Katholische Seelsorgeeinheit Ravensburg West

Pfarrb√ľro der Seelsorgeeinheit
Ravensburg West
Schwalbenweg 5
88213 Ravensburg

Tel. 0751-7912430
Fax 0751-7912440
E-Mail: Info-Dreifaltigkeit.RV@drs.de

 

 

3. Advent

Lesung: Zef 3, 14-17

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!
Der HERR hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der K√∂nig Israels, der HERR, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu f√ľrchten.
An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: F√ľrchte dich nicht, Zion! Lass die H√§nde nicht sinken!
Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt √ľber dich, er schweigt in seiner Liebe, er jubelt √ľber dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.

Evangelium: Lk 3, 10-18

Da fragten ihn die Scharen: Was sollen wir also tun?
Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso!
Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und fragten ihn: Meister, was sollen wir tun?
Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!
Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begn√ľgt euch mit eurem Sold!
Das Volk war voll Erwartung und alle √ľberlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verk√ľndete die frohe Botschaft.

 

Predigt

=> Der UN Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Welthungergipfel am 16. November in Rom mit folgender Statistik eröffnet:

‚ÄěAllein am heutigen Tag werden mehr als 17000 Kinder an Hunger sterben, ein Kind alle f√ľnf Sekunden, sechs Millionen pro Jahr.‚Äú

=> Aus dieser Statistik zieht er dann den Schluss, dass sofort gehandelt werden m√ľsse.

=> Auch Papst Benedikt ist bei dieser Konferenz und sagt in seiner Ansprache, dass √úberfluss und Verschwendung angesichts des Hungerdramas nicht mehr akzeptabel seien. Gleiches gelte auch f√ľr das Spekulantentum. ‚ÄěWir m√ľssen dem internationalen Handel die Grundlage des reinen Profitdenkens entziehen‚Äú so verurteilt der Papst den Egoismus der Spekulanten, die mit Getreide spekulieren.

=> Der Papst wendet sich gegen Agrarsubventionen, die den Nahrungsmittelmarkt zulasten der armen Länder verzerren. Und Benedikt tritt der verbreiteten Auffassung entgegen, dass die steigende Zahl der Hungernden daran liege, dass die Weltbevölkerung ständig wachse.

=> Und auch Benedikt kommt zur √úberzeugung: wir m√ľssen sofort handeln.

Weltern√§hrungskonferenz ‚Äď Welten begegnen sich auch da in Rom.

=> Bis zum Jahr 2015 soll die Zahl der Menschen, die hungern m√ľssen halbiert sein.

=> Hungerhilfe Organisationen kritisieren nach dieser Konferenz, dass die Beschl√ľsse viel zu unverbindlich sind und dass danach alle wieder zur Tagesordnung √ľbergehen werden. ‚Äď Au√üer Spesen nix gewesen!?

Armut und Reichtum in der einen Welt.

=> Wir wissen alle, dass es das gibt. Alle hier kennen die Bilder von armen und von reichen Menschen.

=> √úbrigens berichtet die Schw√§bische Zeitung am 17. November 2009, dass der Lybische Staatschef Muammar al Gaddafi in Rom ein rauschendes Fest gefeiert habe. 500 Hostessen seien angefordert worden, die jede 250 ‚ā¨ bekommen habe.

=> Gleichzeitig hat der Generaldirektor der FAO (Ern√§hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN) Jaques Diouf einen Tag lang nichts gegessen, als Zeichen daf√ľr, dass die Menschen in den reichen Weltregionen bewusster leben sollten, damit sie mehr f√ľr die Hungernden tun k√∂nnen.

=> Diouf hungert und Gaddafi feiert mit Unmengen an Champagner und flotter Musik.

Welten begegnen ‚Äď Armut und Reichtum.

Was sollen wir tun?

=> Ist diese Welt √ľberhaupt noch zu retten? Eine solche himmelschreiende ungerechte Verteilung der G√ľter?

Was sollen wir tun?

=> Mit dieser Frage sind wir mitten in unserem Evangelium von heute. Nach der Schilderung von Lukas fragen die Leute Johannes den Täufer:

Was sollen wir also tun?

