Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

PfarrbĂĽro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
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2. Fastensonntag

Lesung: Kol 4, 2-6

Lasst nicht nach im Beten; seid dabei wachsam und dankbar!
Betet auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffnet für das Wort und wir das Geheimnis Christi predigen können, für das ich im Gefängnis bin; betet, dass ich es wieder offenbaren und verkündigen kann, wie es meine Pflicht ist.
Seid weise im Umgang mit den AuĂźenstehenden, nutzt die Zeit!
Eure Worte seien immer freundlich, doch mit Salz gewürzt; denn ihr müsst jedem in der rechten Weise antworten können.

Evangelium: Mt 5, 13-16

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.
Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.
So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Predigt:

Liebe Gemeinde!

Gott und Gold – wie viel ist genug? In Anlehnung an das Motto der MISEREOR-Fastenaktion mit dem entsprechenden / neuen Hungertuch wollen wir in diesem Jahr unsere Predigtreihe über die Fastensonntag und die Kar- und Osterzeit gestalten. (Die Texte werden überwiegend aus der Bergpredigt genommen.)

Am letzten Sonntag hat uns Pfarrer Hübschle eine Einführung in die Thematik gegeben. „Geld regiert die Welt“, und für viele Menschen ist Geld zum neuen Gott geworden – doch „niemand kann zwei Herren dienen“, wie es eben auch in der Bibel heißt, und „Wo dein Schatz ist, ist auch dein Herz“.

Im heutigen Evangelium ist nicht vom Geld die Rede, sondern vom Salz der Erde und vom Licht der Welt.

Salz – für uns etwas ganz Selbstverständliches. Es gibt Speisen die Würze, und es macht Nahrungsmittel haltbar. Im Zeitalter der Gefriertruhen mag das nicht mehr so wichtig sein, aber noch vor wenigen Jahrhunderten war Salz ein wesentlicher Bestandteil der Konservierungsmethoden für Fisch, Fleisch und Wurst. Und dementsprechend teuer wurde es gehandelt, auch aufgrund der aufwändigen Herstellungsmethoden und Transportwege. Im Mittelalter und der Renaissance wurde Salz teilweise in Gold aufgewogen. Heute können wir es für wenige Cent im Supermarkt kaufen.

Und wenn das Salz fehlt, bemerkt man es sofort, auch wenn man sich normalerweise keine großen Gedanken darüber macht. Vielleicht kennen Sie das Märchen von dem König und seinen drei Töchtern. Er wollte wissen, wie sehr sie ihn lieben, und verlangte von ihnen ein Zeichen ihrer Liebe. Am nächsten Tag traten sie vor ihn. Die älteste hatte in ihrer Hand eine Schale mit Zucker und sagte zu ihm: „Ich liebe dich so wie diesen Zucker“. Der Vater freute sich darüber sehr. Die mittlere hatte in ihrer Hand einen Tiegel mit Honig und sagte zu ihm: „Ich liebe dich wie diesen Honig“. Auch darüber freute sich der Vater und blickte dann erwartungsvoll auf seine jüngste Tochter. Diese hatte in ihrer Hand ein Brettchen mit etwas Salz darauf und sagte zum Vater: „Ich liebe dich so sehr wie dieses Salz“. Das hatte der Vater nicht erwartet. Er wird wütend, die Tochter wird verbannt. Zum Glück geht es im Märchen gut aus: letztendlich heiratet die jüngste Prinzessin einen Prinzen, und beim Hochzeitsmahl wird ihrem Vater – der nicht weiß, dass es sich um seine Tochter handelt – das Essen statt mit Salz mit Zucker und Honig gewürzt. Er findet es absolut ungenießbar –fragt nach den Verantwortlichen; und trifft dann auf seine Tochter, die ihre ganze Geschichte erzählt. Letztendlich erkennt der Vater, wie wichtig das Salz ist. Er hat gelernt, seine Bedeutung wertzuschätzen.

Diese Wichtigkeit des Salzes hat Jesus im Blick, wenn er zu den JĂĽngern sagt: Ihr seid das Salz der Erde.

Und damit sind nicht nur die Jünger damals, sondern auch wir hier und heute angesprochen, die wir zu Jesus gehören und im Glauben an ihn und in Verbundenheit mit ihm leben.

Wir sollen das Salz der Erde sein, wir sollen etwas Wesentliches zum Leben auf dieser Welt beitragen.

Wenn wir auf unsere Welt schauen: wie viel Krieg und blutige Auseinandersetzungen gibt es da Tag für Tag. Staatsmänner gieren nach Macht, Terrorgruppen versuchen, ihre Ideale mit brutaler Gewalt durchzusetzen.

Die Spirale der Gewalt wird immer größer und betrifft immer mehr Menschen - ein Ende ist nicht in Sicht.

