St. Christina wird heute durch das malerische Ensemble von Kirche, Pfarrhof und ehemaligem Mesmergut repräsentiert, das sich seit Jahrhunderten auf einem hohen Bergsporn über der Stadt Ravensburg erhebt. Die Einschränkung und Reduzierung des Ortsnamens "St. Christina" auf die Kirche mit ihren oben genannten Gebäuden, zu denen seit 1826 auch eine Schule gehört, basiert jedoch auf einer Straßenumbenennungs-Aktion des Jahr 1922. Dabei erhielt der unterhalb der Kirche gelegene gleichnamige Weiler St. Christina, der damals aus insgesamt 10 Wohngebäuden bestand, die neue Anschrift Banneggstraße 1-23. Der Name Banneggstraße orientiert sich an dem ehemaligen Rebgewann "Bannegg", in dem der Ort liegt und nach dem der alte Feldweg Nr. 79 schließlich seine neue Straßenbezeichnung erhielt.
In alten Quellen liest man vom "Dorf St. Christinen". Auch sei hier gleich vorausgeschickt, daß die St. Christiner als "Dorf"-Gemeinschaft eine Sonderstellung in der Ravensburger Rebleutezunft innehatten und daß Ravensburger Quellen den Weiler St. Christina 1811 gar als Vorstadt bezeichnen. Seinen über Jahrhunderte gültigen Namen hatte der Ort von der Kirche St. Christina in monte, die vor den Mauern und Wällen der Welfenburg nach 1152 vermutlich von Welf VI. gestiftet worden sein soll, und bis 1613 das Haupt der Heiligen Christina von Bolsena barg. Im ehemaligen Pfarrsprengel der Kirche, der sich von Gullen, Ritteln und Friedach über das Flappachtal hinunter bis zum Obertor erstreckte und vor 1385 sogar Teile der Ravensburger Unterstadt mit der Vorstadt Pfannenstiel miteinbezog, bildete der Weiler St. Christina mit 10 katholischen Familien, nach Hinzistobel (12 Familien), die größte geschlossene Pfarr-Teilgemeinde.
Über das Alter und die Geschichte der Siedlung lagen bis jetzt keine konkreten Forschungen vor.
Als die Kapelle St. Christina im Jahr 1197 von König Philipp dem in der Schussenniederung liegenden Kloster Weißenau geschenkt wurde, fand sich der Weiler St. Christina offensichtlich nicht im Dotationsgut der Kirche. Vielleicht muß man aber auch eine andere Namensnennung in Betracht ziehen, hinter der sich der Ort St. Christina in früherer Zeit verbergen könnte. 1246 erwarb das Kloster Weißenau am Hang unterhalb der Kirche ein staatliches Gut namens "Egge", das aus Weingärten, Wäldern und Weiden bestand und von einem Winzer namens Arnold, dessen Diener Berthold sowie einem Maier (Verwalter) mit Frau und Diener umgetrieben wurde. Wo sich die Häuser zu diesem ausgedehnten Besitz an der "Bannegg" befanden, ist bis jetzt ungeklärt. Nach grundlegenden Forschungen von Georg Wieland sind sie jedoch eher Richtung Weißenbach zu suchen.
1338 führte der südliche Teil der Bachstraße in der Ravensburger Unterstadt zwischen dem Spital und der Klosterstraße die Bezeichnung "St.-Christinen-Gasse". Dies bezieht sich jedoch allein auf die Pfarrkirche St. Christina. Der Weiler selbst findet auch 1338 noch keine Erwähnung. Zwischen 1330 und 1340 kam die vollständige Bepflanzung der großen Rebhalde im Bereich der südlichen Stadtmauer am Kästlinstor einschließlich des Gebietes der heutigen Ziegelstraße und dem Aigen bis nach Weingartshof durch das Kloster Weißenau zum Abschluß. Spätestens seit 1346 vergaben die Mönche einzelne Rebstücke zu einem niedrigen Grundzins an Ravensburger Bürger. Ein Großteil der Fläche wurde jedoch in Eigenbewirtschaftung durch Dienstleute d.h. Leibeigene des Klosters bebaut.