Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb√ľro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
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Karfreitag: ".... gekreuzigt, gestorben und begraben...."

Schriftlesung:

Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen J√ľngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen J√ľngern hinein. Auch Judas, der Verr√§ter, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen J√ľngern zusammengekommen war.
Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharisäer und sie kamen dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen.
Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr?
Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der Verräter, stand bei ihnen.
Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zur√ľck und st√ľrzten zu Boden.
Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret.
Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen!
So sollte sich das Wort erf√ľllen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.
Simon Petrus aber, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, schlug nach dem Diener des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener hieß Malchus.
Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat - soll ich ihn nicht trinken?
Die Soldaten, ihre Befehlshaber und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn und f√ľhrten ihn zuerst zu Hannas; er war n√§mlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war.
Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch f√ľr das Volk stirbt.
Simon Petrus und ein anderer J√ľnger folgten Jesus. Dieser J√ľnger war mit dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des hohepriesterlichen Palastes. Petrus aber blieb drau√üen am Tor stehen. Da kam der andere J√ľnger, der Bekannte des Hohenpriesters, heraus; er sprach mit der Pf√∂rtnerin und f√ľhrte Petrus hinein.
Da sagte die Pf√∂rtnerin zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den J√ľngern dieses Menschen? Er antwortete: Nein.
Die Diener und die Knechte hatten sich ein Kohlenfeuer angez√ľndet und standen dabei, um sich zu w√§rmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und w√§rmte sich.
Der Hohepriester befragte Jesus √ľber seine J√ľnger und √ľber seine Lehre.
Jesus sagten zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen J√ľngern? Er leugnete und sagte: Nein.
Einer von den Dienern des Hohenpriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen?
Wieder leugnete Petrus und gleich darauf krähte ein Hahn.
Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Pr√§torium; es war fr√ľh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Geb√§ude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu k√∂nnen.
Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen?
Sie antworteten ihm: Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert.
Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden antworteten ihm: Uns ist es nicht gestattet, jemand hinzurichten.
So sollte sich das Wort Jesu erf√ľllen, mit dem er angedeutet hatte, auf welche Weise er sterben werde.
Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden?
Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere √ľber mich gesagt?
Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?
Jesus antwortete: Mein K√∂nigtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt w√§re, w√ľrden meine Leute k√§mpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert w√ľrde. Aber mein K√∂nigtum ist nicht von hier.
Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein K√∂nig? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein K√∂nig. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich f√ľr die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, h√∂rt auf meine Stimme.
Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.
Ihr seid gewohnt, dass ich euch am Paschafest einen Gefangenen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse?
Da schrien sie wieder: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Straßenräuber.
Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln.
Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um.
Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht.
Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keinen Grund finde, ihn zu verurteilen.
Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch!
Als die Hohenpriester und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm! Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.
Die Juden entgegneten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich als Sohn Gottes ausgegeben hat
Als Pilatus das hörte, wurde er noch ängstlicher.
Er ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: Woher stammst du? Jesus aber gab ihm keine Antwort.
Da sagte Pilatus zu ihm: Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?
Jesus antwortete: Du h√§ttest keine Macht √ľber mich, wenn es dir nicht von oben gegeben w√§re; darum liegt gr√∂√üere Schuld bei dem, der mich dir ausgeliefert hat.
Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: Wenn du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf.
Auf diese Worte hin lie√ü Pilatus Jesus herausf√ľhren und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf Hebr√§isch Gabbata, hei√üt.
Es war am R√ľsttag des Paschafestes, ungef√§hr um die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Da ist euer K√∂nig!
Sie aber schrien: Weg mit ihm, kreuzige ihn! Pilatus aber sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser.
Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt w√ľrde. Sie √ľbernahmen Jesus.
Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt.
Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus.
Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden.
Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.
Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.
Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, f√ľr jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war.
Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es geh√∂ren soll. So sollte sich das Schriftwort erf√ľllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies f√ľhrten die Soldaten aus.
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den J√ľnger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
Dann sagte er zu dem J√ľnger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der J√ľnger zu sich.
Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erf√ľllte: Mich d√ľrstet.
Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund.
Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.
Weil R√ľsttag war und die K√∂rper w√§hrend des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man m√∂ge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein gro√üer Feiertag.
Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war.
Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus.
Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt.
Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erf√ľllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.
Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.
Josef aus Arimath√§a war ein J√ľnger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu d√ľrfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab.
Es kam auch Nikodemus, der fr√ľher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund.
Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim j√ľdischen Begr√§bnis Sitte ist.
An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war.
Wegen des R√ľsttages der Juden und weil das Grab in der N√§he lag, setzten sie Jesus dort bei.

