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Die Liebfrauenkirche als liturgischer Raum im Wandel

Ein kleiner Blick führt uns etwas mehr als 100 Jahre zurück.

Die Kirche wurde im Übergang vom 19. in das 20. Jahrhundert im Innenraum als neugotische Kirche umgestaltet. dazu wurde eine entsprechende Ausstattung der litugischen Orte (z.B. Hochaltar, Kreuzaltar, Kanzel) geschaffen, der Chorraum wurde eingewölbt (zuvor gab es dort eine Flachdecke wie im Hauptschiff) und es erfolgte eine künstlerische Ausgestaltung im Stil der Zeit und angelehnt an ältere Vorbilder. Davon erhalten ist das Mosaik im Chorbogen der Kirche.

Mitte der 50ger Jahre des 20. Jahrhunderts erfolgte eine weitgehende Umgestaltung des Kirchenraumes; nicht nur wurde ein anderer Bodenbelag eingebracht sondern es wurde auch eine Neugestaltung der liturgischen Funktinsorte vorgenommen. Die neugotische Ausgestaltung und die Malereien an den Kirchenwänden wurden entfernt und eine Ausgestaltung im Stil dieser Zeit vorgenommen. Dazu gehörte ein großer, mit Szenen aus der Apokalypse versehener Hauptaltar, eine neue Kanzel, neue Kommunionbänke, eine Umgestaltung des Ortes für die Schutzmantelmadonna und in der Apsis die Einfügung eines gotischen Altaraufbaues, der im Kunsthandel erstanden wurde und offenbar aus der Schweiz stammt. Ebenso wurden die Apostelfiguren als einzige Ausgestaltung der Längswände im Mittelschiff der Kirche integriert.

Weitere Veränderungen wurden in den Jahren 1975-83 vorgenommen. Hierzu zählt die Neugestaltung des Ambos und Tabernakels sowie des Taufortes in der Kirche. Auch der Osterleuchter und verschiedene andere Elemente wurden damals neu gestaltet.

In den vergangenen 10 Jahren hat die Kirche mehrere Sanierungen erlebt, die überwiegend zwingend erforderlich waren, um die Bausubstanz zu erhalten.

So erfolgte Ende der 90er-Jahre die Sanierung der Außenhaut mit einer Konservierung der wertvollen mittelalterlichen Steinmetzarbeiten (Westfassade). Anfang des neuen Jahrtausends wurde bei einer statischen Routineuntersuchung festgestellt, dass die Kirche akut einsturzgefährdet war und es mussten in der nördlichen und südlichen Seitenwand vertikale Verankerungen gesetzt werden. Der Gründe für diese Instabilität waren neben den Umbauten in der Vergangenheit, die insbesondere durch den Anbau eines Seitenschiffes, die gesamte Statik des mittelalterlichen Gebäudes veränderten, wohl auch der Schwerlastverkehr auf der Bundesstraße, die auf der Nordseite des Gebäudes vorbeiführt und entsprechende Erschütterungen bedeutet.

Im Jahr 2005 musste ebenfalls sehr kurzfristig der Kirchturm gesichert werden und ein neuer Glockenstuhl eingebaut werden. Hier galt es einen Glockenstuhl aus Stahl zu entfernen, die Glocken zu sanieren, und eine alte, sehr wertvolle Glocke, die seit langer Zeit nicht mehr aufgehängt war, zu restaurieren und wieder in das Glockenensemble zu integrieren. Der neu eingebaute Glockenstuhl aus Holz nimmt die jahrhundertealte Tradition dieses Werkstoffs wieder auf und zusammen mit der alten restaurierten Glocke konnte ein weitaus harmonischerer Zusammenklang des Geläuts erreicht werden als dies in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war. Ebenfalls im Jahr 2005 erfolgte eine Teilsanierung der Windfänge.

Eine ausführliche Dokumentation der Veränderungen der Liebfrauenkirche in den Jahren 1803–1928 mit interessanten Informationen wird hier eingestellt.

