Initiative „Orte des Zuhörens“ bietet Ausbildungskurs

    Ehrenamt mit Mehrwert

    RAVENSBURG – „Zuhörer gesucht“ – die Stellenausschreibung klingt überraschend. Denn eigentlich muss man bei dieser Tätigkeit nichts als zuhören. Mehr als 20 Frauen und Männer jeglichen Alters tun dies regelmäßig einmal im Monat für zwei Stunden. Sie engagieren sich bei der Initiative „Orte des Zuhörens“. Bei dem Angebot der katholischen Kirchengemeinden in Ravensburg zählen vor allem Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis. „Eigenschaften, die man auch ohne fachliche Vorkenntnisse, alleine aus Lebenserfahrung mitbringen kann“, sind sich Reinhilde Kirchmaier und Michael Schindler einig. Im Herbst  startet an drei Freitagnachmittagen erneut ein Ausbildungskurs für ehrenamtliche Zuhörerinnen und Zuhörer. Ein Infoabend findet am 26. Juni um 18 Uhr im Gemeindehaus Liebfrauen in der Herrenstraße statt.

    Hochgerechnet rund 300 Stunden im Jahr leihen die Zuhörer ihr Ohr – kostenlos, ohne Terminabsprache, einfach so. Denn in Zeiten der digitalen Kommunikation finden Menschen nicht unbedingt jemand, der ihnen wirklich zuhört, wenn sie mal ihr Herz ausschütten möchten. Mittwochs im Gemeindehaus St. Jodok von 11.30 bis 13.30 Uhr, donnerstags im Heilig Geist-Spital von 15 bis 17 Uhr sowie samstags von 10 bis 12 Uhr in der Liebfrauenkirche antworten die geschulten Zuhörer auf diesen Mangel. In der Kirche St. Christina sind sie am ersten Donnerstag im Monat von 15 bis 17 Uhr ansprechbar. Ergänzend stehen sie in der Jodokskirche bei Aktionen wie der Einkaufsnacht oder dem Kunsthandwerkermarkt bereit.

    Und damit sie wissen, wie sie Menschen in verschiedenen Situationen begegnen, was sie antworten oder welche Hilfen sie empfehlen können, werden sie alle zwei Monaten in Gruppentreffen geschult, erhalten Supervision und die Möglichkeit sich auszutauschen. Ein Angebot, das auch ein 57-jähriger Lehrer aus Ravensburg gerne wahrnimmt. Seit Start des Projektes vor sechs Jahren engagiert er sich. „Dabei lerne ich selber immer wieder etwas für meine persönliche Entwicklung“, erklärt er im Gespräch. Das Konzept sei ganz einfach: 1. Leute annehmen, wie sie sind; 2. Keine Ratschläge geben; 3. Ausreden lassen. „Ich merke: Den Leuten tut es gut und für mich ist es kein großer Aufwand“, berichtet er zufrieden.

    Ehrenamt mit Mehrwert, beschreibt Pastoralreferent Schindler das Konzept: Wer sich für andere engagiert, wird entsprechend selber geschult. Dabei sei der Einsatz mit monatlich zwei Stunden Zuhören überschaubar, die Zeit zudem frei wählbar. Nach Eröffnung des „Hauses der katholischen Kirche“ neben der Liebfrauenkirche wird das Angebot erweitert, so dass nun weitere Zuhörerinnen und Zuhörer geschult werden sollen. Reinhilde Kirchmaier, die als Teilzeitkraft das Projekt koordiniert: Die Zuhörenden treffen sich mehrmals im Jahr zu einer Gruppensupervision, um sich unter fachlicher Begleitung auszutauschen und Anregungen zu erhalten. Je nach persönlichen Situationen werden eventuell Adressen von Hilfsangeboten wie z. B. Suchtberatung, Betriebsseelsorge, Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen weitergegeben.

    Getragen wird das Angebot von der Caritas Bodensee-Oberschwaben, der katholischen Gesamtkirchengemeinde und der Seelsorgeeinheit Ravensburg Mitte. Mit im Team sind auch hauptamtliche pastorale Mitarbeiter. In der gesamten Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt es rund 40 solcher "Orte des Zuhörens", u. a. auch in Weingarten. Auch von dort werden Teilnehmer zur Schulung erwartet. Nähere Informationen unter Tel. 07 51-3 61 96 11 im Pfarrbüro Liebfrauen oder per E-Mail: r.kirchmaier@gkg-rv.de.