Joh 18,1-19,42

 

IMPULSE

Impuls 1: Verraten und verleugnet (Symbol: Hahn)

Was ist nur los mit Petrus? Sonst einer, der f√ľr Jesus Feuer und Flamme ist. Sonst einer, der keine Scheu hat, gro√ü und mutig daher zu reden. Sonst einer, der aus dem Kreis der J√ľnger herausragt. Und jetzt? Pl√∂tzlich will er seinen Herrn nicht mehr kennen.

Der Hahn kr√§ht. Und drei Mal hat Petrus Jesus verleugnet. Drei Mal bel√ľgt er sich und die anderen. Drei Mal l√§sst er den im Stich, der f√ľr ihn bisher so viel gegeben hat. Jetzt, wo Jesus N√§he und Beistand so dringend br√§uchte, ist Petrus nicht zur Stelle.

Die Angst um sich selbst lässt Petrus zu einem anderen Menschen werden. Er ist sich selbst fremd geworden. Er ist seiner bisherigen Überzeugung fremd geworden. Er ist Jesus fremd geworden.

Doch Petrus ist nicht der einzige Vertraute Jesu, der sich entfremdet. Judas, auch einer aus dem Zwölferkreis, lässt sich gegen Geld bestechen, liefert Jesus seinen Feinden aus. Aus einem Freund wird so ein Feind, aus einem Vertrauten ein Verräter.

Und Jesus? Er muss sich nicht nur fesseln, abf√ľhren, peinlich befragen, ohrfeigen und in alledem besch√§men lassen. Er sp√ľrt auch am eigenen Leib, was es hei√üt, verraten und verleugnet zu werden. Zur k√∂rperlichen Tortur kommt der vielleicht noch viel gr√∂√üere Schmerz der zwischenmenschlichen Entt√§uschung.

Im Gegensatz zu Judas und Petrus, bleibt Jesus sich treu. Trotz allem. Trotz der Geh√§ssigkeit und Feindschaft, die sich um ihn herum aufbaut. Trotz der Freunde, die ihm im entscheidenden Moment verraten und verleugnen. 

 

Impuls 2: Gelitten unter Pontius Pilatus (Symbol: Dornenkrone)

Schl√§ge und Spr√ľche, Folter und Spott ‚Äď das muss Jesus jetzt aushalten. F√ľr uns heute kaum noch vorstellbar. Unmenschlichkeit in perfider Perfektion: eine Dornenkrone, die die Kopfhaut verletzt. Ledergei√üeln mit Metallaufs√§tzen, die die Haut aufrei√üen. Soldaten, die aufgeh√∂rt haben, Menschen zu sein, sich berauschen am Qu√§len anderer. Ein Volk, dass Barrabas den Stra√üenr√§uber Jesus f√ľr eine m√∂gliche Freilassung vorzieht. Und ein Statthalter, der alle Verantwortung von sich weist, seine H√§nde in Unschuld waschen will.

Wie kommt es, dass gerade dieser Pontius Pilatus Sonntag f√ľr Sonntag im Credo erw√§hnt wird? Ein r√∂mischer Pr√§fekt, der in den vorhandenen historischen Quellen ganz unterschiedlich beschrieben wird. In den Passionsgeschichten der Evangelien als einer, der keine Schuld an Jesus findet und im Gespr√§ch mit ihm sogar wissen will: ‚ÄěWas ist Wahrheit?‚Äú Bei den r√∂mischen Geschichtsschreibern wie Philo von Alexandrien, Josephus Flavius oder Tacitus dagegen als einer, der bestechlich, willk√ľrlich, ma√ülos, grausam und b√∂sartig ist. Und auch im Lukasevangelium wird davon berichtet, wie Pilatus galil√§ische Pilger umbringen l√§sst.

Ein möglicher Tyrann als Teil unseres Glaubensbekenntnisses?

