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Innenausstattung der Kirche

Eine Kunst- und Altertums-Denkmalbeschreibung aus dem Jahre 1931 beginnt mit der Feststellung: "Sämtliche Ravensburger Kirchen zeichnen sich durch kaum zu überbietende Einfachheit im Äußeren und Inneren aus". Sicher ist das Kirchenschiff von St. Christina ein einfacher, rechteckiger Bau. Aber schon der sich unmittelbar in gleicher Breite anschließende Chor mit dem spätgotischen Sternengewölbe, das Maßwerk der Ostfenster und die nördlich im Chor abgehenden beiden Seitentüren lassen im Zusammenspiel mit den teils wertvollen Plastiken der Kirche Interesse aufkommen.

So wie sich das Innere der Kirche dem Besucher heute zeigt, ist dies das Ergebnis der 1993/1994 durchgeführten Restauration, der vierten seit dem Jahre 1837. Der Kirchenraum erscheint jetzt einladend hell. Bis auf etwa Augenhöhe ist ein dezenter, hellgrüner Farbauftrag vorhanden, darüber ein Band mit strengen Mustern in den Farben rot-grün und nach oben mit einem grauen Strich abgeschlossen. Farben und Muster wiederholen sich an der Decke; gleiches gilt für den grau gefaßten Stuck am Deckenrand. Schön gestaltet sind die Kreuzrippen im Chor und die beiden links abgehenden Tür-Einlässe, ein Rundbogen zur Sakristei und ein noch romanisch wirkendes, schmales Tor zum Turmaufgang fast unmittelbar darüber. Besser erhalten stellen sich nunmehr auch die Fresken im Chor von ca. 1500 dar, die schon früher freigelegt worden waren. Deutlich erkennbar sind Kreuzerhöhung und Gnadenstuhl, musizierende Engel, eine Maria Selbdritt, Johannes der Täufer und Petrus.

Für den Chor wurden bereits 1958 neue Fenster bei Wilhelm Geyer, dem bedeutenden Ulmer Glasmaler und Künstler, in Auftrag gegeben. Geyer, der auch Fenster für die Dome in Ulm, München und Köln geliefert hat, "schuf wohl hier eines seiner besten Werke, in seinen unkomplizierten Ausdrucksformen allen verständlich und überaus gefällig in den fein abgestimmten Farbkompositionen" (Sonntagsblatt vom 12. Oktober 1958). Im linken Fenster ist im unteren Teil das Martyrium der Heiligen Christina dargestellt, im oberen die Anbetung der Könige. Rechts sind Leben und Leiden des Heiligen Nepomuk, des zweiten Patrons der Kirche zu sehen, darüber eine Darstellung der Verklärung Jesu. Das mittlere Fenster zeigt Engelsgestalten mit Leidenswerkzeugen Jesu sowie das letzte Abendmahl und Szenen aus dem Kreuzweg. Interessant ist, daß die 1906 vom Pfarrer Detzel gestifteten "Gemäldefenster" im Chor u.a. ebenfalls dem Leben der beiden Kirchenpatrone gewidmet waren.

Brustbilder an der Empore
Brustbilder an der Empore

Im Zuge der jüngsten Renovierung wurden von Professor Albrecht (Wolfurt/Vorarlberg) ein sehr leicht wirkender Zelebrationsaltar aus weißem Marmor, zwei Seitenaltäre aus Sandstein sowie Tabernakel und Ambo eingebaut. Sie kamen an die Stelle eines ehemals etwas breiteren Volksaltars und zweier, auch nur im Sockelbereich gestalteter Seitenaltäre. Durch die transparente Tür des Tabernakels fällt das Tageslicht in die Kirche. Ein Symbol dafür, daß durch den im Eucharistischen Brot gegenwärtigen Herrn die Wirklichkeit Gottes in unserer Welt durchscheint. Die Böden und die Stufenanlage zum Chor wurden abgeändert und sind nunmehr in Sandstein ausgeführt. Entfernt wurde die Kanzel nebst Aufgang. Der gesamte Bereich der Orgel-Empore wurde neu gestaltet. Einheitlich wirkt das Kircheninnere jetzt auch durch die neuen Konsolen, auf welchen die Heiligen stehen.