Auf den folgenden Seiten sollen in den nächsten Monaten, möglichst zeitnah, Informationen zu den Planungen der Innenrenovation der Liebfrauenkirche eingefügt werden. Interessierte können sich auf diese Seiten auch über den Fortgang von bereits laufenden Maßnahmen ein Bild machen und finden entsprechende Bilder und Dokumentationen (siehe dazu auch den eigenen Ordner zur Marienkapelle).

Überblick über die verschiedenen erforderlichen Maßnahmen

Nachdem die letzte große Umgestaltung der Kirche mehr als 50 Jahre zurückliegt, ergeben sich insbesondere betriebstechnisch notwendige Neuerungen, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden müssen.

Aus Sicht der Liturgiefeier waren bestimmte Umgestaltungen in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts nicht ganz optimal, so dass man auf dem Hintergrund einer sich ändernden Gemeindestruktur, einer gewünschten großen Flexibilität bei der Feier verschiedener Gottesdienste mit unterschiedlichen Gruppengrößen und Anforderungsprofilen einige Veränderungen vornehmen will. Dadurch soll gewährleistet sein, dass für die kommenden Jahre und im Hinblick auf die Entwicklungen, unsere Gemeinde, ihre Gruppen und Bewegungen, Räume für gottesdienstliche Feiern vorfinden, in denen das liturgische Leben auf vielfältige Art Gestalt annehmen kann.

Bereits Mitte des Jahres 2003 wurde ein Ausschuss aus Mitgliedern des Kirchengemeinderats und der ganzen Kirchengemeinde gebildet, der für die Diskussionen im Kirchengemeinderat, zusammen mit dem beteiligten Architekten, Fachleuten der bischöflichen Baubehörde, Restaurateuren und Künstlern Vorschläge erarbeitet. Im Ausschuss gibt es eine recht breit gestreute Kompetenz aus verschiedensten Berufsfeldern: Architekt, Rechtsanwalt, Ingenieur, Handwerker, soziale und dienstleistungstechnische Berufsfelder, Künstler, Theologen.

Im technischen Bereich bedeutet dies im Wesentlichen:

Erneuerung der elektrischen Anlagen

Restaurierung und Sicherung der mittelalterlichen Fenster – diese zählen zu den wertvollsten Zeugnissen mittelalterlicher Werke, die in der Stadt Ravensburg erhalten sind

Erneuerung der Heizungsanlage im Hinblick auf eine das Gebäude schonende Temperierung, unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten – Zielrichtung: Erdwärmenutzung – Fußbodenheizung

Verbesserung der Wärmedämmung im Bereich der Holzdecken (soweit bauphysikalisch möglich und sinnvoll)

Reinigung der ganzen inneren Gebäudehülle, aller Bilder, Malereien und Figuren

Verbesserung der Zugänglichkeit der Kirche für Menschen mit Behinderungen

Rückbau der Beichtstühle an der Südseite und Verbesserung der Statik dieser Wand

Aus liturgischen Überlegungen bedeutet dies im Wesentlichen:

Renovierung und Umgestaltung der Marienkapelle (Südostseite, neben Hochchor) zu einem flexiblen Gottesdienstraum für kleine Gruppen, für das persönliche stillen Gebet und als Ort des Totengedenkens (siehe dazu die ausführlich Ausführungen weiter unten)

Vergrößerung der Altarinsel und Vorziehen des Altares

Herausgehobener Taufort im südlichen Seitenschiff

Neuer/alter Aufbewahrungsort der Eucharistie im gotischen Sakramentshaus (Hochchor)

Ausgestaltung eine Ortes für die Feier von Umkehr und Versöhnung

Neue Gestaltung des Bereichs rund um die Schutzmantelfrau, verbesserter Zugang zu dieser Figur, mit flexibler Bestuhlung

Abbau der Kanzel und Veränderung des Standorts für die Chororgel  

Zur Orientierung sind 2 Pläne angefügt, die diese geplanten Änderungen gemäß den Überlegungen und Beschlussfassungen des Kirchengemeinderats (Stand Oktober 2007)  dokumentieren. Um einen Größenvergleich zu ermöglichen wurde in einem Plan der bisherige Altar auf der neuen Altarinsel eingefügt, in der anderen Version ein kleinerer Altar eingezeichnet.

