Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb√ľro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
Schwalbenweg 5
88213 Ravensburg

Tel. 0751-7912430
Fax 0751-7912440
E-Mail: Info-Dreifaltigkeit.RV@drs.de

 

 

4. Fastensonntag

Lesung: Eph 5, 8-14

Br√ľder und Schwester!
Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts!
Das Licht bringt lauter G√ľte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.
Pr√ľft, was dem Herrn gef√§llt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf!
Denn man muss sich schämen, von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden.
Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet.
Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.

 

Evangelium: Joh 9, 1-41

In jener Zeit sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.
Da fragten ihn seine J√ľnger: Rabbi, wer hat ges√ľndigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern ges√ľndigt, so dass er blind geboren wurde?
Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben ges√ľndigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.
Wir m√ľssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!
Schiloach hei√üt √ľbersetzt: Der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zur√ľckkam, konnte er sehen.
Die Nachbarn und andere, die ihn fr√ľher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasa√ü und bettelte?
Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte: Ich bin es.
Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden?
Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen.
Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.
Einige der Pharis√§er meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht h√§lt. Andere aber sagten: Wie kann ein S√ľnder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.
Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst √ľber ihn? Er hat doch deine Augen ge√∂ffnet.
Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.
Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?
Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen ge√∂ffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst f√ľr sich sprechen. Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden f√ľrchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszusto√üen. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.
Da riefen die Pharis√§er den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein S√ľnder ist. Er antwortete: Ob er ein S√ľnder ist, wei√ü ich nicht. Nur das eine wei√ü ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.
Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen ge√∂ffnet? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht geh√∂rt. Warum wollt ihr es noch einmal h√∂ren? Wollt auch ihr seine J√ľnger werden?
Da beschimpften sie ihn: Du bist ein J√ľnger dieses Menschen; wir aber sind J√ľnger des Mose. Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.
Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen ge√∂ffnet. Wir wissen, dass Gott einen S√ľnder nicht erh√∂rt; wer aber Gott f√ľrchtet und seinen Willen tut, den erh√∂rt er. Noch nie hat man geh√∂rt, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen ge√∂ffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott w√§re, dann h√§tte er gewiss nichts ausrichten k√∂nnen.
Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in S√ľnden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stie√üen ihn hinaus.
Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.
Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.
Einige Pharis√§er, die bei ihm waren, h√∂rten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind w√§rt, h√§ttet ihr keine S√ľnde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure S√ľnde.

 

Predigt:

Liebe Gemeinde,

selber habe ich es noch nicht ausprobiert ‚Äď

das Rezept, der Heiligen Hildegard von Bingen, das ‚Äď ihrer √úberzeugung nach ‚Äď bei allen m√∂glichen Augenleiden helfen soll.

Ich bezweifle aber nicht, dass es der gro√üen Heiligen zu Beginn des 12. Jahrhunderts n.Chr.  tats√§chlich gelungen ist, die Menschen in ihrer Zeit auf solche Weise zu heilen.

Und jetzt hören Sie Hildegard von Bingen wörtlich:

 ‚ÄěDas Veilchen ist gut gegen Verdunkelung der Augen. Nimm gutes √Ėl und bring es an der Sonne oder am Feuer in einem sauberen Topf zum Sieden, wirf dann so viele hinein, damit es davon dick wird, und f√ľlle es in ein Glas zum Aufbewahren. ‚Ķ

Abends salbe mit diesem √Ėl um die Augenlieder und Augen herum ein, ohne dass es die Augen ber√ľhrt, und es wird die Verdunkelung der Augen vertreiben.‚Äú

(Peter Pukownik, Das Gesundheitsbuch der Hl. Hildegard von Bingen, vianova-Verlag; Seite 85)

Veilchen√∂l als bew√§hrtes Mittel gegen Augenerm√ľdung, gegen Augenbrennen, gegen Bindehautentz√ľndung, gegen nachlassende Sehkraft ‚Äď eben gegen die ‚ÄěVerdunkelung der Augen‚Äú, wie es die Heilige Hildegard nennt.

Hildegard von Bingen hat ganz offensichtlich ganz genau gewusst, was im göttlichen Kräutergarten so alles wächst, und sie ist nicht nur eine große Heilige gewesen, sondern auch eine große Heilende.

Ob wohl Jesus solche heilenden Pflanzen aus dem Schöpfungsgarten unseres Gottes auch gekannt hat??!!

