Die Ravensburger Erklärung

    Erstmals in Deutschland laden kath. und ev. Kirche offiziell zu Kommunion und Abendmahl ein.

    „Vom Trennen zum Teilen – Abendmahl für alle“ ist eine Bewegung, die ihren Ursprung im Ravensburger Konzil 2013 hat. Pfarrer Hermann Riedle begrüßt die große Menge, die sich an der Liebfrauenkirche versammelt hat. „Welchen Gottesdienst sollen konfessionsverbindende Eheleute besuchen, wohin mit ihren Kindern gehen?“ Diesen wunden Punkt spricht er direkt an und zeigt damit auf, worum es bei dieser Aktion geht. Neben ihm erinnert Oberbürgermeister Daniel Rapp an einen historischen Höhepunkt der Stadt Ravensburg, als sich im Jahre 1555 die Gemeinde für ein paritätisches Miteinander der Konfessionen durchgerungen hatte. Daher dankt er den Aktiven für ihren Mut, auch jetzt wieder eine Zeichen der Verbundenheit zu setzen. Theodor Pindl schließlich, Theologe und Sprecher der Aktionsgruppe, ermuntert die Anwesenden, den Skandal der Trennung zu überwinden. Neben vielen auswärtigen Gästen wie z.B. aus Freiburg, Coswig und St. Gallen überbringt er auch die Grüße von unserem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Norbert Lammert, Bundestagspräsident.                                                                                                                     

    Danach geleiten die „Mehlsäcke“ die etwa 2000 Gäste zu den 160 bereitstehenden Tischen. Um 12 Uhr läuten die Glocken. Währenddessen fassen sich die Menschen an den Händen zu einem stillen Friedensgebet. Danach brechen Sie an den Tischen das Brot, trinken Wein oder Saft und kommen in ein ungezwungenes Gespräch. U. a. stellen sie fest, dass es zwar schon lange eine gelebte Gastfreundschaft zwischen den Konfessionen gibt, kath. Christen dürfen allerdings nicht am Abendmahl teilnehmen. Umgekehrt gilt für die ev. Christen, dass sie nicht an der Kommunion teilnehmen dürfen. Diesem Skandal hat sich die Aktionsgruppe um Theodor Pindl gestellt und Flagge gezeigt.            

    In der ev. Stadtkirche begeistert der ökumenische Chor aus Grünkraut die vielen Besucher. Frauen aus der Aktionsgruppe „vom Trennen zum Teilen – Kirche lädt ein“ verlesen den Wortlaut der Ravensburger Erklärung. U.a. heißt es: „Hier vor Ort beginnen wir mit einer einladenden Kirche, indem wir offen und herzlich zur Kommunion und Abendmahl einladen.“

    Ein gemeinsam gesprochenes „Vater unser“ leitet nun zu dem historischen Akt der Unterzeichnung der Ravensburger Erklärung.  Pfarrer Hermann Riedle und sein evangelischer Kollege, Pfarrer Martin Henzler-Hermann unterschreiben als Erste die Urkunden. Es folgen Oberbürgermeister Daniel Rapp und die Vorsitzenden der katholischen und evangelischen Kirchengemeinderäte.                                   

    Daniel Rapp würdigt anschließend im Besonderen den Mut von Pfr. Riedle für diesen Schritt. Minutenlanger Beifall der 2000 Gäste honoriert sein Handeln.

    Nach einem gemeinsamen Segen beider Pfarrer endet die denkwürdige Feier. Anschließend können von den Anwesenden die Urkunden unterschrieben werden.

    Hier kann eiine bebilderte Version des historischen Ereignisses angeschaut werden.

    Foto: Herbert Stoll