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Gottesmann mit Charme und Begeisterung: Nachruf auf Weihbischof Franz Josef Kuhnle

Weihbischof Franz-Josef Kuhnle (Archivbild: DRS/Rolf Schultes)

Franz Josef Kuhnle, von 1976 bis 1991 als Weihbischof in der Di├Âzese Rottenburg-Stuttgart f├╝r den Bereich Caritas, die Behindertenseelsorge sowie die Priester- und Theologenausbildung zust├Ąndig und nach dem Tod von Bischof Georg Moser 1988 interimsweise f├╝r ein Jahr als Administrator ihr Leiter, ist am vergangenen Donnerstag, den 4. Ferbuar 2021 mit knapp 95 Jahren in Tettnang verstorben. Mit ihm verliert die Di├Âzese einen sehr beliebten Seelsorger, der seine Ernennung zum Weihbischof 1976 mit den Worten kommentiert hatte: "Ich hoffe, dass unter Mitra und Pontifikalgew├Ąndern der Mensch sichtbar bleibt und dass nicht das Amt, sondern der Mensch, der es aus├╝bt, ├╝berzeugt!"

Aufgeschlossener Theologe und zugewandter Seelsorger

Bischof Gebhard F├╝rst w├╝rdigt den Verstorbenen als einen vom Zweiten Vatikanischen Konzil gepr├Ągten und aufgeschlossenen Theologen und zugewandten Seelsorger, der bis in die j├╝ngste Zeit hinein die Gabe hatte, Menschen jeglichen Alters f├╝r die Botschaft des Evangeliums zu begeistern. "Unz├Ąhlige Menschen weit ├╝ber die Kirchengrenzen hinaus durften Weihbischof Franz Josef Kuhnle als Glaubenszeugen und Hoffnungsboten erleben", so Bischof F├╝rst.

Ob in der pers├Ânlichen Begegnung oder in der Predigt - Franz Josef Kuhnle ging auf die Menschen zu. Er suchte das Gespr├Ąch und fand Worte und Symbole f├╝r den Glauben, die die Leute verstanden. So gelang es ihm in seiner charmanten und doch geradlinigen Art, andere von seinen pastoralen und sozialen Ideen zu begeistern.

Am 27. April 1926 in Ravensburg geboren, hatte er als Kriegsgefangener zun├Ąchst von 1945 bis 1947 in dem von Abb├ę Franz Stock eingerichteten Priesterseminar im franz├Âsischen Chartres Theologie studiert. Nach Abschluss seines Studiums in T├╝bingen weihte ihn Bischof Carl Joseph Leiprecht 1952 in Ellwangen zum Priester. In Ravensburg und Friedrichshafen wirkte Kuhnle als Vikar und am Rottweiler Konvikt als Repetent. 1960 trat er nach vier Jahren als Di├Âzesanjugendseelsorger in Wernau seine erste Pfarrstelle in K├╝nzelsau an. 1969 w├Ąhlten ihn seine Mitbr├╝der zum ersten Sprecher der Priesterrats der Di├Âzese.

Ernennung zum Weihbischof 1976

Papst Paul VI. ernannte den engagierten Priester, der inzwischen Stadtpfarrer von St. Fidelis und Dekan in Stuttgart war, 1976 zum Weihbischof von Rottenburg und Titularbischof von Sorres (Sardinien). Am 27. November desselben Jahres spendete Bischof Georg Moser ihm in St. Eberhard in Stuttgart die Bischofsweihe. ├ťber die Di├Âzese Rottenburg-Stuttgart hinaus bekannt wurde Kuhnle als Sprecher der ARD-Sendung ┬žDas Wort zum Sonntag".

Die Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation lag Kuhnle am Herzen. Neben der grunds├Ątzlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema auf der Di├Âzesansynode 1985/86 motivierte er selbst im Sinne seines bisch├Âflichen Wahlspruches "Gott ist treu" viele junge Menschen, ihrem Glauben zu trauen und einen Beruf oder eine Aufgabe in der Kirche zu ├╝bernehmen.

Seinen urspr├╝nglichen Plan, nach zehn Jahren als Mitglied der Di├Âzesanleitung wieder in die Pfarreiseelsorge zur├╝ckzukehren, musste Kuhnle wegen Krankheit und Tod von Bischof Georg Moser bis nach dem Amtsantritt Bischof Walter Kaspers verschieben..

Nachhaltiger Impulsgeber f├╝r eine lebendige Kirchengemeinde

Von 1991 bis 1997 gab er als Pfarrer in den Kirchengemeinden Schwarzenbach und Roggenzell im S├╝den von Wangen im Allg├Ąu nachhaltige Impulse f├╝r eine lebendige Gemeinde. Generalvikar Dr. Clemens Stroppel: "Nachdem ich den neuen, begeisternden Weihbischof mit 17 Jahren bei Jugendexerzitien kennengelernt hatte, begegneten wir uns vielf├Ąltig. Bis zuletzt interessierte er sich f├╝r das Leben unserer Kirche und Di├Âzese und konnte es pr├Ągnant und zugleich hoffnungsfroh kommentieren."

Seinen Ruhestand verbrachte Franz Josef Kuhnle in Oberzell bei Ravensburg. Er war weiterhin ein gefragter Firmspender in der Umgebung und Zelebrant in Gottesdiensten vor Ort. Solange es seine Gesundheit erlaubte, wanderte er in seiner Heimat mit Blick auf Bodensee und Alpen und pflegte langj├Ąhrige Freundschaften. Seine letzten Monate verbrachte er im Pflegeheim in Tettnang, wo er sehr unter den Corona-Kontaktbeschr├Ąnkungen litt.

Requiem unter Corona-Einschr├Ąnkungen

Das Requiem f├╝r Weihbischof Kuhnle findet am kommenden Freitag, den 12. Februar 2021 um 14:00 Uhr in St. Petrus und Paulus in Wei├čenau statt, die Beisetzung im Anschluss in Oberzell. Wir bitten um Verst├Ąndnis, dass wegen der Corona-Einschr├Ąnkungen die Mitfeier von Requiem und Beisetzung nur nach Einladung und pers├Ânlicher Zusage m├Âglich ist.

Das Requiem wird am Freitag, den 12. Februar 2021 um 14:00 Uhr in einem Livestream der Di├Âzese Rottenburg-Stuttgart unter www.drs.de ├╝bertragen.