Sicher ist auf jeden Fall:

Auch der Mann aus Nazareth hat zu seiner Zeit die Menschen geheilt.

Davon berichten √ľbereinstimmend alle Evangelienschreiber!

In ganz unterschiedlichen biblischen Erzählungen schildern sie, dass Jesus die Fähigkeit gehabt hat, den Menschen ihr Leiden entweder zu erleichtern oder aber sie ganz davon zu befreien.

Und von einer solchen Heilung erzählt auch unser heutiges Evangelium:

Jesus bringt einen Mann zum Sehen, dessen Augen krank waren ‚Äď ‚Äěverdunkelt‚Äú, wie es Hildegard von Bingen wohl nennen w√ľrde.

Was bei dieser Heilung damals aus medizinischer Sicht geschehen ist, das interessiert Johannes, den Schreiber unseres Evangeliums, √ľberhaupt nicht. Und er sieht dieses ganze Ereignis auch nicht mit den Augen der heutigen Naturwissenschaft.

Entscheidend f√ľr Johannes ist:

Der Mann, der wohl zeitlebens mit einem Augenleiden zu k√§mpfen hatte, geht ermutigt, aufgerichtet und gl√ľcklicher seinen Lebensweg weiter, nachdem er Jesus begegnet ist:

Eine Begegnung voller Wunder ist das ‚Äď eine Begegnung, die mich als heutige Zeugin dieses Geschehens ber√ľhrt und beeindruckt.

Diese Begegnung der beiden Männer lässt mich ahnen:

Jesus √∂ffnet uns Menschen die Augen f√ľr das wirkliche Gl√ľck in unserem Leben.

 

Und: Bei der Heilung des Mannes im heutigen Evangelium wird es ganz offensichtlich:

Jesus hat die Menschen, die ihn damals um Heilung gebeten haben, nicht nur körperlich gesund gemacht, sondern auch seelisch.

Die Heilige Hildegard hat diesen Zusammenhang zwischen k√∂rperlicher und seelischer Gesundheit in ihren Schriften und in ihren Rezepten immer ausdr√ľcklich betont:

Wenn die Seele von uns Menschen krank ist, wenn wir ganz tief in unserem Herzen traurig oder verletzt sind, dann wird irgendwann auch unser K√∂rper krank.  

Und deshalb hat die große Hildegard von Bingen auch gute Ideen gehabt, wie es in unseren Herzen heller und froher werden kann und wie unsere Seele gesund bleiben oder gesund werden kann.

Und jetzt hören Sie die große Heilende noch einmal wörtlich:

‚ÄěDer Dinkel ist das beste Getreide, und er ist warm und fett und kr√§ftig, und er ist milder als andere Getreidearten, und er bereitet dem, der ihn isst, rechtes Fleisch und rechtes Blut, und er macht frohen Sinn im Gem√ľt des Menschen.

Und wie auch immer die Menschen ihn essen, sei es in Brot, sei es in anderen Speisen, er ist gut und mild. Und wenn einer so krank ist, dass er vor Krankheit nicht…kauen…kann, dann nimm die ganzen Körner des Dinkels und koche sie in Wasser, unter Beigabe von Fett oder Eidotter, so dass man ihn wegen des besseren Geschmacks gern essen kann, und gib das dem Kranken zu essen, und es heilt ihn innerlich wie eine gute und gesunde Salbe.“

(Peter Pukownik, Das Gesundheitsbuch; Seite 28)

Dinkel, eine Heilpflanze gegen unsere innersten Verletzungen, gegen alles Dunkle und Schwere in unserer Seele ‚Äď

ganz offensichtlich ist die Heilige Hildegard  davon √ľberzeugt gewesen, dass Dinkel  nicht umsonst in der g√∂ttlichen Sch√∂pfung w√§chst.

Der Kräutergarten unseres Gottes ist tatsächlich voller guter Ideen, und die Heilige Hildegard hat sie nicht nur wachsen lassen, sondern sie ist selber immer wieder auch auf neue gute Ideen gekommen, wie sie mit Hilfe dieser göttlichen Kräuterwelt den anderen Menschen das Leben leichter machen konnte.

Ob sich wohl Jesus auch so gut im göttlichen Schöpfungsgarten ausgekannt hat??!!