Plan lt. Beschlüssen des Kirchengemeinderats, Stand 11.06

Ein Beispiel für die Umgestaltung des Altarraumes in einer hochgotischen Kirche ist die Umgestaltung des Freiburger Münsters (Konsekration des neuen Altars am 11.12.06). Hier kann man sehen wie die Altarinsel gleich einer Zunge in den Kirchenraum hinein vorgezogen worden ist und ein vergleichsweise kleiner Altar dennoch eine prägende Ausstrahlung im Gesamtbild des Raumes hat. Der folgende Link gibt eine Fülle von Informationen zur Umgestaltung dieser Bischofskirche, die ursprünglich als Kirchenraum der städtischen Bürger gebaut worden war (so wie etwa auch das Ulmer Münster oder auch die gotischen Kirchen in anderen Städten unserer Region): Altarraum Freiburger Münster.

Was geschah im Jahr 2007 in der Liebfrauenkirche?

Nach den Osterfeiertagen 2007 wurde im Gestühl des Chorraums beidseitig ein Gerüst aufgebaut, um den Zustand der Chorgemälde zu untersuchen. Diese Gemälde sind etwa 100 Jahre alt und wurden in dieser Zeit bereits zweimal restauriert.

Die Voruntersuchung erfolgt durch den gleichen Restaurator, der auch die Marienkapelle untersucht, deren Zustand dokumentiert und die Restauration ausgeführt hat. Es ging im Wesentlichen darum, eine möglichst klare Aussage treffen zu können zum Zustand der Gemälde, um über die erforderlichen Maßnahmen einer Restaurierung befinden zu können.

Nach der Voruntersuchung der Chorgemälde von Gebhard Fugel erfolgte die Voruntersuchung der mittelalterlichen Glasfenster im Chorraum sowie einzelner Figuren im Kirchenraum. Solche Voruntersuchungen sind erforderlich, um den Zustand der verschiedenen Kunstwerke feststellen und abschätzen zu können, welcher Aufwand und welche Kosten erforderlich sind, um diese zu restaurieren und zu erhalten. In solche Voruntersuchungen sind das Bischöfliche Bauamt, das Landesdenkmalamt und die Kirchengemeinde mit einbezogen; das Landesdenkmalamt bezuschusst derartige Bestandserhebungen. Sehr häufig sind diese Maßnahmen die Bedingung, um später eine finanzielle Unterstützung des Denkmalamts für Restaurationen oder Bestandserhaltungen zu bekommen.

Für die Kirchengemeinde ergeben sich im Rahmen der Untersuchungen relativ klare Kostenkalkulationen zu den verschiedenen denkbaren restauratorischen Maßnahmen; dies erleichtert den Gremien die Entscheidungsfindung. Ferner sieht man auch deutlicher, welche künstlerischen Werte vorhanden sind. So kann man, ohne den genauen Untersuchungen vorwegzugreifen, schon jetzt sagen, dass die Gemälde von Gebhard Fugel in weiten Teilen nicht mehr im Original erhalten sind sondern durch Übermalungen und Ergänzungen ihrer ursprünglichen Ausstrahlung im Jahr der Fertigstellung (1910) weitgehend beraubt sind. Bereits wenige Jahre nach Fertigstellung mussten durch einen Schüler Fugels Ergänzungen vorgenommen werden, da offenbar die Farbanhaftung nicht optimal war und bei der letzten Renovierung (1956) wurden großflächige Übermalungen vorgenommen, die den ursprünglichen Ausdruck der Gemälde oft kaum mehr erahnen lassen.

Beschädigungen sind u. a. durch Schimmelbefall und Rissbildungen im Mauerwerk vorhanden; eine große Beschädigung durch einen Riss im Untergrund ist deutlich zu sehen im Berufungsgemälde auf der Nordseite (Bild links neben dem Sakramentshaus).

