Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb├╝ro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
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88213 Ravensburg

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1. Advent

Lesung: Jes 7, 10 ÔÇô 14

Der Herr sprach noch einmal zu Ahas; er sagte:
Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen, sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der H├Âhe.
Ahas antwortete: Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen.
Da sagte Jesaja: H├Ârt her, ihr vom Haus David! Gen├╝gt es euch nicht, Menschen zu bel├Ąstigen? M├╝sst ihr auch noch meinen Gott bel├Ąstigen?
Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn geb├Ąren und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.

 

Evangelium: Mk 1, 9 ÔÇô 15

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazareth in Galil├Ąa und lie├č sich von Johannes im Jordan taufen.
Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich ├Âffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.
Danach trieb der Geist Jesus in die W├╝ste.
Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung gef├╝hrt. 
Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.
Nachdem man Johannes ins Gef├Ąngnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galil├Ąa; er verk├╝ndete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erf├╝llt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

 

Predigt

G├Âtterkinder ÔÇô Kinder Gottes - so lautet das Thema unserer Predigtreihe in diesem Advent. Vielleicht sind Sie schon alle sehr gespannt, was da auf Sie zukommt. Und ich denke auch, dass es sich lohnt, dass wir uns als Christen darauf besinnen, mit welchen Bildern wir selbstverst├Ąndlich umgehen, ohne die genauen Hintergr├╝nde zu kennen.

=> Wie selbstverst├Ąndlich kommt uns das Wort vom menschgewordenen Sohn Gottes ├╝ber die Lippen. Wie viele Vorstellungen und Bilder gibt es dazu.

Wir haben uns im Pastoralteam verst├Ąndigt und uns auf dieses Wagnis eingelassen, dass wir Ihnen einen Blick zumuten in die mythologische Vergangenheit der Bilder unseres Glaubens.

=> Ich werde Sie heute mitnehmen in die Bilderwelt des alten Ägypten. Zum Teil werden wir aber auch steinzeitliche Mythen streifen.

=> Ich lade Sie ein, heute diesen Gang durch die Mythologien mit zu gehen, damit Sie verstehen, was es bedeutet, dass wir im Zentrum unseres Glaubens den menschgewordenen Sohn Gottes, Jesus, den Christus glauben.

=> Vielleicht helfen Ihnen auch unsere Gedanken in dieser Predigtreihe, einen neuen Zugang zum Geheimnis von Weihnachten zu bekommen. Dann h├Ątten wir unser Ziel erreicht.

 

G├Âtterkinder ÔÇô Kinder Gottes

=> Die Bibel ist kein Buch, das jemand in einem abgeschlossenen Raum geschrieben hat. Die Bibel entsteht in einem Kulturraum, in dem die Menschen ganz selbstverst├Ąndlich mit G├Âtterkindern konfrontiert sind. Dieses Gedankengut findet sich auch in der Bibel wieder.

=> Die Jesajastelle, die Ihnen als Lesungstext vorgelesen worden ist, f├╝hrt ja dieses Motiv ein, dass da eine junge Frau einen Sohn empfangen wird, dem sie den Namen Immanuel ÔÇô Gott mit uns - geben wird.

Dieses Kind ist das Zeichen Gottes, dass er seinem Volk, bzw. allen Menschen, treu ist. Mit diesem Kind wird eine neue Zeit f├╝r alle Menschen anbrechen.

=> Das Bild von einem Kind ruft bei Menschen sofort die Assoziation ÔÇ×AnfangÔÇť, ÔÇ×NeubeginnÔÇť, ÔÇ×ErneuerungÔÇť hervor.

=> Zwei Kapitel sp├Ąter kommt das ber├╝hmte Messiaslied:

ÔÇ×Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, F├╝rst des Friedens. Seine Herrschaft ist gro├č und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er ├╝ber sein Reich; er festigt und st├╝tzt es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und f├╝r alle Zeiten. Der leidenschaftliche Eifer des Herrn der Heere wird das vollbringen.ÔÇť (Jes 9, 5-6.)

=> Dieses Lied kennen Sie  aus der Weihnachtsliturgie. Die christliche Theologie hat schon sehr fr├╝h beide Texte auf Jesus hin gedeutet.