Die Schreiber unserer biblischen Texte sagen dazu ganz wenig.

Aber halten Sie es f√ľr m√∂glich, dass Jesus vielleicht sogar die Heilkr√§fte von Blumen oder die Heilkr√§fte von Getreidearten gekannt hat???

Wir wissen sicher, dass die Menschen zur Zeit Jesu den Dinkel bereits gekannt haben ‚Äď er wird n√§mlich schon seit  8000 Jahren angebaut und gegessen.

Und ich selber traue Jesus wirklich  zu, dass er f√ľr viele M√§nner und Frauen seiner Zeit zugleich Arzt und Psychotherapeut, Naturheilkundiger und Seelsorger gewesen ist ‚Äď und das alles vermutlich auf ganz ber√ľhrende und ganz befreiende Weise.

Die Heilung des blinden Mannes im heutigen Evangelium zeigt diese ganz unterschiedlichen heilenden Kräfte, die wohl vom Mann aus Nazareth ausgegangen sein mussten:

‚ÄěWeder er noch seine Eltern haben ges√ľndigt!‚Äú ‚Äď

Jesus nimmt mit diesem Satz im heutigen Evangelium alle Schuld von den Schultern des kranken Mannes:

Die Augenkrankheit , die dem Mann im heutigen Evangelium wohl schon sein Leben lang zu schaffen gemacht hat, ist keine Strafe und schon gar keine g√∂ttliche Rache f√ľr irgendein menschliches Versagen. Unser christlicher Gott r√§cht sich nicht, und er verlangt auch keine Opfer von uns Menschen, die ihn gn√§dig stimmen m√ľssten!!!

‚ÄěGeh, und wasch dich‚Ķ‚Äú ‚Äď

Jesus schickt den Mann ganz bewusst los! Er muss seine Schritte in eine neue Zukunft selber gehen.

Er schickt ihn ganz bewusst los, damit er die ganz tief sitzende alte Angst und die alten Schuldgef√ľhle abw√§scht.

         ‚ÄěGeh!‚Äú

Und dann sieht der Geheilte sein Leben anders!

Dann sieht er die Welt mit den Augen seines Herzens.

Und er sieht sich selber als ein vom G√∂ttlichen ber√ľhrter und geliebter Mensch!

Und das ist  - f√ľr mich ‚Äď das eigentliche Wunder!

Das ist Heil-Werden, wie es Jesus uns Menschen bis heute im  Evangelium zusagt.

 

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht, wie gerne Sie alle in der göttlichen Schöpfung unterwegs sind.

Und ich weiß auch nicht, ob Sie mit den Heilungsmethoden der Heiligen Hildegard von Bingen etwas anfangen können.

Aber ich w√ľnsche Ihnen immer wieder neu die Erfahrung, dass tats√§chlich viele gute Ideen in unserer Welt wachsen und reifen.

Und ich w√ľnsche Ihnen auch, dass Sie das Staunen √ľber die Wunder in unserer Sch√∂pfung nie verlernen!

Vielleicht lassen Sie sich ja auch jetzt -  zum Schluss -  von der Begeisterung der Hildegard von Bingen f√ľr unsere ‚ÄěWelt voller guter Ideen‚Äú anstecken, wenn Sie das folgende ‚Äď im Wortlaut √ľberlieferte ‚Äď Gebet der gro√üen Heiligen h√∂ren:

‚ÄěGepriesen bist du, Herr, gepriesen bist nur du allein,

du senkest Licht in mein Herz mit deiner Weisung.

Durch deinen Heiligen Geist pflanzest du den Baum des Lebens in mich ein;

wenn er im Herzen Wurzeln schlägt, wandelt er die Seele in einen Himmelsgarten um.

Ganz herrlich schm√ľckt er sie mit auserlesenen Gew√§chsen, mit Blumen und mit B√§umen, aller Art von Fr√ľchten, bunt und mannigfaltig, mit Lilien, die Wohlger√ľche hauchen:

Mit Frieden und mit Freude, mit sanftem Mut und Demut, mit Mitleid und Barmherzigkeit, Wohlwollen und Hoffnung, mit deiner Liebe Glanz, die alles licht macht, was in diesem Garten sich befindet.“

(Hildegard Strickerschmidt, Hildegard von Bingen, St.Benno-Verlag; Seite 62)

Amen.

© A. Böhm, 2017

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.