Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb√ľro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
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88213 Ravensburg

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5. Fastensonntag - MISEREOR-Sonntag

Lesung:

Ich bin ‚Äď weil du bist
Ich
Mit meinen Charismen
Meinen Fähigkeiten
Meinen Stärken
Meinen Schwächen

Du
Mit deiner Geistkraft
deiner Stärke
deinem Lebensatem
deiner Barmherzigkeit

Ich
Im Leben
Manchmal aufrecht
Manchmal gebeugt
Manchmal voller Energie
Manchmal resigniert
Manchmal echt und ehrlich
Manchmal feige und schuldbeladen

Du
Das Leben
Die Auferstehung
Der Gekreuzigte
Der Sinn
Der Halt
Die Wahrheit
Der Neubeginn

Ich bin ‚Äď weil du bist
Aus dir lebe ich
Von dir gewollt und gerufen
Mit dir beginnt alles
Mit dir endet alles
Mit dir will ich mich neu ausrichten
Dem Leben Raum geben
Mich dem Dunkel stellen
Mit dir auf-er-stehen zu einem neuen Leben

Diesen Weg gehe ich in Vertrauen, denn:
Ich bin ‚Äď weil du bist.

Andreas Paul

 

Evangelium: Joh 11, 3-7.17.20-27.33b-45

In jener Zeit sandten die Schwestern des Lazarus Jesus die Nachricht: Herr, dein Freund ist krank.
Als Jesus das h√∂rte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod f√ľhren, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.
Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus.
Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.
Danach sagte er zu den J√ľngern: Lasst uns wieder nach Jud√§a gehen.
Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.
Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.
Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.
Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.
Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.
Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?
Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.
Jesus war im Innersten erregt und ersch√ľttert.
Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!
Da weinte Jesus.
Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!
Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?
Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.
Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.
Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?
Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.
Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!
Da kam der Verstorbene heraus; seine F√ľ√üe und H√§nde waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schwei√ütuch verh√ľllt.
Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!
Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

 

 

 

 

Predigt

‚ÄěIn den Massenmedien lernen wir heute alles dar√ľber, wie Afrikaner sterben, aber nichts dar√ľber, wie sie leben.‚Äú Das hat Henning Mankell, der schwedische Krimiautor und Afrikakenner, schon 2006 in der ‚ÄěZEIT‚Äú (12.01.2006) angemerkt. Viel hat sich daran nicht ver√§ndert. Noch h√§ufig wird das Bild Afrikas durch die ‚Äě5 K‚Äú gepr√§gt: Krisen, Kriege, Katastrophen, Krankheiten, Korruption. Wir schauen in ein schwarzes Loch, in dem es keine Hoffnung gibt. Und in der Tat, es wird noch immer zu viel gehungert, ged√ľrstet und gestorben in diesem an M√∂glichkeiten so reichen Kontinent. Es geht h√§ufig noch schlicht um Leben und Tod.

Wie in der Geschichte von Lazarus. Nach vier Tagen liegt der Geruch des Todes in der Luft und Tr√§nen und Vorw√ľrfe. Auch gegenseitiger Trost und bange Bekenntnisse. Jesus ist innerlich erregt. Er nimmt die Perspektive der Trauernden ein. Er schaut ins Grab. Doch dann winkt er nicht ab. Er sagt nicht: ‚ÄěNichts mehr zu machen.‚Äú Er wusste sich vom Gott des Lebens erh√∂rt und ruft mit lauter Stimme: ‚ÄěLazarus, komm heraus!‚Äú

Das ist der entscheidende Perspektivwechsel: Nicht ins Grab schauen, sondern aus dem Grab herauskommen und dem Leben und seinen M√∂glichkeiten trauen. Genau das geschieht: Der Tote steht auf, blickt ins Licht, kommt aus dem Grab heraus und macht vorsichtige Schritte auf Jesus zu. Der dreht sich mit ihm um, schaut mit ihm ins Licht und bittet die Umstehenden, sich an dieser Auferstehung zu beteiligen: ‚ÄěL√∂st ihm die Binden und lasst ihn weggehen.‚Äú

In dieser Geschichte steckt der wesentliche Perspektivwechsel der Entwicklungszusammenarbeit, die MISEREOR mit den Partnern in Burkina Faso betreibt: Gemeinsam mit den Betroffenen schaut MISEREOR solidarisch auf die dunklen Stellen, auf die scheinbar ausweglosen Situationen. Aber dabei bleibt es nicht. Irgendwann muss man dann die Perspektive wechseln und nicht nur auf das schauen, was nicht geht. Irgendwann muss man aufstehen, sich umdrehen, ins Licht schauen und aus dem Tod heraustreten.

In der diesj√§hrigen Fastenaktion begegnen wir B√§uerinnen und Bauern und Viehhirtinnen und Viehhirten in Burkina Faso, die diesen Weg gehen. Sie sind allerdings noch gehemmt durch vielerlei Binden. Entwicklungszusammenarbeit hei√üt: Diese Binden l√∂sen helfen. Jeden Schritt, den die Menschen selbst gehen, f√∂rdern, mit ihnen die Hindernisse aus dem Weg r√§umen und sie selbst weggehen lassen ‚Äď wie den Lazarus. Das erzeugt Glauben, bis heute, und macht Mut, neue Ideen wachsen zu lassen. F√ľr diese Arbeit bittet MISEREOR um Ihre Spende. Sie wird investiert in die guten Ideen der Menschen, von denen die Welt voll ist; sie wird in die Entwicklung der eigenen Kr√§fte gesteckt und in die M√∂glichkeit, sich ‚Äěauf der eigenen Matte‚Äú zu entwickeln, wie es die afrikanische Theologin Anne B√©atrice Faye nennt.

Und: MISEREOR l√§dt Sie, hier in Deutschland, zu einem Perspektivwechsel ein, zu einem neuen Blick auf Afrika und seine Menschen: Gerade in Burkina Faso, am s√ľdlichen Rand der Sahelzone, leisten sie Beachtliches, um das Leben ihrer Familien zu sichern. Mit Z√§higkeit und Findigkeit suchen sie nach L√∂sungen f√ľr die vielf√§ltigen Probleme ihres Alltags. In ihrem Land haben sie die Demokratie gesichert und freie Wahlen durchgef√ľhrt. Sie haben ihr Land zu dem gemacht, was der Landesname Burkina Faso bedeutet: ‚ÄěDas Land der aufrechten Menschen.‚Äú Wir sollten sie nicht alleine lassen. ‚ÄěKomm heraus!‚Äú Dieser Ruf Jesu gilt deshalb auch uns: Dass wir nicht in den alten Vorurteilen und Bildern verhaftet bleiben, sondern, realistisch, geduldig, gelassen und zuversichtlich mit den Afrikanerinnen und Afrikanern neue Wege ins Leben suchen.

Pirmin Spiegel, MISEREOR Aachen

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.