff/erzaehlvorschlag-noah-und-die-flut-1.-mose-7-9.ph

 

Evangelium: Joh 1,6-8. 19-28

Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen f√ľr das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen f√ľr das Licht. Dies ist das Zeugnis des Johannes: Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?, bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias. Sie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein. Da fragten sie ihn: Wer bist du? Wir m√ľssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du √ľber dich selbst? Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der W√ľste ruft: Ebnet den Weg f√ľr den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. Unter den Abgesandten waren auch Pharis√§er. Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet? Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mirkommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschn√ľren.Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

‚ÄěMensch bleiben ‚Äď allem zum Trotz‚Äú

So lautet in diesem Jahr unsere Predigtreihe in der Advents- und Weihnachtszeit.

Heute wollen wir uns nicht einer Person widmen… sondern das Thema auf unser Leben beziehen… auf uns Menschen.

‚ÄěMensch bleiben ‚Äď allem zum Trotz‚Äú - auch in der Familie gerade in dieser Zeit‚Ķ

Wir alle erleben eine au√üergew√∂hnliche Zeit intensiver N√§he einerseits (vielleicht manchmal auch zu viel davon) und von √ľbergro√üer Entfernung andererseits.

F√ľr die einen ist es eine Zeit der wohltuenden Freiheiten, f√ľr andere ist es besetzt mit Sorgen, √Ąngsten, Sehnsucht oder wachsender Einsamkeit. Sei es betroffen von Kurzarbeit, verbunden mit finanziellen Sorgen oder arbeiten mit Familie im Homeoffice oder in Quarant√§ne sein, ‚Ķ

Die anderen k√∂nnen endlich mal aufatmen und erleben eine Befreiung von Hamsterr√§dern des Funktionierens und damit verbunden eine wohltuende Entschleunigung. Andere scheinen die gleichzeitigen Anforderungen zunehmend zu √ľberfordern und zu ersch√∂pfen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die eigenen seelischen Belastungen hatten sich im Fr√ľhjahr immer mehr zugespitzt und halten vielleicht bis heute noch an. In den schlimmsten F√§llen kann die beklemmende Enge f√ľr einige sogar h√§usliche Gewalt und Missbrauch f√∂rdern.

Gerade die Kinder, so zeigen es Studien leiden sehr unter dieser Situation.

Eine Studie der Technischen Universit√§t M√ľnchen und des RWI ‚Äď Leibniz-Instituts f√ľr Wirtschaftsforschung zeigt: etwa jedes 10.Kind hat h√§usliche Gewalterfahrungen in dieser Zeit im Fr√ľhjahr diesen Jahres gemacht. Bei 6,5 Prozent der befragten Familien waren Kinder Opfer k√∂rperlicher Gewalt zuhause. Bei Familien mit Kindern unter 10 Jahren waren es 9,2 Prozent.

Genannte Risikofaktoren waren Jobverlust der Eltern oder Kurzarbeit. Finanzielle Sorgen und Quarant√§ne zuhause f√ľhrten eher zu Gewalt gegen Kinder. Aber am st√§rksten betroffen waren Kinder, deren Eltern Angst oder Depressionen hatten. So die Statistik.

Psychologische und psychiatrische Fachgesellschaften erwarten schwere langfristige Folgen besonders f√ľr Kinder auch dar√ľber hinaus durch die Corona-Pandemie.

Daher ist es gar nicht so leicht: ‚ÄěMensch bleiben ‚Äď allem zum Trotz‚Äú- und in Zeiten von Corona!

