Die Schenkungsurkunde von 1197

Die Urkunde ist abschriftlich in den "Libri praelatorum" des Wei√üenauer Abts Jacob Murer aus dem Jahre 1524 enthalten. Nach der S√§kularisation gelangte das Original √ľber die Erben des Grafen Sternberg nach Prag, in dessen Nationalmuseum die Urkunde sich heute befindet. Dort hat sie Herbert Mayer, Ravensburg-Torkenweiler, einsehen und kopieren k√∂nnen. Diese Kopie ist im Heimatmuseum Wei√üenau ausgestellt.

Der lateinische Text ist im W√ľrttembergischen Urkundenbuch Band II, Seite 320 f. ver√∂ffentlicht. Eine erste √úbersetzung hat Friderich Schlegel gefertigt und deren Richtigkeit "verb√ľrgt am 20. Janr. 1831". Sein handschriftlich, offensichtlich mehrmals √ľberarbeitetes Original ist im Pfarrarchiv von St. Christina erhalten. Nachfolgend die √úbersetzung des lateinischen Textes durch Franz Braig.

Schenkungsurkunde Philipps von Schwaben und seiner Gemahlin Irene

Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit, Philipp, von Gottes Gnaden Herzog von Schwaben. Den Lohn des ewigen K√∂nigs sich verdienen, nicht wenig f√ľr die Freuden der h√∂chsten Seligkeit hinzugewinnen, ja f√ľr dieses und das k√ľnftige Leben ganz gewi√ü ein gl√ľckliches Geschick erwerben: Das vermag, wer Kirchen Gottes, heilige St√§tten und Gott geweihte Personen, die das weltliche Schwert nicht f√ľhren und nicht k√§mpfen d√ľrfen, zu erh√∂hen, zu unterhalten und mit dem Schild der Tapferkeit zu verteidigen sich bem√ľht, zumal jene, welche die heilige Religion besonders empfiehlt und erstrahlen l√§√üt, wo die Herzen der Diener Gottes in der Liebe zu Christus best√§ndig entbrannt sind und zu jener himmlischen Heimat zu allen Kr√§ften und innigem Verlangen sanft und ernsthaft hinstreben. In Anbetracht dessen, und nachdem wir alles wachen Sinns √ľberlegt hatten, kam es uns in unserer Freigiebigkeit in den Sinn, da√ü wir gemeinsam mit unserer hochedlen Gemahlin Irene

die Kapelle der heiligen Christina auf der H√∂he des Berges Ravensburg mit allem Zubeh√∂r und allem Recht dem Konvent des heiligen Apostelf√ľrsten Petrus in der Au √ľbertragen und diesem, wie es das Recht verlangt, best√§tigen.

Unsere Schenkung ist besonders unter dem Betracht geschehen und hat ihren Ausgang davon genommen, da√ü die Nonnen, die dort leben, welche sich bislang mit niedrigen Handarbeiten abm√ľhen mu√üten, n√§mlich dem Waschen der Gew√§nder der Br√ľder, was sich f√ľr die adlige Abkunft einiger von ihnen nicht schickte, f√ľr die Zukunft von solch niedrigen Arbeiten frei blieben und unbelastet seien, damit sie so eher Gott ihre Zeit widmen und den Gottesdiensten besser obliegen k√∂nnten, zugleich aber auch aufgeschlossener und offener werden f√ľr das, was wahre Betrachtung f√∂rdert. Dazu gew√§hren und best√§tigen wir dem vorgenannten Konvent die gesamte Schenkung, die unser Vater Friedrich, der un√ľberwindliche Kaiser der R√∂mer und unser Herr Bruder Heinrich, von derselben (= Gottes) Gnade Kaiser, und unser Bruder Friedrich, erlauchtester Herzog von Schwaben seligen Gedenkens, auch unser Bruder Konrad, dessen Seele in Frieden ruhen m√∂ge, und Herzog Welf und Heinrich, einst Herzog von Sachsen, gemacht haben, an Leuten beiderlei Geschlechts, Leibeigenen, √Ąckern, Weiden, bebauten und unbebauten L√§ndereien, Gew√§ssern und allen anderen Dingen, und, um alles kurz zusammenzufassen: alle Zuwendung und Gew√§hrung auch alles Recht, welches die vorgenannten F√ľrsten dem vorgenannten Konvent einger√§umt oder √ľbertragen haben, sollen nach unserem Willen die Br√ľder, die dort Gott dienen, frei besitzen und ruhigen Besitz haben. Damit aber diese unsere und unserer lieben Gemahlin Irene Schenkung g√ľltig bleibt und unersch√ľttert andauert, haben wir sie durch Aufdr√ľcken unseres Siegels best√§tigen lassen. Wir bestimmen und schreiben verbindlich vor: keine Person, hoch oder niedrig, geistlich oder weltlich, unserer Gewalt untertan, soll sich unterstehen, sie zu brechen oder zu verletzen. Wer das tut, soll wissen, da√ü er sich ganz gewi√ü unsere Ungnade zuzieht und wir hegen keinen Zweifel, da√ü er auch dem Bann und der Exkommunikation dessen verf√§llt, der als Nachfolger Petri das Recht hat, zu binden und zu l√∂sen. Auch folgendes tun wir eurer Versammlung noch kund: Vorgenanntes Kloster ist mit jeglicher Freiheit ausgestattet wie auch alle anderen Konvente, die der heiligen r√∂mischen Kirche angeh√∂ren, und weder wir noch irgend jemand anderer hat irgendein Recht oder eine Gewalt an ihm, weswegen wir jenes mit allem seinem Besitz in unseren Schutz aufgenommen haben und bestimmt haben, da√ü es sich unseres Schirms erfreue, so da√ü durch unser Patronat die schon √∂fter genannte Kirche frei bleiben und ohne Sorge (Gott) dienen kann.

Zeugen dieser Sache sind: Graf Gottfried von Vaihingen, Ulrich, Marschall von Rechberg und dessen Sohn Hildebrand, Heinrich, Truchseß von Waldburg, Eberhard, Schenk von Tanne, Heinrich von Schmalegg, Werner von Zangen, Heinrich von Berg, Kaplan des Herzogs, Berthold, Hato und viele andere.

[Geschehen im Jahr der Menschwerdung des Herrn 1197, in der 15. Indiktion gegeben durch die Hand des Notars Helffrich, am 30. Juli im ersten Jahr unseres Herzogs Amts]

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