Und dann ist da noch die große Not unzähliger Menschen, die unter Hunger leiden oder an Krankheiten, die kein Dach mehr über dem Kopf haben, denen Naturgewalten und menschengemachte Katastrophen die Lebensgrundlage entzogen haben.

Wobei: wir brauchen gar nicht weit zu schauen. Terror und Gewalt oder materielle Not finden wir inzwischen sozusagen vor unserer HaustĂĽre.

Hier sind wir, Sie und ich als Christinnen und Christen gefragt, Zeichen zu setzen nach dem Vorbild dessen, der Hass und Gewalt mit Liebe und Versöhnung gegenübertrat. Der Toleranz lebte und immer ein offenes Herz für die Ausgestoßenen, die Benachteiligten, die Menschen am Rand der Gesellschaft hatte – Jesus von Nazareth.

Er hat uns vorgelebt, wie es gehen kann, dass das Reich Gottes schon hier und jetzt beginnt. Und wir sind aufgerufen, ihm nachzufolgen, es ihm nachzutun.

Dabei werden von uns nicht vorrangig großartige Aktionen erwartet. Um im Bild zu bleiben: allzu viel Salz ist ungesund, und wir brauchen die Suppe nicht zu versalzen. Salz will fein dosiert sein - wir sollen unseren Beitrag leisten, im Zusammenspiel mit den anderen Kräutern und Gewürzen.

Salz ist auch ein eher unscheinbares weißes Pulver – es braucht keine großartigen Helden und Heldentaten, sondern uns als „ganz normale Menschen“. Wir sollen uns einmischen, uns einbringen mit dem, was und wie wir sind. Und das beginnt bei unserem Leben und Handeln im Alltag.

Der deutsche Schriftsteller Hellmut Walters hat einmal gesagt: „Der Mangel an Nächstenliebe kommt daher, dass man zuviel fern- und zu wenig nahsieht.“

Wenn wir also diese Nah-Sicht im Alltag anwenden und entsprechend handeln, wenn in unserem Leben die Liebe und Güte Jesu auch für andere spürbar wird, dann sind wir Salz für unsere Erde – und so kostbar und wertvoll, wie dieses Salz im Mittelalter war.

Wenn allerdings nicht – dann geschieht auch nichts, so wie es in der Bibel von dem schal gewordenen Salz heißt: es taugt zu nichts mehr.

Unsere heutige Bibelstelle stellt uns aber nach dem Bild vom Salz der Erde noch ein zweites vor: „Ihr seid das Licht der Welt“.

Vor einigen Jahren hatten wir hier in unserer Kirche eine Predigtreihe zu den „ich-bin“-Worten Jesu im Johannes-evangelium; auch zu „Ich bin das Licht der Welt“.

Bei diesen verschiedenen „ich-bin“ Worten steht dem Inhalt entsprechend Jesus Christus im Zentrum der Aussage.

Im heutigen Evangelium sind aber wir im Fokus: „Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben“. Und dann folgt das Beispiel vom Licht, das man ja auch nicht unter ein Gefäß stellt, sondern auf einen Leuchter.

Für mich gehören diese beiden Bildworte vom Salz der Erde und vom Licht der Welt unbedingt zusammen, und ihre Reihenfolge ist für mich stimmig: wenn wir das Salz der Erde sind, so wie ich es gedeutet habe, dann sind wir zwangsläufig Licht der Welt.

Das „Salz-der-Erde-Sein“ ist für mich verbunden mit einer konkreten Umsetzung der Botschaft Jesu ins Hier und Jetzt – also sozusagen ein aktives Tun und Handeln.

Und verschiedentlich heißt es in der Bibel „An ihren Taten – oder an ihren Früchten – sollt ihr sie erkennen“. Wenn das geschieht, dann also sind wir Licht der Welt, ein Licht, das für andere diese unsere Welt etwas heller, wärmer und freundlicher macht.

Also nicht um unserer selbst willen sollen unser Licht vor den Menschen leuchten, sondern damit sie die so genannten guten Werke erkennen – und, ich füge hinzu, damit diese ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ein leuchtendes Beispiel sind, und unser Licht soll leuchten um auf den zu verweisen, der selbst die Quelle alles Guten und des Lichtes ist.

Liebe Gemeinde,

„Nihil utilius sale et sole“ - "Nichts ist nützlicher als Salz und Sonne" So schreibt bereits der römische Schriftsteller Plinius der Ältere um 50 nach Christus.

Er hat bereits den Wert des Salzes und der Sonne, des Lichtes erkannt.

In diesem Sinne wĂĽnsche ich allen, dass es uns gelingt, Salz der Erde und damit Licht der Welt zu sein.

Amen.

© B. Vallendor, 2015

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.