Eines ist klar: Das Leben mit Corona ist f√ľr alle Menschen schwierig und sehr verunsichernd. Belastend ist die Situation besonders, weil wir zurzeit nicht wissen, wie lange unser Alltag noch sozusagen auf dem Kopf steht. Bis wann werden die Schutzma√ünahmen noch andauern? Wann wird es endlich wieder ‚Äěnormal‚Äú sein, fragen auch die Kinder in der Schule immer h√§ufiger‚Ķ und die Kinder stellen ihre ganz eigenen Fragen dazu: Woher kommt das Virus? Warum gibt es das Virus? Warum gibt es kein Medikament dagegen? Oftmals werden bei Kindern auch Schuldige gesucht: Was haben wir falsch gemacht, dass es das Virus gibt? Warum tut Gott nichts dagegen? Hat Gott das Virus geschickt, weil er b√∂se auf uns ist?

Das unersch√ľtterliche Vertrauen von Kindern, ihr Welt- und Gottesbild wird aufgrund der Pandemie ersch√ľttert und √ľberlagert von √Ąngsten und Bef√ľrchtungen. Gemeinsam mit den Kindern m√ľssen wir gerade aushalten dass es auf manche Fragen keine einfachen Antworten gibt. Katastrophen gibt es. Leid geschieht √ľberall und auch der Tod ist in der Welt. Es ist m√ľ√üig zu fragen nach dem Warum. Doch unser Glaube kann uns Menschen helfen, dass Gott Gutes f√ľr die Menschen will, dass er mitleidet und Schuld und Tod √ľberwindet und Hoffnung gibt, dass das Leben weiter geht.

Daher helfen uns vielleicht gerade auch solche Geschichten, die uns Mut und Zuversicht, Trost und Hoffnung geben wollen und dabei das Vertrauen in eine gute Zeit wieder st√§rken ‚Äď besonders auch bei den Kindern.

Die Geschichte von der Arche Noah ist so eine Hoffnungsgeschichte. Es geht darum in schweren Zeiten auszuhalten, zu warten, aufeinander R√ľcksicht zu nehmen. Da sind die Menschen und Tiere damals bei der Sintflut in der Arche. Sie wussten nicht wie lange sie in der Arche bleiben mussten. Irgendwann lagen sicher die Nerven blank. Wom√∂glich wurde das Essen und das Futter knapp. Und Noah wird sich gefragt haben: Wie lange m√ľssen wir noch durchhalten? Wird es am Ende gut ausgehen? Kann ich mich wirklich auf Gott verlassen?

Und ganz √§hnlich ist es auch in der Corona-Pandemie. Keiner wei√ü, wie lange sie noch dauern wird. Die Zahl der Erkrankten in Deutschland steigt wieder. Auch wir m√ľssen aushalten, durchhalten, weiter vorsichtig sein.

In der Noah-Erz√§hlung geht es aber mehr noch darum, dass Gott da ist. Er will den Menschen und Tieren Zukunft geben. Der Regenbogen ist ein Zeichen der Verbindung zwischen Gott und uns Menschen. Das Zeichen des Regenbogens sagt: Ich bin bei euch. Ich lasse euch nicht allein ‚Äď allem zum Trotz! Auch das gilt f√ľr uns heute. Daran d√ľrfen wir uns immer wieder erinnern lassen.

Ich habe in meinem Religionsunterricht die Kinder gefragt, was sie jetzt mit Corona am meisten beschäftigt.

Frederike 9 Jahre soll jetzt abschließend hier zu Wort kommen. Sie schreibt

‚ÄěLieber Gott,

ich w√ľnsche mir sehr, dass Corona bald wieder weg ist. Und das nicht auch noch Weihnachten ausfallen muss.

Es st√∂rt mich und die anderen, dass wir uns nur noch mit Masken und Abstand begegnen d√ľrfen. Mir gef√§llt das alles nicht mehr. Wann h√∂rt das ganze wieder auf.

In der Situation f√ľhlen wir uns wie eingesperrt. Da bin ich sehr ungl√ľcklich.

Wenn Corona weg wäre, dann könnten wir wieder mehr feiern und in der Pause auch wieder alle zusammenspielen.

Dass endlich nichts mehr abgesagt werden muss worauf wir uns schon lange freuen.“

Amen

© M. Spöttle, 2020

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.