Sehr aufwendig waren die Untersuchungen der mittelalterlichen Glasfenstern im Chorraum. Die genauen Ergebnisse der Untersuchung können hier nicht wiedergeben werden aber es kann insgesamt festgestellt werden, dass die Fenster dringend konserviert werden müssen und die entsprechenden Schutzverglasungen dem heutigen Stand der Technik angepasst werden müssen. Allein diese Maßnahme wird einen hohen Betrag kosten, der es erforderlich macht, um Unterstützung bei verschiedensten Seiten anzufragen. Aus heutiger Sicht wäre zwar eine Restaurierung wünschenswert, da es sich bei den Fenstern um wichtige Zeugnisse der mittelalterlichen kirchlichen Frömmigkeit und Theologie sowie der Glaskunst im oberschwäbischen Raum handelt. Es gibt nicht viele derartige Zeugnisse im weiten Umkreis.

Eine Restaurierung ist jedoch mit sehr hohen Kosten verbunden; diese kann die Kirchengemeinde Liebfrauen nicht aufbringen und es ist auch nicht erkennbar, wie solche Kosten durch Sponsoren aufgebracht werden sollten.

Im Zuge der Untersuchungen wurden die einzelnen Glaselemente auch neu fotografiert und werden hier hinterlegt.

Ausschreibung eines Wettbewerbs zur Renovierung und Umgestaltung der Kirche

In der zweiten Hälfte des Jahres 2007 hat die Diözesanleitung des Bistums Rottenburg-Stuttgart der Kirchengemeinde mitgeteilt, dass eine Umgestaltung in der geplanten Größenordnung nach den Rahmenrichtlinien im Bistum nur möglich ist, wenn ein Wettbewerb unter Architekten ausgeschrieben wird. Dadurch soll die Kompetenz von Fachleuten zu Rate gezogen werden, die im Umgang mit Kirchenräumen entsprechende Erfahrungen mitbringen. Die bisherigen Erarbeitungen innerhalb der Gemeinde sollen in diese Überlegungen einfließen.

Gleichzeitig hat die Bistumsleitung der Kirchengemeinde vermittelt, dass die Liebfrauenkirche in Ravensburg zu den wichtigsten Kirchenräumen im Bistum gehört und deshalb eine besondere Aufmerksamkeit auf deren Umgestaltung zu legen ist.

Nach der Fertigstellung der Ausschreibung für einen beschränkten Wettbewerb unter ausgewählten Architekten wurden Anfang 2008 drei Architekturbüros aus Deutschland und der Schweiz zur Mitarbeit eingeladen. Diese hatten im Januar und Februar 2008 Gelegenheit, die Kirche ausführlich zu besichtigen und mit Mitgliedern der Kirchengemeinde und der bischöflichen Baubehörde die Wünsche zur Umgestaltung und Renovierung zu erörtern.

Bis Ende Mai 2008 konnten die Entwürfe und ein Modell des umgestalteten Kircheninnenraums eingereicht werden; am 6. Juni 2008 wurden die Entwürfe im Rahmen eines Preisgerichts prämiert. Danach erhielt die Kirchengemeinde und die Öffentlichkeit Gelegenhiet, alle prämierten Entwürfe anzusehen.

Im Sommer 2008 hat der Kirchengemeinderat nach ausführlichen Diskussionen die Entcsheidung getroffen, mit dem Architekturbüro Jauss + Gaupp, Friedrichshafen zusammenzuarbeiten und deren erstprämierten Entwurf als Grundlage für die Umgestaltung der Kirche anzunehmen.

Es ist geplant, dass die Baumaßnahme im Jahr 2010 beginnen und in einem Bauabschnitt auch durchgeführt werden soll.

Zum derzeitigen aktuellen Stand vgl. unter "Aktuell".

Verantwortlich: Dr. Michael B. Merz, Ravensburg (Stand: 28.01.2009)

Derzeit werden die Seiten zur Renovierung neu gestaltet. Die Besucher erleben das Entstehen dieses neuen Internetauftritts mit; für Anregungen, Mitteilung von Fehlern und Hinweisen danke ich.

Spendenkonto bei der Katholischen Gesamtkirchenpflege Ravensburg Stichwort „Renovation Liebfrauenkirche“ Konto 48 000 608 bei der Kreissparkasse Ravensburg (BLZ 650 501 10)