=> In diesem Lied, das ich Ihnen gerade vorgelesen habe, geht es aber nicht um die Kindlichkeit eines Neugeborenen, sondern um die Macht eines K├Ânigs.

=> Hier h├Âren wir hinein in die K├Ânigstheologie des Volkes Israel, das sich ├╝ber diesen gerechten K├Ânig freut. Mit der Thronbesteigung bekommt der neue K├Ânig ganz selbstverst├Ąndlich den Titel eines ÔÇ×Sohnes GottesÔÇť, weil er im Auftrag und im Namen seines g├Âttlichen Vaters das Amt des K├Ânigs ├╝bernommen hat. Seine Macht hat er ausschlie├člich von Gott. Er wird das Volk nach den Geboten Gottes regieren in Recht und Gerechtigkeit. So ein K├Ânig ist der Messias, der Gesalbte Gottes.

 

G├Âtterkinder ÔÇô Kinder Gottes

=> Kehren wir noch einmal zur├╝ck zur Kultur, in der die Menschen leben, die die Texte der Bibel verfassen.

=> In allen Kulturen in unserer Welt gibt es diese Idee, dass mit Kindern etwas Neues in die Welt kommt. Kinder sind sogar der Inbegriff f├╝r einen Neuanfang.

=> Und in der Situation der Menschen, die sich als endliche Wesen in einer Welt vorfinden, in der es t├Ąglich um Leben und Tod geht, da stellen sich die Menschen seit jeher die Frage:  woher kommen wir?  - wohin gehen wir?

=> In allen Kulturen und Religionen wird versucht, auf diese Frage eine Antwort zu geben.

=> Sogar in steinzeitlichen Mythen, die bis zum heutigen Tag m├╝ndlich ├╝berliefert werden, taucht zum ersten Mal die Idee auf, dass die Schamanen, die H├╝ter dieses Mythenschatzes, eine Verk├Ârperung eines nicht menschlich gezeugten Wesens sind. Schamanen sind die ersten menschlichen Wesen, die - in der Mythologie - als junge Menschen - nach einem gro├čen Leid - sterben, dann durch Geister wieder zur├╝ckgef├╝hrt und durch eine Jungfrau neu geboren werden.

=> In der ├Ągyptischen Mythologie wird jeden Morgen der Sonnengott Re neu geboren, er altert im Laufe des Tages und stirb mit dem Untergehen der Sonne, um dann am n├Ąchsten Morgen wieder neu geboren zu werden.

=> Im Tempel von Abu Simbel in ├ägypten am Assuamstausee steht ├╝bergro├č die Statue des Pharao Ramses II. . Neben ihm sitzt die Statue seines Vaters, Re-Harachte und auf der anderen Seite Amun Re, der Sonnengott, die h├Âchste Gottheit in ├ägypten.

=> Ramses II. versucht im 13. Jhrd. V. Chr. seine Herrschaft in Ober├Ągypten auf diese Art zu festigen, dass er sich in einer Reihe mit den h├Âchsten G├Âttern darstellen l├Ąsst, um seinen Machtanspruch ├╝ber das ganze ├ägypten zu behaupten.

=> Bei allen diesen ÔÇ×G├ÂtterkindernÔÇť geht es um den Machterhalt mit der h├Âchsten Autorit├Ąt im Hintergrund: die wichtigsten G├Âtter oder Geister.

=> Au├čerdem geht es um eine dauernde Wiederkehr. Die Zeit wird verstanden als dauernde Wiederkehr dessen was schon einmal da war.  ÔÇô Denken Sie an die t├Ągliche Wiedergeburt des Sonnengottes Re.

=> Alle diese Mythen versuchen den Menschen ihrer Zeit eine Antwort zu geben auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, woher ÔÇô wohin...

=> Heute leben wir in einer Zeit, in der sich die Menschen immer noch fragen:  was soll denn dieses Leben, eingeklemmt zwischen Geburt und Tod, f├╝r einen Sinn haben?

=> Auch wir im Christentum versuchen auf diese Frage eine Antwort zu geben.

=> Schon sehr fr├╝h wird in der Bibel versucht, aus diesem dauernden Wiederkehrkreislauf der Geschichte auszusteigen.