=> Vorausgegangen war eine gewaltige Predigt des Johannes:

‚ÄěIhr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entkommen k√∂nnt? Bringt Fr√ľchte hervor, die eure Umkehr zeigen, und fangt nicht an zu sagen: wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen. Schon ist die Axt an die Wurzel der B√§ume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.‚Äú

Dann kommt von den Leuten die Frage: Was sollen wir also tun? Darauf antwortet der Täufer:

 ‚ÄěWer zwei Gew√§nder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat und wer zu essen hat, der handle ebenso.‚Äú

Den √ľberall verhassten Z√∂llnern antwortet er auf diese Frage:

‚ÄěVerlangt nicht mehr als festgesetzt ist.‚Äú

Den Soldaten antwortet er auf ihre Frage:

Misshandelt niemand, erpresst niemand, begn√ľgt euch mit eurem Sold.

Was sollen wir also tun?

=> Hilft in dieser Welt eine Drohpredigt des Papstes? Wer h√∂rt ihn, wenn er sagt: wir m√ľssen sofort handeln? ‚Äď Was geschieht mit einem eindringlichen Appell nach der Weltern√§hrungskonferenz?

=> Wieso verändert sich nichts an dieser dramatischen Hungersituation in unserer Welt, obwohl so viele fragen: was sollen wir tun?

=> Dieses Evangelium des heutigen Tages wird in den Gottesdiensten der r√∂m kath. Kirche √ľberall auf der ganzen Welt am dritten Adventssonntag vorgelesen.

=> Viele Millionen Menschen h√∂ren diese Ermahnungen des T√§ufers Johannes und gehen dann zur Tagesordnung √ľber.

=> Ganz offensichtlich ist es so, dass diese Botschaft die Herzen der Menschen nicht mehr erreicht. Die Drohung mit dem bevorstehenden Gericht bewirkt nicht, dass die Menschen ihr Verhalten ändern. Das war einmal. Vielleicht zu Zeiten des Täufers und dann noch in Antike bis ins Mittelalter. Aber heute?

=> Jesus hat √ľbrigens diese Botschaft des T√§ufers nicht √ľbernommen. Er hat eine andere Motivation f√ľr eine Verhaltens√§nderung gew√§hlt als die Angst vor dem Gericht.

=> Die Botschaft Jesu lautet:

‚ÄěDie Zeit ist erf√ľllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.‚Äú

(Mk 1, 15)

=> Hier weht der Geist der Befreiung durch seine Botschaft: weil das Reich Gottes nahe ist, deswegen könnt ihr euer Verhalten ändern. Es gibt gar keinen Grund mehr, in den alten Verhaltensmustern zu verbleiben.

=> Teilen ist angesagt, niemanden ausschlie√üen, miteinander das Leben genie√üen, weil Gott den Menschen ganz nahe ist. Und das Reich Gottes ist ein Geschenk f√ľr alle. Niemand kann es sich kaufen.

=> Weil aber alle √ľber diese N√§he dieses Gottes so gl√ľcklich sind, deswegen verschwinden die Schranken zwischen arm und reich, zwischen krank und gesund, zwischen Heiden und Juden, zwischen Sklaven und Freien.

=> Eine v√∂llig neue Zeit bricht an und alle d√ľrfen jubeln und sich freuen.

Und jetzt sind wir mitten in der Botschaft des Zefanja:

‚ÄěDer Herr, dein Gott ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt √ľber dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt √ľber dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.‚Äú

=> Die Menschen in Jerusalem gegen Ende des 7. Jahrhundert vor Christus werden sich gefreut haben √ľber diese Zusage. Allerdings ist das eine Zusage, der die Ank√ľndigung eines reinigenden Gerichts voraus geht. Und einige Jahrzehnte nach diesem Jubel wird ja Jerusalem tats√§chlich zerst√∂rt.  Alles muss dann erst wieder einige Generationen sp√§ter aufgebaut werden.

