Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb√ľro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
Schwalbenweg 5
88213 Ravensburg

Tel. 0751-7912430
Fax 0751-7912440
E-Mail: Info-Dreifaltigkeit.RV@drs.de

 

 

3. Advent

Lesung: Jes 35, 1-6a.10

Die W√ľste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und bl√ľhen. Sie soll pr√§chtig bl√ľhen wie eine Lilie, jubeln soll sie, jubeln und jauchzen. Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt, die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon. Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes.
Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest!
Sagt den Verzagten: Habt Mut, f√ľrchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch erretten.
Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf.
Die vom Herrn Befreiten kehren zur√ľck und kommen voll Jubel nach Zion. Ewige Freude ruht auf ihren H√§uptern. Wonne und Freude stellen sich ein, Kummer und Seufzen entfliehen.

 

Evangelium: Mt 11, 2-11

In jenen Tagen h√∂rte Johannes im Gef√§ngnis von den Taten Christi. Da schickte er seine J√ľnger zu ihm und lie√ü ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder m√ľssen wir auf einen andern warten?
Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:
Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Auss√§tzige werden rein und Taube h√∂ren; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verk√ľndet.
Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge √ľber Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die W√ľste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?
Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige.
Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten.
Er ist der, von dem es in der Schrift hei√üt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg f√ľr dich bahnen.
Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.

 

Predigt

Liebe Mitchristen/innen,

haben sie schon einmal alle Karten in ihrem Geldbeutel gez√§hlt? Ich habe mal bei mir nachgeschaut und folgendes entdeckt: Da gibt es  meinen Ausweis, meine Bankkarte, meine Krankenkassenkarte; au√üerdem meinen F√ľhrerschein, meine Treuepunktekarte, meinen Blutspendepass und einen Bibliotheksausweis.

Ausweise, Nachweise, Dokumente ‚Äď ohne sie w√§re das allt√§gliche Leben hierzulande gar nicht mehr denkbar. Und ganz zu schweigen von unseren Passw√∂rtern, Email- und Socialmedia-Adressen im Internet, den PINs und TANs beim Online-Banking oder - jetzt ganz neu ab 2014 - die SEPA-Bank-Nummern, die helfen sollen, aus Europa einen einheitlichen Zahlungsraum zu machen.

Mir geht es mittlerweile so, dass ich meine ganzen persönlichen Daten aufschreiben muss, damit ich sie nicht durcheinander bringe oder gar etwas vergesse. Und trotzdem: Hier bei uns ist das die Art, sich auszuweisen, zu zeigen, wer man ist und teilzuhaben am gesellschaftlichen Leben.

Welche Rolle diese pers√∂nlichen Dokumente f√ľr den Alltag haben k√∂nnen, das habe ich einmal hautnah in Rom miterlebt. Ich bin mit der U-Bahn gefahren. Hinter mir hat eine Touristin pl√∂tzlich angefangen, heftig zu weinen: Sie hat bemerkt, dass ihr jemand in der U-Bahn heimlich den Geldbeutel geklaut hat: Ausweis, Reisepass, Bankkarte und nat√ľrlich auch das Geld‚Ķ alles weg. Und das Ganze auch noch in einem fremden Land, wo man sich nicht auskennt, wo man sich ausweisen muss und wo man sich u.U. nur schwer verst√§ndigen kann.

Liebe Gemeinde,

zu zeigen, wer man ist, das ist nicht nur wichtig f√ľr Beh√∂rden oder die Polizei. Das, worum es letztlich geht, ist eine Identit√§t zu haben. Eine Identit√§t - das hei√üt, zu wissen, wer man ist, wo man hingeh√∂rt. Eine Identit√§t zu haben, das gibt Gewissheit und Sicherheit im Umgang mit anderen.

Im heutigen Evangelium, da geht es auch um Identit√§t und Gewissheit. Johannes der T√§ufer l√§sst √ľber seine Anh√§nger Jesus fragen: Bist du der der kommen soll, oder m√ľssen wir auf einen anderen warten? Im Klartext: Jesus, weise dich aus, damit wir wissen, woran wir bei dir sind. Im Israel zur Zeit Jesu haben viele Juden darauf gehofft, dass einer kommt, der sie befreit von der r√∂mischen Herrschaft. Einer, der Israel zu neuem Glanz und zu neuer Einheit verhilft. Ein Messias, ein Heilsbringer eben, so wie er im AT verhei√üen wird. Von Gott gesandt und erm√§chtigt, alles gut zu machen. Viele Zeitgenossen des T√§ufers haben an einen politischen Messias gedacht. Also an eine Art ‚Äězweiten David‚Äú, der mit staatsm√§nnischem Geschick und mit milit√§rischer Schlagkraft die Feinde Israels zur√ľckdr√§ngt und ein neues j√ľdisches Reich gr√ľndet.

