Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb├╝ro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
Schwalbenweg 5
88213 Ravensburg

Tel. 0751-7912430
Fax 0751-7912440
E-Mail: Info-Dreifaltigkeit.RV@drs.de

 

 

Christmette

Lesung: Jes 9, 1-6

Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; ├╝ber denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.
Du erregst lauten Jubel und schenkst gro├če Freude. Man freut sich in deiner N├Ąhe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das dr├╝ckende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers.
Jeder Stiefel, der dr├Âhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fra├č des Feuers.
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, F├╝rst des Friedens.
Seine Herrschaft ist gro├č, und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er ├╝ber sein Reich; er festigt und st├╝tzt es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und f├╝r alle Zeiten. Der leidenschaftliche Eifer des Herrn der Heere wird das vollbringen.

 

 

Evangelium: Lk 2, 1-14

 

In jenen Tagen erlie├č Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galil├Ąa hinauf nach Jud├Ąa in die Stadt Davids, die Betlehem hei├čt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollt sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam f├╝r Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz f├╝r sei war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie f├╝rchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: F├╝rchtet euch nicht, denn ich verk├╝nde euch eine gro├če Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und pl├Âtzlich war bei dem Engel ein gro├čes himmlisches Herr, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der H├Âhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. (Lk 2,1-14)

 

 

Predigt

 

=> Welten begegnen. Unser Thema im Advent geht auch weiter jetzt in der Heiligen Nacht. Hier begegnet die Welt der Dunkelheit der Welt des Lichtes.

=> F├╝rchtet euch nicht ÔÇô sagt der Engel!!

=> Jesaja verk├╝ndet: ÔÇ×Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht. ├ťber denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.ÔÇť

 

ÔÇ×Es war ein gro├čes dunkles und unheimliches Gew├Âlbe, ein Keller tief unter dem Haus. Und gemessen an der Gr├Â├če des kleinen Jungen war der Keller unheimlich gro├č.

Der kleine Junge steht mitten drin in diesem dunkeln unheimlichen Gew├Âlbe und er weint herzzerrei├čend. Er ist geschickt worden, um Getr├Ąnke zu holen und hat oben an der Treppe vergessen das Licht anzuknipsen. Jetzt steht er unten, mitten im Keller und weint bitterlich. Die Kellert├╝r oben ist zugefallen. Kein Licht. Jetzt hat er Angst, es ist unheimlich und dunkel.

Pl├Âtzlich ├Âffnet sich oben an der Treppe die T├╝r und der Vater erscheint auf der obersten Stufe. "Du Dummerle", ruft er nach unten. "Mach doch das Licht an!" SprichtÔÇÖs, bet├Ątigt den Lichtschalter und verschwindet wieder. 

Mit leichtem Flackern wird die Neonr├Âhre hell. Glei├čendes Licht ist nun im Keller mit dem kleinen Jungen. Der steht immer noch mittendrin und weint herzzerrei├čend.

Aber jetzt hat er keine Angst mehr, weil es zu dunkel ist, nein, jetzt ist er allein. Es ist hell, aber er ist Mutter - Seelen allein.

 

 

Liebe Mitchristen, 

wenn der Vater, doch nur die Treppe hinab gestiegen w├Ąre, wenn er den Kleinen in den Arm genommen und ihn ganz fest an sich gedr├╝ckt h├Ątte, dann h├Ątte es sogar dunkel bleiben k├Ânnen.

Manchmal ist n├Ąmlich auch eine solche Dunkelheit weit weniger schlimm als allein zu sein.

Andere V├Ąter wissen das.

=> Unser Gott, der Vater Jesu und unser Vater, der wei├č das offensichtlich auch, denn er macht mehr, als einfach nur das Licht an.

=> Obwohl in der Bibel, wenn es um Weihnachten geht, immer wieder von Licht die Rede ist

-       vom hellen Stern,

-       vom Licht, das die Hirten umstrahlt,

-       und vom Volk, das im Dunkeln sitzt und pl├Âtzlich helles Licht sieht

obwohl also immer wieder von Licht gesprochen wird, steht das Licht selbst gar nicht im Mittelpunkt.

=> In dieser Weihnachtsgeschichte nach Lukas geht es auch nicht in erster Linie um das Licht.

=> Das f├Ąngt schon damit an, dass das Licht, das die Hirten auf den Feldern gesehen haben, gar nicht so hell gewesen sein kann. Weil offensichtlich im nahen  Betlehem kein Mensch etwas davon bemerkt hat.

=> Die Nacht ist geblieben, Weihnachten hat sie nicht vertreiben k├Ânnen.

=> Die Finsternis, und vor allem die, die in den Menschen herrscht, die scheint bis zum heutigen Tag sogar noch gr├Â├čer geworden zu sein.