Dass es so gekommen ist, liegt nicht nur daran, weil er in der Bibel erw√§hnt wird. Vielmehr soll wohl zum Ausdruck kommen: Was da mit Jesus passiert, geschieht nicht einfach irgendwo und irgendwann durch irgendwen. Sondern Jesu Geschichte spielt sich ab in unserer Geschichte; Gottes Wirklichkeit tritt ein in unsere Wirklichkeit; ganz konkret in Jerusalem, ganz konkret zur Zeit des Pilatus, der von 26-36 nC. Statthalter von Jud√§a unter Kaiser Tiberius war; den nicht nur die Geschichtsschreiber, sondern auch M√ľnzen und beschriftete Steinplatten bezeugen.

‚ÄěGelitten unter Pontius Pilatus‚Äú im Credo m√∂chte sagen: was wir da beten und bekennen, ist wirklich Teil unserer Geschichte und unserer Welt.

 

Impuls 3: Gekreuzigt (Symbol: Hammer, Holzblock, Riesennägel)

Jetzt gibt es kein Zur√ľck mehr. Pilatus hat sein Urteil gef√§llt. Jesus erwartet das Kreuz. Wie kann das sein, dass einer wie Jesus am Kreuz landet?

Er, der Kranke geheilt hat. Er, der das Reich Gottes verk√ľndete und verk√∂rperte. Er, der Ausgegrenzte wieder zur√ľckholte. Er, der S√ľndern die Vergebung und den Frieden Gottes zusprach. Er, der Freund der Kinder. Er, der Meister der Barmherzigkeit.

Sicher ‚Äď Jesus hat immer wieder die Gesetzesaus√ľbung der Pharis√§er kritisiert und kam wegen seines Anspruchs mit ihnen in Konflikt. Sicher - auch mit den Sadduz√§ern ist er aneinander geraten, als es um die Frage nach der Auferstehung oder um die Ordnung im Tempel ging. Sicher - auch die R√∂mer wussten nicht, was sie davon halten sollen, wenn Jesus ein wie auch immer gearteter K√∂nig ist, der wom√∂glich politisch rebellieren k√∂nnte.

Aber woher kommt  dieser Hass der Menschen auf Jesus? Woher ihre Herzensh√§rte? Woher ihre Bereitschaft zu dieser Brutalit√§t?

Das Credo fasst die wohl schmerzhaftesten Stunden Jesu in seinem Leben in einem Wort zusammen: ‚Äěgekreuzigt‚Äú. Sp√§ter wird das Kreuz zu dem Symbol unseres Glaubens.

Ein Symbol, das mahnend vor Augen h√§lt, zu was der s√ľndige Mensch in der Lage ist. Ein Symbol aber auch, das auf den Punkt bringt, wie weit Gottes Liebe zu gehen bereit ist. Ein Symbol, durch das ein neues Kapitel aufgeschlagen wird im Glauben: Alte Ideal-Bilder von Gott, z.B. dass er unver√§nderlich sei, dass er leidlos sei oder dass der am Pfahl Aufgeh√§ngte ein Verfluchter sei, m√ľssen korrigiert werden. Durch einen Glauben, der dem√ľtig anerkennt, dass Gottes Weisheit und Wege manchmal anders sind als Menschen es sich denken. Durch eine √úberzeugung, dass Gott auch dort ist, wo ihn sonst keiner vermutet. Durch ein Vertrauen, dass Gott mit Jesus ein f√ľr allemal zeigen m√∂chte, dass er der ‚ÄěIch-bin-da‚Äú f√ľr die Menschen sein will.

So gesehen

Der Regenbogen hier vorne, der sich im Laufe der Fastenzeit aufbaut, steht f√ľr diesen Bund Gottes mit uns Menschen. Das Kreuz nun verbindet auf seine Weise Himmel und Erde und wird zum Leucht-turm f√ľr alle, in deren Alltag es dunkel ist. Dunkel durch das Kreuz der Einsamkeit oder Lieblosigkeit. Durch das Kreuz der Krankheit oder Traurigkeit. Durch das Kreuz der Armut oder Arbeitslosigkeit. Durch das Kreuz der Versagens oder des Unfriedens.

