Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb√ľro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
Schwalbenweg 5
88213 Ravensburg

Tel. 0751-7912430
Fax 0751-7912440
E-Mail: Info-Dreifaltigkeit.RV@drs.de

 

 

1. Advent: Adam und Eva

Lesung: Gen 1, 24-31

Dann sprach Gott: Das Land bringe alle Arten von lebendigen Wesen hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Tieren des Feldes. So geschah es.
Gott machte alle Arten von Tieren des Feldes, alle Arten von Vieh und alle Arten von Kriechtieren auf dem Erdboden. Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns √§hnlich. Sie sollen herrschen √ľber die Fische des Meeres, √ľber die V√∂gel des Himmels, √ľber das Vieh, √ľber die ganze Erde und √ľber alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bev√∂lkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht √ľber die Fische des Meeres, √ľber die V√∂gel des Himmels und √ľber alle Tiere, die sich auf dem Land regen. Dann sprach Gott: Hiermit √ľbergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle B√§ume mit samenhaltigen Fr√ľchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Allen Tieren des Feldes, allen V√∂geln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle gr√ľnen Pflanzen zur Nahrung. So geschah es. Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.


Evangelium: Mt 5, 13-16

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.
Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
Man z√ľndet auch nicht ein Licht an und st√ľlpt ein Gef√§√ü dar√ľber, sondern man stellt es auf den Lechter; dann leuchtet es allen im Haus.
So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

 

Predigt:

Mensch ‚Äď Gottes Idee?

 =>  Zu diesem Thema haben wir unsere Predigtreihe vorbereitet. Wir sind dabei auf die Idee gekommen, dass wir einmal die Bibel auf Menschenpaare hin untersuchen. Wir werden nat√ľrlich nicht ersch√∂pfend dieses Thema behandeln k√∂nnen, aber wir versuchen einen Querschnitt zu zeigen.

=>  Gott, der sich die Menschen ausdenkt.  ‚Äď Ein spannender Gedanke.

Es liegt da nat√ľrlich nahe, dass wir ganz am Anfang beginnen, bei Adam und Eva.

=>  Ich habe Ihnen ganz bewusst den ersten Sch√∂pfungsbericht als Lesung herausgesucht. Vielleicht haben Sie es bemerkt. Es ist um die Erschaffung der lebendigen Wesen gegangen.

=>  Dabei hat Gott dem Land befohlen durch seine Sprache, dass es lebendige Wesen hervorbringen soll. Dann spricht Gott:

‚ÄěLasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns √§hnlich. Sie sollen herrschen √ľber die Fische des Meeres, √ľber die V√∂gel des Himmels, √ľber das Vieh, √ľber die ganze Erde und √ľber alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie‚Ķ‚Äú

=>  Was ist Ihnen allen im Laufe Ihres Lebens √ľber diese Sch√∂pfungsgeschichte erz√§hlt worden? Was haben Sie f√ľr Ihr Leben daraus gemacht?

=>  Heutige Jugendliche und aufgekl√§rte Menschen sind da ganz schnell in ihrem Urteil √ľber diese Geschichte: Quatsch! Der Urknall ist ihr Glaubensbekenntnis ‚Äď so wars! Fertig.

Sie werden aber alle ahnen, dass da ein großes Missverständnis aufscheint.

=>  Ich bin selbst immer wieder fasziniert, was sich alles in diesen Urgeschichten verbirgt.

Sicher haben Sie gemerkt, dass hier von der Erschaffung des Menschen als Mann und Frau berichtet wird.

=>  Ein Menschenwesen besteht nach diesem Gedankengang aus Mann und Frau.

Vielleicht hat Sie auch irritiert, dass von Gott als ‚Äěwir‚Äú gesprochen wird: Lasst uns den Menschen machen ‚Ķ

=>  Das geht auf die Vorstellungswelt dieses vorantiken Schreibers zur√ľck. Er stellt sich Gott wie einen K√∂nig vor. K√∂nige seiner Zeit haben alle einen Rat um sich, der sie ber√§t in wichtigen Entscheidungen.

=>  Das ist der Hintergrund f√ľr diese Darstellung. Gott ber√§t sich also mit seinem Rat und entscheidet dann, dass die Erschaffung des Menschen geschehen soll als sein Bild.

=>  Auch da hilft nur der Blick in die Zeit des Verfassers dieses Textes, der so um das Jahr 500 v.Chr. diesen Sch√∂pfungshymnus geschrieben hat.