 

Jesus - er weist sich aus. Aber wahrscheinlich anders, als viele es erwarten: Nicht, indem er beteuert, wer oder was er denn nun sei. Er l√§sst seine Werke f√ľr sich reden. Sein Ausweis ist √§u√üerst ‚Äělebendig‚Äú und l√§sst staunen: es sind die Blinden, die jetzt wieder sehen; die Lahmen, die wieder laufen; die Auss√§tzigen, die heil geworden sind; die Tauben, die h√∂ren k√∂nnen; die Totgeglaubten, die wieder ‚Äězur√ľckgefunden‚Äú haben ins Leben.  Jesu ‚ÄěAusweis‚Äú ist keine M√ľnze, keine Tonscherbe - so wie manche sich damals ausgewiesen haben. Sondern es ist die Wirklichkeit des Reiches Gottes, die hineinleuchtet in die Dunkelheit und Verzweiflung der Menschen.

Liebe Br√ľder und Schwestern im Glauben,

Jesus weist aber nicht nur sich selber aus. Er legt auch Zeugnis ab von dem, der jetzt f√ľr die Sache Gottes im Gef√§ngnis sitzt. √úber ihn sagt Jesus: ‚ÄěUnter allen Menschen hat es keinen gr√∂√üeren gegeben als Johannes den T√§ufer‚Äú.

Immer, wenn ich diese Stelle lese, dann stock‚Äė ich innerlich ein wenig:

Wer oder was muss das sein, wenn Jesus höchstpersönlich so von jemandem spricht?

Dabei w√ľrde Johannes von au√üen gesehen wahrscheinlich eher j√§mmerlich wirken: Kleider aus Kamelhaaren; Heuschrecken und wilder Honig als Nahrung; W√ľste, Totes Meer und Jordan als Wirkungsort. Und jetzt sitzt er unter K√∂nig Herodes Antipas auch noch im Gef√§ngnis in der Festung Mach√§rus.

Aber eben genau dieser Mensch ist es, vom dem Jesus sich den Weg bahnen lässt. Von dem er sagt, er sei mehr als ein Prophet.

Soweit wir aus der Bibel erfahren, gibt es bei Johannes und Jesus viele Parallelen in ihrem Wirken. Beide sind Wanderprediger. Beide haben J√ľnger. Beide rufen die Menschen zur Umkehr. Beide sind √ľberzeugt, dass Gottes Reich kommen wird. Beide machen sich immer wieder Feinde, weil sie sich nicht verbiegen und gerade heraus sagen, was sie gut und schlecht finden. Und beide sind bereit, f√ľr ihre Mission Spott und Verfolgung zu ertragen, ja sogar ihr Leben aufs Spiel zu setzen.

Jesus und Johannes ‚Äď zwei Seelenverwandte durch und durch. Jesus wird sich von Johannes sogar taufen lassen. Und trotzdem ist f√ľr Johannes immer klar, dass er nur vorbereitet, was Jesus weiter machen und schlie√ülich zu Ende bringen wird. Oder wie er im Johannesevangelium einmal √ľber sich und Jesus sagt: ‚ÄěEr muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.‚Äú

 ‚ÄěDer Himmel schickt uns‚Ķ‚Äú ‚Äď hei√üt unsere Predigtreihe im Advent. Heute also Johannes, der T√§ufer. (Hinweis auf Kerze und wachsende Krippe) Sein Leben und Wirken k√∂nnen wir nur begreifen, wenn wir seine enge Verbindung zu Jesus sehen.

Liebe Gemeinde,

manchmal frage ich mich, wie der T√§ufer wohl heute auftreten w√ľrde. W√ľrde er heute in Kiew auf der Stra√üe stehen und sich f√ľr Demokratie stark machen? W√ľrde er sich wie der k√ľrzlich verstorbene Friedensnobelpreistr√§ger Nelson Mandela f√ľr die Gleichberechtigung aller im Staat einsetzen? W√ľrde er in unserer Wohlstands-gesellschaft schreien f√ľr die Armen, Kranken und Vergessenen? W√ľrde er poltern gegen eine Lebenseinstellung, in der vielerorts Geld und Konsum zu G√∂tzen geworden sind? Und Gott und Glaube zur unwichtigen Privat- und Nebensache abgetan werden? Eine Antwort auf diese Frage m√∂chte ich Ihnen selber √ľberlassen.

Liebe Mitchristen,

am Anfang war die Rede von ‚ÄěAusweisen‚Äú. Ich glaube, Johannes, hat recht, wenn er behauptet, dass das beste Zeichen f√ľr unsere Gesinnung das eigene, gute Lebensbeispiel ist. Oder um im Bild zu bleiben: es gibt keinen besseren ‚ÄěAusweis‚Äú, kein klareres Erkennungszeichen f√ľr uns Christen, als unseren Alltag zu leben aus dem Geist und der Liebe Jesu.

Amen.

© B. Held, 2013

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.