Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb√ľro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
Schwalbenweg 5
88213 Ravensburg

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3. Advent

Lesung: Phil 4, 4-7

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!
Eure G√ľte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.
Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!
Und der Friede Gottes, der alles Verstehen √ľbersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.

 

Evangelium: Lk 3, 10-18

In jener Zeit fragten die Leute Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun?
Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso!
Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und fragten ihn: Meister, was sollen wir tun?
Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!
Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begn√ľgt euch mit eurem Sold!
Das Volk war voll Erwartung und alle √ľberlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verk√ľndete die frohe Botschaft.Predigt

 

Predigt:

‚ÄěMeine lieben Glaubensgeschwister in der Seelsorgeeinheit Ravensburg-West,

es ist eine schreckliche Zeit, die ich erleben muss. Überall im Land herrscht Krieg, Not, Hunger und Krankheit. Ich sehe Leid, das sich die Menschen in den reichen Schichten und im Adel nicht vorstellen können.

Selbst wenn ich von meinen Erfahrungen mit den Armen berichte, bleiben die Reichen unger√ľhrt. -

Aber ich will mich Ihnen kurz vorstellen.

=> Mein Name ist Vinzenz von Paul. Ich bin als drittes Kind in einer armen Bauernfamilie geboren worden im Jahr 1581 im S√ľdwesten von Frankreich in dem kleinen Dorf Pouy. Bereits mit 19 Jahren hat man mich zum Priester geweiht und damit beginnt ein Leben voller H√∂hen und Tiefen.

=> Ich habe gute Kontakte zu den Reichen und Adligen, die mich immer wieder unterst√ľtzen in meinen vielen Projekten f√ľr die Armen, die aber immer meine ganze Kraft fordern.

=> Auf einer Seereise, ist das Schiff von Seer√§ubern erobert worden. Ich selber bin als Sklave in Tunis verkauft worden. √úber wundersame Wege bin ich nach zwei Jahren wieder zur√ľck nach Frankreich gekommen - als freier Mann.

=> Inzwischen hat sich das Land ver√§ndert. Der Drei√üigj√§hrige Krieg hat begonnen. In vielen Landstrichen Europas toben Schlachten. Die verschiedenen Armeen pl√ľndern die Bauern und die L√§ndereien.

=> Die Armen werden noch ärmer. Hunger und die Pest breiten sich in Frankreich aus.

=> In dieser Situation wird mir klar, dass ich mein Leben in den Dienst der Armen stellen muss. Das ist jetzt der Auftrag Jesu!

‚ÄěDie Armen sind unsere Herren. Das ist so sicher wie die Tatsache, dass wir uns in diesem Zimmer befinden. Es ist keine √úbertreibung, sie so zu bezeichnen, denn in den Armen ist uns der Herr gegenw√§rtig.‚Äú

=> ‚ÄěDie Armen sind unsere Herren‚Äú mit dieser Formel meine ich, dass die Besitzlosen ein Recht auf Unterst√ľtzung und Hilfe haben.

=> Die Besitzenden haben die Pflicht, nicht nur ein gnädiges Almosen zu gewähren, sondern ihren Besitz mit den Armen zu teilen!

=> ‚ÄěDie Armen sind unsere Herren‚Äú mit diesem Satz habe ich Gro√ües bewirkt. In Frankreich und in vielen L√§ndern Europas sind Orte entstanden, an denen sich meine Mitbr√ľder und viele Schwestern der Barmherzigkeit f√ľr die Armen engagieren.

=> Wie sieht das f√ľr Euch in Ravensburg / Bavendorf / Schmalegg aus, wenn sich in Eurer N√§he die Armut zeigt in Obdachlosen, Bettlern, Stra√üenkindern, Jugendlichen, die auf der Stra√üe leben, Drogenabh√§ngigen, psychisch Kranken, Sterbenden, usw.