 

=>  Im heidnischen Bereich gibt es viele Tempel und viele Darstellungen von G√∂ttern. Stellen Sie sich einfach vor, Sie gehen in so einem antiken Tempel in Richtung auf das G√∂tterbild zu. Schon der Weg zum Heiligtum wird auf beiden Seiten begleitet durch Bilder von allerlei Kreaturen, die in Stein gehauen sind und die den Weg zum h√∂chsten Gottesbild s√§umen.

=>  Ein einzelner Mensch, der diesen Weg entlang geht hat gleich das Gef√ľhl, dass er doch sehr klein und unbedeutend ist im Blick auf die Gr√∂√üe der G√∂tter. Dann ganz im Innern des Tempels steht dieser kleine Mensch vor dem gro√üen gewaltigen Bild des Gottes, zu dem er kommen wollte. Er wird √ľberw√§ltigt von der Gr√∂√üe und der Atmosph√§re in diesem Tempel und sinkt anbetend vor dem Bild nieder.

=>  Hier in der Bibel wird das Bild Gottes nicht gewaltig riesig in Stein gehauen, sondern der Mensch ist das Bild dieses gewaltigen Gottes ‚Äď und zwar jeder Mensch egal ob Mann oder Frau!! Deswegen gibt es im Tempel in Jerusalem auch keine Statue Jahwes. Deswegen gibt es auch das Bilderverbot in der Bibel, nach dem sich kein Mensch ein Bild von Gott machen darf, weil jeder Mensch ein Bild dieses Gottes ist!

=>  Au√üerdem ist Ihnen hoffentlich aufgefallen, dass die Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes in unserem Text nicht vorkommt. Ich habe es nicht mutwillig weggelassen.

=>  Diese Erz√§hlung, dass die Frau aus der Rippe des Mannes gemacht worden sei ist ein viel √§lterer Sch√∂pfungshymnus, der allerdings erst im zweiten Kapitel des Buches Genesis erz√§hlt wird. Dieser zweite Sch√∂pfungshymnus wird einfach an den ersten angeh√§ngt und damit beginnt die Erschaffung der Erde von neuem.

=>  In unserem Text, also diesem ersten Sch√∂pfungshymnus wird Gott dargestellt als der m√§chtige K√∂nig, der spricht und dann geschieht das was er ausspricht.

=>  Auch da ist der k√∂nigliche Hofstaat der Antike das Vorbild. Wenn der K√∂nig etwas spricht oder verf√ľgt, dann wird das von Anderen ausgef√ľhrt.

=>  So auch bei der Erschaffung der Welt in diesem ersten Hymnus. Gott spricht ‚Äď und es wird.

=>  Das erste, was auf das Gehei√ü Gottes passiert ist, dass er verf√ľgt, dass es hell werden soll. Licht ist die Sp√§re Gottes. In der Dunkelheit und in der Urflut gibt es nichts. Da ist alles leer und trostlos.

=>  Wenn Gott ins Spiel kommt, dann wird es hell und sein Bild, der Mensch, Mann und Frau, wird stellvertretend Herrscher √ľber die anderen Gesch√∂pfe. Das passiert dann am Ende der Sch√∂pfung.

=>  Das ist eine gewaltige Idee in der Antike, die eben die sonstigen Gottheiten in Tempeln und Steinbildern bei den Menschen vergegenw√§rtigt hat.

=>  Der zweite Sch√∂pfungshymnus hat in der Geschichte des Judentums, des Christentums und des Islam eine unselige Wirkungsgeschichte entfaltet, weil daraus die Unterordnung, ja sogar die Minderwertigkeit der Frau abgeleitet worden ist.

=>  Diese Sicht auf Frauen ist noch bis in unsere moderne Welt hinein sp√ľrbar.

 

=>  Mensch ‚Äď Gottes Idee?

Sie haben es sicher schon gemerkt ‚Äď der Mensch, der im Denken des Volkes Israel Mann und Frau ist, wird hier als eine gewaltige Idee des Gottes JAHWE dargestellt, weil der Mensch das lebende Bild dieses Gottes in unserer Welt ist ‚Äď M√§nner genauso wie Frauen!!!

=>  Damit sind alle Menschen auf diesem Planeten Bilder dieses Gottes!!

=>  Und jetzt wird es gef√§hrlich ‚Äď und die Wirklichkeit auf unserem Planeten scheint das auch zu best√§tigen:

=>  Wenn Gott keine beachtenswerte Gr√∂√üe mehr ist im Leben der Menschen, dann schwindet damit auch die Bedeutung des Menschen. Es verschwindet dann auch das Verst√§ndnis f√ľr die W√ľrde eines Menschen. =>  Diese W√ľrde eines Menschen ist im Bereich der drei gro√üen monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam, immer darauf zur√ľckgef√ľhrt worden, dass Gott den Menschen als sein Bild gemacht hat.