=> Muss wirklich erst alles zerst√∂rt werden? Wo befinden wir uns gerade im Plan Gottes? Ist das √ľberhaupt ein Plan unseres Gottes?

=> Gehen wir auf eine globale Katastrophe zu? Wie sieht das aus mit der Klimaver√§nderung und mit dem Verteilungsproblem der G√ľter dieser Welt.

=> Ban Ki Moon, der Generalsekretär der UN sieht da einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Verteilungsproblem der Nahrungsmittel und der Klimaveränderung.

Was sollen wir tun?

In Anlehnung an die Antworten des Täufers können wir folgern:

=> Teilen, d.h. die Ressourcen unseres Planeten reichen f√ľr alle Menschen, wenn sie gerecht verteilt werden.

=> Sich einsetzen f√ľr Gerechtigkeit.

=> Niemanden betr√ľgen und keinen Schaden zuf√ľgen.

=> Immer und √ľberall darauf achten, dass Menschen ihre W√ľrde nicht genommen wird.

=> Den Politikerinnen und Politikern den R√ľcken st√§rken, wenn sie sich einsetzen f√ľr mehr Verteilungsgerechtigkeit auch wenn das unpopul√§r ist.

=> Dem Papst, den Bischöfen und allen Christinnen und Christen guten Willens Mut machen, dass sie großen Worten auch große Taten folgen lassen.

Das k√∂nnen wir tats√§chlich auch selbst im t√§glichen Leben tun. ‚Äď

=> Und was ist jetzt neu? ‚Äď Eigentlich doch nichts.

Alles das kennen Sie ja schon ‚Äď wahrscheinlich seit fr√ľhester Kindheit.

=> Ist dann hier bei uns alles in Ordnung, weil alle das schon immer wissen?

=> Ich will heute mit einer wunderbaren Geschichte schlie√üen, die hier in Deutschland noch immer passiert und Menschen nachhaltig ver√§ndert ‚Äď denke ich.

‚ÄěEin unscheinbarer B√§ckerladen an einer Hamburger Hauptverkehrsstra√üe.

An Stehtischen w√§rmen sich M√§nner Ende 50 an einer Tasse Kaffee. Keine Kundschaft, die erfolgreiche Gesch√§fte verspricht. Dennoch sind sie willkommen. Kaffee, Kuchen und Brot h√§ngen f√ľr sie am Haken.

‚ÄěBrot am Haken‚Äú hei√üt die Aktion, die diese B√§ckerei so bemerkenswert macht. Wenn ein Kunde Geld √ľbrig hat, zahlt er einen Kaffee, ein St√ľck Kuchen oder ein Brot mehr, als er haben will. Der B√§cker h√§ngt daf√ľr einen Gutschein an den Haken √ľber der Ladentheke. Den nimmt sich jemand, der wenig Geld hat. Dann bekommt er Backwaren und Hei√ügetr√§nke kostenlos.

Urspr√ľnglich stammt diese Tradition aus Neapel. Dort ist es in den Kaffeebars gang und g√§be, dass Menschen kommen und einen gespendeten Espresso trinken. In Hamburg scheint das noch Zeit zu brauchen: Zwar h√§ngen viele Gutscheine √ľber der Theke. Doch noch machen die Kunden davon nur z√∂gerlich Gebrauch. Vor allem √§ltere Menschen scheuen sich davor, ein Brot vom Haken zu nehmen. Ihnen sei ihre Armut wohl peinlich, sagt der B√§cker.

Trotzdem verlassen viele den kleinen Laden mit einem L√§cheln. Die einen geben gern. Einen Kaffee zu spenden, tut dem Geldbeutel nicht weh. Und die Beschenkten freuen sich ‚Äď auch dar√ľber, dass sie anderen nicht egal sind.

Iris Macke, in: der andere Advent, 08. Dezember 2009.

Ich w√ľnsche Ihnen einen sch√∂nen 3. Advent und gute Gedanken zur Frage ‚Äď was k√∂nnen wir tun!

¬© R. H√ľbschle 2009

 

HIER finden Sie die Predigt im pdf-Format.