=> Wer f√ľhlt sich verantwortlich f√ľr diese Armen, in denen uns Christus selbst begegnet?‚Äú

 

=> Soweit dieser fiktive Brief des Heiligen Vinzenz von Paul.

=> Er ist √ľbrigens im Alter von 79 Jahren gestorben und hat ein bl√ľhendes System von Caritaseinrichtungen hinterlassen.

=> Er gilt als ‚ÄěGenie der N√§chstenliebe‚Äú und ist der Begr√ľnder der Caritas.

=> Er hat den Orden der sog. Lazaristen oder heute Vinzentiner gegr√ľndet und die Barmherzigen Schwestern des Vinzenz von Paul f√ľhren sich auch auf ihn zur√ľck, allerdings war da noch Louise de Marillac als Mitbegr√ľnderin der Barmherzigen Schwestern beteiligt.

 

Oh Gott ‚Äď Menschwerden!

=> Vor vierhundert Jahren war dieses Thema schon mächtig.

=> Vinzenz von Paul war ein gro√üer Charismatiker mit einem ungeheuren Optimismus. Er hat Dinge angepackt, die f√ľr andere v√∂llig aussichtslos zu sein schienen. Er hat immer wieder Gl√ľck gehabt, weil ihm einflussreiche Leute geholfen haben.

=> Er muss auch mit einer großen Überzeugungskraft ausgestattet gewesen sein und er hat Menschen mit seinen Ideen begeistern können, die dann einfach Hand angelegt und mitgemacht haben.

=> So ist dieses Netzwerk von vielen Einrichtungen entstanden, die sich der Hilfe an den Armen und Kranken gewidmet haben.

=> Heute gibt es in Deutschland die Caritas und die Diakonie als feste Einrichtungen der Kirchen bundesweit.

=> Allerdings wissen viele Zeitgenossen nicht, wenn sie diese Einrichtungen nutzen, dass sie da einer Funktion der Kirchen begegnen.

=> Die Kirchen mit diesen beiden großen Verbänden sind die zweitgrößten Arbeitgeber in Deutschland. Unser ganzes Sozialsystem wird wesentlich getragen von den beiden großen Kirchen und dient damit dem sozialen Frieden in unserem Land.

=> Bei aller Kritik an der Struktur unserer Kirche, darf dieser Teil der Wirklichkeit nicht √ľbersehen werden.

=> Aber mit diesen Einrichtungen Caritas und Diakonie sind gleichzeitig ganz wichtige Teile des christlichen Lebens aus den Gemeinden ausgelagert worden. Heute versuchen wir wieder, diesen ausgegliederten Teil zur√ľck in das Bewusstsein der Gemeinden zu holen, was aber nicht ganz einfach ist.

 

Oh Gott ‚Äď Menschwerden!

Was w√ľrde heute ein Vinzenz von Paul in unserer modernen Gesellschaft tun?

=> 20 Millionen Menschen sind auf unserem Planeten direkt vom Hungertod bedroht. Die H√§lfte davon leidet im Jemen unter einem blutigen B√ľrgerkrieg.

=> An den Grenzen Europas im Norden Afrikas, in Syrien in der T√ľrkei, Griechenland, Italien, Malta und Spanien  warten Tausende Fl√ľchtlinge in Auffanglagern auf ihre Weiterreise.

=> Dort erwartet sie ein unw√ľrdiges Leben, weil sie hoffnungslos √ľberf√ľllt sind.

=> Hunderte ertrinken j√§hrlich im Mittelmeer bei ihrer gef√§hrlichen √úberfahrt nach Europa. ‚Äď

=> Die europäischen Staaten hindern Schiffe von Hilfsorganisationen daran, Menschen zu retten oder verweigern die Aufnahme in sicheren Häfen.

=> Das ist nicht die christliche Nächstenliebe, die Jesus gelehrt und in die Tat umgesetzt, und die Vinzenz von Paul gelehrt und praktiziert hat.