=> Die Finsternis, die im Menschen zu Hause ist, macht ihnen oft mehr zu schaffen machen, als die Dunkelheit der Nacht. Die Finsternis in vielen Menschen ist oft kein bisschen kleiner geworden.

 

ÄTrotz Weihnachten sind Menschen traurig und verzweifeln an ihrem Leben, weil sie unheilbar krank sind.

=> Trotz Weihnachten wird vielen Menschen Leid zugef├╝gt ÔÇô auch im Namen der Religionen.

=> Trotz Weihnachten sprengen sich Selbstmordattent├Ąter im Irak, in Pakistan und in Afghanistan in die Luft.

=> Trotz Weihnachten gellen Sch├╝sse durch die Stra├čen von Kundus und Kabul.

=> Trotz Weihnachten sterben immer noch t├Ąglich 16000 Kinder an Hunger in unserer Welt.

=> Ich k├Ânnte diese Aufz├Ąhlung noch lange weiterf├╝hren. Vielleicht ist diese Dunkelheit der Grund warum 26% der Deutschen nach einer Umfrage am liebsten Weihnachten abschaffen w├╝rden.

 

=> Aber Gott, der doch allm├Ąchtig ist, k├Ânnte doch wie mit einem Lichtschalter, alle Finsternis auf unserer Erde auf einmal ausknipsen. Warum tut er es nicht?

=> Er hat es nicht getan und tut es wohl auch in der Zukunft nicht.  Warum?

=> Vielleicht hat er es nicht getan und wird es nicht tun, weil er ganz genau wei├č, dass damit noch lange nicht alles gut ist. Nur Licht allein reicht nicht.

=> Denken Sie dran: der kleine Junge steht immer noch weinend unten im Keller, obwohl das Licht schon lange angeknipst ist.

 

=> Wer sich in seiner Angst einmal so verstiegen hat, dem hilft das Licht allein nicht weiter.

=> Wer sich, wie wir Menschen, so in die Dunkelheit verstrickt hat, der findet sich allein auch dann nicht mehr zurecht, wenn alles nur noch mit Licht erf├╝llt ist.

 

=> Zuallererst braucht es da n├Ąmlich jemanden, der einen in den Arm nimmt. So wird N├Ąhe sp├╝rbar und es entsteht das Gef├╝hl, dass es da jemanden gibt der da ist in dieser Not.

 

=> Gott hat es nicht so gemacht, wie der Vater mit dem kleinen Jungen im Keller. Er hat nicht einfach das Licht angeschaltet und dann die Menschen allein gelassen.

=> Wir feiern heute Weihnachten. Und da begegnen sich unsere beiden Welten:

=> Gott ist ganz einfach die gro├če Treppe heruntergestiegen. Er ist hinein gestiegen in die Dunkelheit unserer Welt, damit er uns Menschen in die Arme schlie├čen kann.

=> So kommt er uns ganz nahe. So k├Ânnen wir seine N├Ąhe sp├╝ren.

=> Und so w├Ąchst in uns Menschen, die wir so umarmt sind, die Gewissheit: wir sind nicht allein.

=> Offensichtlich wei├č er, dass es oft nur wenig hilft, einfach das Licht anzuknipsen.

=> Er wei├č, dass es f├╝r den Anfang sehr viel wichtiger ist, das ver├Ąngstigte, verzweifelte und weinende Kind erst einmal in die Arme zu nehmen und ganz fest an sich zu dr├╝cken. So wie das liebende Eltern eben tun.

 

=> Die Dunkelheiten im Leben der Menschen lassen sich dann immer noch aufhellen.

=> Aber vor allem lassen sie sich gemeinsam sogar noch viel besser bew├Ąltigen.

 

=> F├╝r sich allein betrachtet, kann selbst das hellste Licht doch v├Âllig kalt sein.

=> Aber durch die menschgewordene Liebe unseres Gottes in Jesus aus Nazareth wird die Welt zwar sehr langsam, aber daf├╝r dann erst richtig hell in einem warmen Licht, in dem die Menschen sich geborgen f├╝hlen.

=> Wenn Sie nachher hier zur Weihnachtskerze kommen, k├Ânnen Sie sehen wie wir uns diese Geborgenheit in der Liebe Gottes denken.

 

=> Das ist auch Weihnachtsbotschaft:

=> Gott macht unsere Finsternis nicht einfach hell. Sondern er wird Mensch, damit er uns in unsere Dunkelheit hinein zwar das Licht bringt, uns aber gleichzeitig mit seiner ganzen Liebe umgibt, damit die Angst und die Verzweiflung verwandelt werden in Freude und Zuversicht. So k├Ânnen wir aufatmen und das Leben in dieser Umarmung genie├čen.

 

F├╝rchtet euch nicht!

Amen.

 

┬ę R. H├╝bschle, 2009

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.