=>  Gibt es im Bewusstsein so vieler Menschen keine Autorit√§t mehr die mit dem Wort ‚ÄěGott‚Äú im Leben verortet wird, dann verliert der Mensch.

=>  Die W√ľrde des Menschen muss dann neu verortet werden. Sie braucht ein Fundament, das von allen Beteiligten akzeptiert wird.

=>  Und da merken wir alle zurzeit in unserer Gesellschaft, dass diese Selbstverst√§ndlichkeit, mit der fr√ľhere Generationen an Gott geglaubt und seine Autorit√§t geachtet haben, immer mehr verloren geht. 

 

=>  Heute wird die Frage nach Gott zwar immer wieder gestellt, aber es wird immer schwieriger zu vermitteln, was sich hinter dieser Chiffre ‚ÄěGott‚Äú verbirgt.

=>  Viele k√∂nnen und m√∂gen nicht mehr an einen Gott glauben, der irgendwie allm√§chtig sein soll, dann aber doch nicht in der Lage ist, f√ľr alle Menschen auf diesem Planeten so zu sorgen, dass alle in Frieden und Freiheit leben k√∂nnen. Da ist also ein gewaltiger Vertrauensbruch im Gang.

=>  Wir merken das nat√ľrlich auch in unseren Gemeinden. Sie brauchen sich ja nur umzuschauen. =>  Wie viele Ihrer engsten Nachbarn sind denn heute mit Ihnen hier in der Kirche?

=>  Wenn Sie mit ihren Arbeitskolleginnen und ‚Äďkollegen oder auch mit Ihren Freundinnen und Freunden reden, dann werden Sie auch dort auf dieses Unverst√§ndnis sto√üen:

=>  wie kann man heute denn noch an einen lebendigen Gott glauben? So ein Quatsch! Und damit ist dann auch das Gespr√§ch beendet.

 

=>  Mensch ‚Äď Gottes Idee?

Die verantwortlichen Theologinnen und Theologen in den monotheistischen Religionen haben da eine Herkulesaufgabe vor sich. Es muss n√§mlich wieder neu dar√ľber nachgedacht werden, wie ‚ÄěGott‚Äú im Leben der Menschen verankert werden kann. Es m√ľssen neue Bilder gefunden werden, die heutigen Menschen einleuchten.

=>  Die Bilder und Theorien der Naturwissenschaften sind offensichtlich √ľberzeugender, als die Bilder der Religionen.

=>  Dabei ist mir aufgefallen, dass wir in einem Zeitalter leben, in dem auch die Glaubenss√§tze der Naturwissenschaften geh√∂rig ins Wanken geraten sind.

=>  Ich bin schon vor einiger Zeit auf sog. ‚ÄěQuantenphilosophie‚Äú gesto√üen, die alle unsere bisherigen Bilder radikal ver√§ndern wird.

Der Begriff ist geprägt worden von Carl-Friedrich von Weizäcker, weil durch die Quantenphysik eine Revolution stattfindet im Verständnis unserer Welt und des ganzen Universums.

=>  Wir sind mitten in der v√∂lligen Umw√§lzung unseres bisherigen Weltbildes von Materie und Energie.

=>  Aber es bleiben letztlich einige Ph√§nomene √ľbrig, die √ľberhaupt nicht durch die Quantenphysik oder durch irgendeine andere Sparte der Naturwissenschaften erkl√§rt werden k√∂nnen.

=>  Das sind:  das Leben, die Gef√ľhle, der Geist und das Bewusstsein.

=>  Deswegen gibt es diese neue Disziplin der Quantenphilosophie, die gemeinsam mit anderen philosophischen Disziplinen und eben auch mit der Theologie, nach Antworten suchen muss auf die Frage: ‚ÄěWer oder was ist Gott‚Äú.

=>  Wir werden uns an den kommenden Adventssonntagen mit dem biblischen Gott besch√§ftigen.

=>  Dabei werden wir immer wieder mit diesem Gottesbild konfrontiert werden und auch an Grenzen f√ľr Erkl√§rungen oder Verst√§ndnis sto√üen.

Ich w√ľnsche uns allen in diesem Sinne einen sehr nachdenklichen und besinnlichen Advent.

Amen.

 ¬© R. H√ľbschle 2016

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.