=> Viele dieser Menschen, die nach Europa fl√ľchten, fliehen vor den Folgen des Klimawandels. Es gibt Regionen in der Sahel ‚Äď Zone, die seit mehreren Jahren keinen Regen mehr gehabt haben.

=> 100 Millionen Menschen sind auf unserer Erde direkt auf Lebensmittelhilfen der UN angewiesen.

=> In Kattowitz, in Polen, ist gestern die Weltklimakonferenz zu Ende gegangen mit einem Minimalergebnis, was die Erderwärmung nicht wirklich aufhalten wird.

=> Die Szenarien, die da auf uns und die nachfolgenden Generationen zukommen werden, sind in manchen Gegenden der Erde apokalyptisch. Wir bekommen schon die ersten Anzeichen zu sp√ľren. Gef√§hrlich und bedrohlich.

 

Oh Gott ‚Äď Mensch werden!

=> Vinzenz von Paul w√ľrde auch in dieser Situation die √Ąrmsten der Armen aufsuchen und die Reichen zur Kasse bitten, um diesen Notstand  zu lindern. F√ľr ihn w√§re es ein h√∂chstes Alarmzeichen, dass ausgerechnet die √Ąrmsten wieder daf√ľr bezahlen m√ľssen, dass die Reichen nicht zum Umkehren bereit sind.

=> Im Jahr 2017 sind f√ľr R√ľstung weltweit 1, 7 Billionen Dollar aufgewendet worden.

Um diese Zahl etwas anschaulicher werden zu lassen: in Deutschland hat statistisch jeder B√ľrger 534 $ f√ľr R√ľstung ausgegeben; in Amerika sind es 1871 $ je B√ľrger, in Saudi Arabien 2169 $ / pro Kopf und in Russland 460 $

=> Was könnte mit diesen ungeheuren Summen Gutes getan werden auf diesem Planeten. …

An Geld mangelt es nicht. Es ist nur die Frage wof√ľr es ausgegeben wird.

=> Auch in unserer Zeit gibt es Prophetinnen und Propheten, die zur Umkehr rufen, um Schlimmeres zu verhindern. Das sind renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, das sind einfache Leute, die begriffen haben, dass jetzt gehandelt werden muss. Und:

=> Mich beeindruckt dieses 15 j√§hrige M√§dchen, Greta Thunberg, die in Schweden jeden Freitag vor dem Parlament sitzt und mehr Einsatz f√ľr den Klimaschutz fordert.

=> Sie hat mit ihrer Aktion weltweit Aufmerksamkeit erregt.

=> Sie ruft alle Sch√ľlerinnen und Sch√ľler weltweit zu einem Schulstreik f√ľr den Klimaschutz auf und ist zur Klimaschutzkonferenz in Kattowitz gereist, um dort Geh√∂r zu finden.

=> Sie und ihre Generation wird der Klimawandel viel mehr betreffen.

=> Eine Prophetin mit 15 Jahren?

=> Hören Sie zum Schluss noch einen Originaltext von Vinzenz von Paul:

‚ÄěGott bittet jeden einzelnen um den Dienst an den Armen. Sie sind unsere Herren. Deshalb muss man sie mit Milde und Herzlichkeit behandeln.

Sorgt, so gut ihr k√∂nnt, dass ihnen nichts fehlt, weder f√ľr den Leib noch f√ľr die Seele. Begegnet ihnen mit Hochachtung, wie unserem Herrn, der sagt: ‚ÄėWas ihr f√ľr einen meiner geringsten Br√ľder getan habt, das habt ihr mir getan.‚Äô

So ist es tats√§chlich unser Herr, der den Dienst entgegennimmt, den ihr einem Kranken erweist. Ihr m√ľsst euch also nicht nur vor Rauheit und Ungeduld in Acht nehmen, sondern seid bestrebt, den Kranken mit Freundlichkeit zu dienen.‚Äú

In diesem Sinne gelingt Menschwerdung:

Gott sei Dank!

Amen

¬© R. H√ľbschle 2018

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.