Madonna
Madonna unbekannter Meister (um 1420)

Wertvoll und Kennern seit langem ein Begriff ist die schöne Madonna, die erst 1958 wieder an den linken Seitenaltar gekommen ist. Sie wurde 1955 von Josef Lutz und anläßlich der jüngsten Renovierung von Herbert Eninger restauriert, wobei jeweils die alte gotische Technik beachtet worden ist. Die 147 cm hohe, rückseitig abgeflachte Holzfigur wird unterschiedlich zwischen 1380 und dem Ende des 15. Jahrhundert, meist um 1420, datiert und als typisches Beispiel des "Weichen Stils" charakterisiert. In dieser laut Professor Knoblauch "lyrisch gestaltenden Epoche" mit einer "Nuance an Realitätszuwachs" wurden die schönen Madonnen als Ideal des Patriziertums angesehen. Von Kunstsachverständigen werden an der Figur besonders der gleitende Linienfluß mit dem Rückbiegen des Oberkörpers, die Neigung des nach vorne und seitlich zum Kind gewandten Kopfes, der Faltenwurf des harmonisch zum Boden schwingenden Gewandes bemerkt. Mit dem Reichsapfel in der Hand als Zeichen seiner Macht thront das Kind auf dem Arm der Mutter Gottes. In der rechten Hand hält es segnend das Zepter, wohl eine spätere Zutat wie eine auf älteren Bildern noch sichtbare Krone ähnlich der Mariens. Als Pendant zur Mutter Gottes hat Georg Gebhart aus Isny über dem rechten Seitenaltar im Jahre 1958 den Heiligen Josef mit einem Modell der Kirche zu seinen Füßen geschaffen. Von den Figuren an den Seitenwänden fällt wegen seines markanten Kopfes der Heilige Papst Urban auf, mit der Tiara auf dem Haupt. Diese ist mit drei vergoldeten Kronreifen und Kreuz geziert. Nach Alfons Kasper könnte die Figur vor 1500 von Jakob Ruß geschnitzt worden sein; andere Quellen datieren die Plastik ins 16. Jahrhundert. Als Patron der Winzer und Küfer erinnert der Heilige Urban mit Trauben in der Hand an den bis ins 20. Jahrhundert betriebenen Weinbau am St. Christina- und Veitsburghang. Auch der Heilige Johannes von Nepomuk, der Brückenheilige und zweite Kirchenpatron, ist älteren Datums, eventuell aus dem 17. oder frühen 18. Jahrhundert. Bemerkenswert ist das Kreuz, das der Heilige in der rechten Hand hält. Er ist der Patron der Beichtväter. Aus der gleichen Zeit stammt die Pieta.

Die übrigen Plastiken sind jüngeren Datums, meist neugotisch; sie standen teils in den Nischen des früheren Hochaltars. Zu erkennen sind der Patron unserer Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Heilige Martin mit der Mitra eines Bischofs und der Gans. Die Heilige Apollonia, wie Christina eine frühchristliche Märtyrerin, der man die Zähne ausgeschlagen haben soll, weshalb sie als Patronin der Zahnärzte gilt, ist mit Zange und Feuertopf dargestellt. Die Heilige Christina ist an den Pfeilen in der Hand sowie dem Mühlstein zu ihren Füßen erkennbar. Aus der gleichen Epoche (um 1890) stammen die von Moriz Schlachter geschaffenen Brustbilder. Sie sind anläßlich der letzten Renovierung neu gefaßt worden. Von den ehemals zwölf Aposteln und zwei Heiligen, die als rückwärtige Wandverkleidungen der Chorstühle dienten, sind drei Werke nunmehr mittig auf der Balustrade der Orgel-Empore angebracht. Der Heilige Jodok im Gewand eines Eremiten erinnert an die Verbindung zu der früher teils innerhalb des Pfarrspengels von St. Christina gelegenen Pfarrei St. Jokok in der Stadt Ravensburg. Mit dem Heiligen Norbert von Xanten, dem Gründer des Prämonstratenserordens, ist die jahrhundertelange Zugehörigkeit der Pfarrei St. Christina zum Kloster Weißenau symbolisiert. Als Stellvertreter der Apostel ist allein St. Petrus verblieben. Die rechts und links zu sehenden vier Kirchenlehrer mit jeweils einem Buch in der Hand, zierten ehemals die Kanzel. Sie sind an ihren Symbolen erkennbar: Augustinus mit dem Herz, Papst Gregor mit der Tiara und Taube, Hieronymus mit dem Löwen und Ambrosius mit dem Bienenkorb. Aus der gleichen Zeit, dem Ausgang des letzten Jahrhunderts, sind noch vierzehn Kreuzwegtafeln vorhanden. Gut erhalten ist das große Ölgemälde der Kirchenpatronin an der linken Seitenwand des Chores aus dem 18. Jahrhundert, auf welchem Leidensstationen der Heiligen abgebildet sind.

Eine Gedächtnistafel vor dem südlichen Seitenaltar erinnert an den 1722 im 50. Lebensjahr auf St. Christina verstorbenen Abt Leopold Mauch aus Weißenau, der die dortige Klosterkirche erbauen ließ. Gegenüber ist die Grabplatte eines Georg Ulrich von Helmling mit Wappen eingelassen; er könnte der Vater des Leopold Mauch auf dem Abt-Stuhl folgenden Michael Helmling gewesen sein. (G. Ott / H. Schoch)