=> Abraham macht sich mit seinem Gott YAHWE auf den Weg. Er bricht auf ins Ungewisse. Nichts bleibt f├╝r ihn wie er es gekannt hat, aber die Verhei├čung an ihn wird erf├╝llt.

=> Mose f├╝hrt sp├Ąter das Volk aus der Sklaverei in ├ägypten in die Freiheit, weil Gott auch da seiner Verhei├čung treu bleibt ÔÇô ein absoluter Neuanfang!

=> David regiert als K├Ânig, als der Messias, der Gesalbte Gottes. Er ist K├Ânig ├╝ber das gr├Â├čte Reich, das die Israeliten jemals hatten. Er gilt als der Heilsbringer, weil er fast 40 Jahre lang daf├╝r gesorgt hat, dass das Volk in Sicherheit leben konnte. Das ist die Spanne einer ganzen Generation. Deswegen ist David f├╝r die Israeliten so wichtig.

=> Und diesem K├Ânig David wird verhei├čen, dass seine K├Ânigsherrschaft weiter gehen wird mit einem neuen Messias. Und diese Herrschaft wird dann kein Ende mehr haben.

=> Und jetzt sind wir bei Jesus angelangt, den wir Christen als den Messias Gottes glauben.

=> In ihm ist die Verhei├čung Gottes an die Menschen zur Erf├╝llung gelangt ÔÇô so glauben wir.

=> Jesus ist in der Darstellung der Evangelisten nicht der Messias, der erst auf dem K├Ânigsthron den ÔÇ×Sohn GottesÔÇť Titel bekommt. Jesus wird ja bekanntlich nicht K├Ânig.

=> Aber unser Evangelist Markus beschreibt bei der Taufe im Jordan, dass da Jesus als der Sohn von Gott bezeugt wird. Das war heute im Evangelium zu h├Âren.

=> Die anderen beiden Evangelisten, Lukas und Matth├Ąus, verwenden das Motiv von der Geburt aus Maria, der jungen Frau, die selber vom Wunder der Zeugung ├╝berrascht wird, aber aus freien St├╝cken ja sagt zum Handeln Gottes. So beginnt die Geschichte des Messias im ganz Kleinen.

=> Mit dieser Geburt dieses Messias beginnt eine neue Zeit. Wie Jesus dann lebt und was er verk├╝ndet ber├╝hrt die Herzen der Menschen. Sie glauben ihm und vertrauen ihm. Er hat den Blick f├╝r die ÔÇ×kleinenÔÇť Menschen.

=> Allerdings wird er mit seiner gewaltlosen Botschaft zur Gefahr f├╝r die Herrschenden. Deswegen ist seine Hinrichtung die Konsequenz seiner Botschaft, aber selbst in diesem Tod geschieht etwas revolution├Ąr Neues: im Tod Jesu ist Gott!

=> Jesus stirbt nicht in einen ewigen Kreislauf hinein, sondern in die Hand Gottes.

=> Mit dieser Botschaft, dass im Tod Gott ist, ist das Christentum gewachsen, weil die Menschen einen Ort des Trostes ahnen und eine Hoffnung haben ├╝ber den Tod hinaus, denn Gott ist ein Gott der Lebenden.

=> Gleichzeitig mit dieser Erkenntnis braucht es keine Opfer mehr. Opfer waren ja in der Vergangenheit immer der Versuch, die Gottheit zu beschwichtigen, milde zu stimmen oder einen Handel anzubieten. ÔÇô Ich opfere einen Stier und will daf├╝r ÔÇŽ

=> Das gibt es nicht mehr.

=> Das Leben will in seiner ganzen F├╝lle gelebt werden. Der Sinn des Lebens ist das Leben!

=> Und dieses Leben in seiner ganzen F├╝lle ist die Botschaft Jesu, der allen Menschen diesen Neuanfang anbietet mit der h├Âchsten Autorit├Ąt, denn hinter Jesus steht Gott:

=> Die Zeit ist erf├╝llt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Ich w├╝nsche Ihnen allen einen nachdenklichen Advent und die Freude eines Lebens in F├╝lle.

Amen.

┬ę R. H├╝bschle 2014

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.