 

Impuls 4: Gestorben (Symbol: Stehkreuz in schwarzem Tuch)

Den Kopf geneigt, den Geist ausgehaucht ‚Äď Jesus ist gestorben. Alle Angst, alle Anfeindungen, alle Schmerzen, alle Verzweiflung ‚Äď sie liegen jetzt hinter ihm. Jesus stirbt wie alle Menschen einmal sterben m√ľssen ‚Äď die einen fr√ľher, die anderen sp√§ter, die einen aufgrund ihres hohen Alters, die anderen durch Krankheit, Ungl√ľck oder Gewalt. Jesus erlebt am eigenen Leib, was es hei√üt zu sterben. Er w√§hlt hier keinen g√∂ttlichen Sonderweg. Auch im Sterben ist und bleibt Jesus ganz Mensch:

Wie viele, ist Jesus vor dem eigenen Tod besorgt um seine Angeh√∂rigen und vertraut seine Mutter dem Lieblingsj√ľnger an. Er ist ganz auf andere angewiesen; und so m√ľssen sie ihm einen Schwamm mit Essig auf einem Ysopzweig reichen, damit er etwas trinken kann. Er muss wie jeder Sterbende alles zur√ľcklassen: Selbst die Kleider und den Leibrock nehmen sie ihm am Kreuz.

Sterben ‚Äď das ist ein Teil unseres Lebens. Am Sterben kommt keiner vorbei. Sterben ‚Äď das ist von dieser Welt gehen und Abschied nehmen. Das ist Los- und Zur√ľcklassen des Bisherigen. Das kann Befreiung und Erl√∂sung von Krankheit und Schmerz, von Kummer und Sorge sein. Im Sterben wird offensichtlich, wie bed√ľrftig und aufeinander angewiesen, wie verletzlich und hilflos wir Menschen sind. Durch das Sterben wird vieles anders im Leben, ordnen sich die Verh√§ltnisse neu, beginnt eine andere Zeit.

Im Credo hei√üt es von Jesus schlicht: ‚Äěgestorben‚Äú. Er, der K√∂nig der Juden, der gro√üe Heiland der Menschen  - ‚Äěgestorben‚Äú. Selbst in der Dunkelheit von Sterben und Tod l√§sst Gott uns nicht allein und taucht ein in unser Leben.

 

Impuls 5: Begraben (Symbol: großer Stein)

Noch ein letzter menschenverachtender Lanzenstich, durch den Wasser und Blut aus der Seite Jesu flie√üen. Dann endlich wird sein Leichnam vom Kreuz abgenommen und seinen Peinigern entrissen. Endlich kommt Jesus zur√ľck in die H√§nde seiner Lieben. Endlich erf√§hrt der Verstorbene wieder W√ľrde und Menschlichkeit. In Leinenbinden eingewickelt und mit wohlriechenden Salben verschwenderisch-ehrenvoll einbalsamiert, findet Jesus seine Ruhest√§tte in einem Felsengrab. Dort darf er liegen. Dort werden seine Angeh√∂rigen und Freunde immer wieder hingehen wollen, auch wenn sich die Lage in 3 Tagen entscheidend ver√§ndern wird.

F√ľr ganz viele Menschen ist es wichtig, einen Ort zu haben, wo sie ihre Verstorbenen besuchen k√∂nnen. Neben den Erinnerungen, die man im Geist und Herzen tr√§gt, ist ein Grab eine wertvolle Hilfe, mit dem Toten verbunden zu bleiben. Nicht wenige reden am Grab sogar innerlich mit ihren Verstorbenen und beten.

Da zeigt sich ein Band, das st√§rker ist als der Tod. Da wird eine Hoffnung und Realit√§t sichtbar, die √ľber diese Welt hinausgeht.

So bitter der Tod eines Menschen ist, so wichtig ist es f√ľr die Hinterbliebenen und Angeh√∂rigen, trauern und Abschied nehmen zu d√ľrfen. Nur so k√∂nnen sie den eigenen Schmerz zulassen. Nur so die Realit√§t anerkennen und zu einer neuen Orientierung in ihrem Leben finden.

Wenn wir heute Karfreitag feiern, dann setzen wir uns der Geschichte Jesu aus, dann lassen wir uns ber√ľhren von seinem Leidensweg. Wir √ľbergehen nicht einfach dieses Lebenskapitel Jesu. Wir √ľbert√ľnchen es nicht voreilig mit der Osterfreude. Der Weg nach Ostern, zum befreiten und erl√∂sten Leben kommt am Karfreitag, am Klage-, Kummer- und Trauerfreitag nicht vorbei. Das Credo bringt diesen wichtigen Teil unseres Glaubens auf den Punkt: ‚ÄěGekreuzigt, gestorben, begraben‚Äú.

 

© B. Held, 2012

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.