Die Krankensalbung wurde - und wird leider immer noch - zu Unrecht als das Sterbesakrament, als die "letzte Ölung" bezeichnet. Das ist einfach falsch und man sollte dieses Wort nicht mehr gebrauchen.
Das Sakrament der Krankensalbung ist nicht nur für die Menschen da, die bereits vom Tod gezeichnet sind. Noch viel weniger ist das Sakrament der Krankensalbung ein Sakrament für bereits Verstorbene. Nach dem Tod gibt es keine Sakramente mehr. Nach dem Tod sind die Menschen aufgehoben bei Gott.
In der Vergangenheit war es oft so, dass die Angehörigen den Pfarrer erst dann geholt haben, wenn der Kranke bzw. Sterbende bereits das Bewusstsein verloren hatte. Hinter dieser Verhaltensweise stand die Angst, dass der/die Kranke sich nicht aufregen soll, weil der Pfarrer kommt. Der/ die Kranke könnte ja meinen, dass es jetzt zu Ende geht...
Mit so einer Haltung wird das Sakrament gründliche missverstanden. Das Zweite Vatikanische Konzil hat dagegen klar gestellt:
Die Krankensalbung ist das Sakrament für die Kranken und nicht in erster Linie für die Sterbenden.
Auch wenn keine unmittelbare Todesgefahr besteht, kann sich ein Christ/eine Christin, der/die länger krank ist, aus der Gemeinschaft der betenden und feiernden Gemeinde ausgeschlossen fühlen.
In der Krankheit beschäftigt sich ein Mensch unwillkürlich mit den existenziellen Fragen des Menschseins.
In dieser wichtigen Phase des Lebens eines Menschen sollte er / sie nicht allein gelassen werden, weder von Freunden und Bekannten, noch von Angehörigen und auch nicht von der Kirchengemeinde.
Das Sakrament der Krankensalbung ist - wie alle Sakramente der Kirche - eine zeichenhafte Handlung, in der Gott dem glaubenden Menschen begegnet, ihm seine Liebe schenkt und ihn im Glauben stärkt.
Die Zeichen, die bei der Krankensalbung verwendet werden sind
Öl und die Salbung mit Öl hat eine uralte Geschichte. Schon vor Jahrtausenden war diese Salbung bekannt zur Heilung und zur Stärkung.
Das Krankenöl wird eigens vom Bischof geweiht in einem festlichen Gottesdienst in der Karwoche im Dom in Rottenburg.
Das Deutewort bei der Salbung der Stirn lautet:
Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen. Er stehe dir bei in der Kraft des Heiligen Geistes.
Das Deutewort bei der Salbung der Hände lautet:
Gott, der dich von Sünde befreit, rette dich und richte dich auf in seiner Gnade.
Bei der Feier der Krankensalbung sollen möglichst die Angehörigen dabei sein, um so gemeinsam beten zu können.
Jakobusbrief 5, 13 - 16
Ist einer von euch bedrückt, dann soll er beten. Ist einer von euch fröhlich, dann soll er ein Loblied singen. Ist einer von euch krank, dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich. Sie sollen für ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werde sie ihm vergeben. Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten.
Die Bischöfe des deutschen Sprachgebiets schreiben zum Ritus der Spendung des Sakraments der Krankensalbung:
"Die Krankensalbung kann auf mehrfache Weise gefeiert werden: im kleinen Kreis in der Wohnung des Kranken, in einem passenden Raum eines Krankenhauses oder Alternheims, in einer Kapelle oder auch in der Pfarrkirche.
Der/die Kranke oder Altersschwache kann auch zusammen mit anderen Kranken und in Begleitung seiner Angehörigen und Freunde an einer gemeinsamen Feier teilnehmen: denn Bettlägrigkeit ist keineswegs mehr Vorbedingung.
Nicht zuletzt kann die Krankensalbung eingefügt sein die Feier des Messopfers, gelegentlich sogar im Rahmen einer größeren Feier, etwa einer Krankenwallfahrt oder eines Krankentages, vollzogen werden."